Cursor gehört seit vergangenem Freitag zu SpaceX. Musks Unternehmen hat den Kauf des KI-Programmier-Start-ups für 60 Milliarden Dollar abgeschlossen. Die Transaktion trat am 14. August in Kraft, also zwei Monate nachdem SpaceX offiziell bekannt gegeben hatte, dass es das Unternehmen übernimmt. Es handelt sich um eine der größten Technologieübernahmen überhaupt und um einen bedeutenden Schritt Elon Musks bei seinem Versuch, zu den Konkurrenten Anthropic und OpenAI aufzuschließen.
Von der Option im April bis zur Unterzeichnung
In seiner Mitteilung spricht Cursor wiederholt über die Infrastruktur von SpaceX, was das Hauptmotiv der gesamten Transaktion deutlich macht. Das Unternehmen schreibt, dass es Zugang zur weltweit größten Flotte von Grafikchips und damit auch zur Rechenleistung für das Training leistungsfähigerer Modelle erhalten werde. Diese sollen sich zudem effizienter betreiben lassen, wodurch Kunden leistungsfähigere Werkzeuge zu einem niedrigeren Preis erhalten sollen. Cursor selbst bezeichnet dies als Fortsetzung seines bisherigen Weges. Seit seiner Gründung hat sich das Unternehmen von der Ergänzung einiger Codezeilen hin zur Entwicklung von KI-Kollegen bewegt, denen man echte Arbeit übertragen kann.
Das Unternehmen fügt hinzu, dass SpaceX Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz aufbaut, die weit über das heutige Niveau hinausgehen, wobei Cursor einer der Orte sein soll, an denen diese Technologie den größten Nutzen entfalten wird.
Musk will Software
Für SpaceX ist diese Übernahme eine völlig andere Art von Geschäft, als das Unternehmen bislang gewohnt war. Ziel ist es, die Entwicklung fortschrittlicherer KI-Werkzeuge zu stärken, die die Arbeit vereinfachen, wobei das Programmieren zu den profitabelsten Segmenten in diesem Bereich gehört. Laut Musk muss das Unternehmen an der Softwarefront erfolgreich sein. Er wiederholte außerdem, dass künstliche Intelligenz für SpaceX sowohl Gegenwart als auch Zukunft sei, und schätzte, dass die Einnahmen aus KI künftig alle übrigen Einnahmen des Unternehmens zusammen übertreffen werden.
Beide Seiten arbeiteten bereits während der Wartezeit bis zum Abschluss der Transaktion zusammen. Das erste gemeinsame Modell, Grok 4.5, veröffentlichten sie im Juli. Es konzentriert sich auf Programmierung, Finanzen und juristische Aufgaben und ist nach Angaben der Unternehmen kostengünstiger zu betreiben als Konkurrenzmodelle. Seitdem hat SpaceX das Produkt Grok Bot vorgestellt, das als Team von KI-Agenten fungiert, die im Laufe des Tages automatisch Aufgaben übernehmen. Anschließend fügte das Unternehmen auch die verbesserte Version Grok 4.6 hinzu. Gerade dieses neueste Modell, das am vergangenen Mittwoch veröffentlicht wurde, bezeichnet Cursor als erste echte Demonstration dessen, was beide Unternehmen nun gemeinsam entwickeln können.
Wer von der Transaktion profitiert hat
Interessant ist auch die Beziehung zu den Unternehmen, denen SpaceX seine Rechenkapazität vermietet. Musks Unternehmen stellt nämlich Kunden wie Anthropic und Google Hardware zur Verfügung und hat mit ihnen Verträge in Milliardenhöhe abgeschlossen. Anthropic ist mit seinem Werkzeug Claude Code zugleich der wichtigste Konkurrent von Cursor. Ein Teil der Rechenleistung, die künftig Musks Modelle antreiben soll, versorgt heute paradoxerweise seinen direkten Rivalen.
Das Start-up ist ungewöhnlich schnell gewachsen. Seine Gründer brachten diesen KI-Assistenten 2023 als Hilfsmittel zum Schreiben und Debuggen von Code auf den Markt. Das Projekt wurde bald zu einem der am schnellsten wachsenden Start-ups der Geschichte und zu einem der Namen, die die Ära des sogenannten „Vibe Codings“ prägten. Dabei handelt es sich um einen Trend, bei dem Entwickler Werkzeuge nutzen, die allein anhand von Anweisungen in einem Chat vollständige Software generieren können. Das Unternehmen selbst wurde 2022 von vier Freunden vom MIT gegründet.
Gerade die Gründer haben nun den größten einmaligen finanziellen Erfolg verbucht. Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung werden sie zu Milliardären, und das gesamte Cursor-Team erhält Zugang zu den riesigen Beständen an fortschrittlichen KI-Chips von SpaceX. Michael Truell, Aman Sanger und Sualeh Asif sind fünfundzwanzig Jahre alt, Arvid Lunnemark ist ein Jahr älter. Schätzungen zufolge wird jeder von ihnen über ein Vermögen von rund 2,7 Milliarden Dollar verfügen, was ungefähr doppelt so viel ist, wie sie vor Abschluss der Transaktion besaßen.
Profitiert haben auch jene Investoren, die als Erste bei Cursor eingestiegen sind. Andreessen Horowitz hält etwa ein Zehntel des Unternehmens im Wert von sechs Milliarden Dollar, der Fonds Thrive besitzt rund sieben Prozent im Wert von 4,2 Milliarden Dollar. Thrive sitzt dabei auf beiden Seiten des Tisches, da der Fonds auch an SpaceX beteiligt ist, und sein gesamter Anteil an beiden Unternehmen übersteigt zehn Milliarden.
Quellen: finance.yahoo.com, bloomberg.com und techcrunch.com



