Schule für Roboter. Apollo-Roboter bereiten sich auf ihren Arbeitsalltag vor

Schule für Roboter. Apollo-Roboter bereiten sich auf ihren Arbeitsalltag vor

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
2. 7. 2026
4 Minuten Lesezeit
Schule für Roboter. Apollo-Roboter bereiten sich auf ihren Arbeitsalltag vor

    In einer der Hallen im texanischen Austin absolvieren humanoide Roboter ihr tägliches Training. Dort legen sie Kartons auf Förderbänder, sortieren Spielzeug in Körbe und Zubehör in Kisten. Fast die gesamte Zeit werden sie von Menschen begleitet, die direkt neben ihnen stehen. Statt um echte Arbeit geht es um Training.

    Diese Anlage nennt Apptronik „Robo Park“, und in letzter Zeit ist sie zu einem der interessantesten Orte in der Robotikbranche geworden. Auf fast 90.000 Quadratmetern lernen die Maschinen, wie Menschen zu arbeiten. Die Einrichtung ist sieben Tage die Woche in Betrieb. Jede Bewegung, jeder Versuch und jeder Misserfolg wird aufgezeichnet. Dabei entstehen Unmengen an Daten, mit denen die künstliche Intelligenz in diesen Robotern trainiert wird.

    Entstehung der „Datenfabrik“

    Apptronik wurde 2016 von Jeff Cardenas und seinem Team gegründet. Das Unternehmen ging aus einem Universitätslabor in Texas hervor, genauer gesagt aus dem Human-Centered Robotics Laboratory. Die Anfänge waren militärisch geprägt: Das Projekt erhielt Mittel aus dem Wettbewerb DARPA Robotics Challenge des US-Militärs, bei dem nach Maschinen gesucht wurde, die in betroffenen Gebieten und bei Katastrophen eingesetzt werden können. Nach und nach orientierte sich Apptronik jedoch vom Verkauf einzelner Komponenten hin zu einer Komplettlösung um: einem humanoiden Roboter.

    Der Roboter Apollo wurde 2023 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Er ist etwa 180 Zentimeter groß, wiegt gerade so viel, dass er sich sicher bewegen kann, und kann auch schwerere Gegenstände heben. Die aktuelle Version, Apollo 2, ist stärker und verfügt über eine bessere Batterie und bessere Sensoren. Sie kann vier Stunden lang arbeiten und mit beiden Händen bis zu 25 Kilogramm heben. Cardenas weiß jedoch, dass es nicht genügt, einen guten Roboterkörper zu bauen. Ein Körper ohne Gehirn ist nur ein Haufen Metall. Das Gehirn entsteht aus einer großen Menge an Daten.

    Wenn man die Halle betritt, sieht man ein System, das an eine Mischung aus Fabrik und Spielfeld erinnert. Die Apollo-Roboter stehen an ihren Positionen, und neben jedem von ihnen befindet sich ein Bediener. Dieser steuert den Roboter während seiner Tätigkeit, gibt ihm Anweisungen und beobachtet, wie er lernt. Alles wird aufgezeichnet – jede Bewegung, jeder Fehler, jeder Erfolg.  „Es ist wie eine Fabrik, aber statt Dinge zu produzieren, werden Erkenntnisse produziert“, sagte Cardenas in einem Interview. Er selbst vergleicht diese Erfahrung mit einem Kinderspielplatz. Die Roboter sammeln hier praktische Erfahrungen, was Cardenas als „Datenfabrik“ bezeichnet.

    Auch andere sind bereits auf diese Idee gekommen. Elon Musk sprach bei seinen Optimus-Robotern, die er in einer sogenannten „Optimus-Akademie“ unterbringen will, über ein ähnliches Konzept. Die Idee ist vergleichbar: einen endlosen Kreislauf des Lernens und der Verbesserung zu schaffen. Die Daten aus jeder Stunde werden direkt an die künstliche Intelligenz in Apollo übermittelt. Das System lernt nach und nach, Gegenstände besser zu handhaben, das Gleichgewicht besser zu halten und Fehler zu vermeiden, die es bereits in der Vergangenheit gemacht hat. Die Verbesserung findet in den Algorithmen statt.

    Apollo-Roboter sind bereits im Einsatz

    Apptronik ist längst kein reines Laborprojekt mehr. Das Startup erreichte in diesem Jahr eine Bewertung von 5,5 Milliarden Dollar und erhielt für seine Entwicklung rund eine Milliarde Dollar. Zu den Investoren gehören Google und Mercedes. Mercedes setzt Apollo bereits ein und hat ihn in seinen Fabriken für einfache Aufgaben wie das Einsammeln von Komponenten und deren Vorbereitung für die Montagelinien eingesetzt. Bislang handelt es sich dabei um keine komplexen Aufgaben.

    Google DeepMind, die Forschungsabteilung des Unternehmens, nutzt die Apollo-Roboter auf andere Weise: Es verwendet sie, um seine eigenen Robotikmodelle zu verbessern. Wenn DeepMind beobachtet, wie sich Apollo in der realen Welt verhält, kann es seine eigenen Algorithmen auf Grundlage dieser Erkenntnisse verbessern. Apptronik hat ehrgeizige Pläne und arbeitet derzeit an der dritten Version des Roboters, Apollo 3, die das Unternehmen als kommerzielle Lösung verkaufen will. Cardenas lehnte es jedoch ab, eine Einschätzung dazu abzugeben, wann sie genau auf den Markt kommen wird.

    Interessant ist, dass Apptronik etwas tut, worin das Unternehmen nur wenige Konkurrenten hat. Es stellt nicht nur humanoide Versionen auf Beinen her, sondern auch Versionen auf Rädern. Cardenas glaubt, dass in Zukunft gehfähige Humanoide am wichtigsten sein werden, da sie theoretisch alles tun könnten, was ein Mensch kann. In naher Zukunft haben jedoch die Versionen auf Rädern die besten Erfolgschancen. Sie sind sicherer und verbrauchen weniger Energie. Sich mit einer schweren Batterie im Körper auf zwei Beinen fortzubewegen, ist kompliziert, und bei einem möglichen Sturz des Roboters drohen große Schäden.

    Die Robotik nimmt Fahrt auf

    Apptronik ist in diesem Wettstreit nicht allein, und die Marktsituation verändert sich rasch. Das Startup Figure AI aus San José wird derzeit mit 39 Milliarden Dollar bewertet und beginnt bereits damit, seine Roboter in Logistikzentren einzusetzen. Das Unternehmen 1X aus Palo Alto will in diesem Jahr mehr als 10.000 Humanoide in Haushalte schicken, was praktisch einer Massenproduktion entspricht. Agility Robotics bereitet sich auf einen Börsengang (IPO) vor, und sein Roboter Digit arbeitet bereits an neun Standorten für Unternehmen wie Amazon oder Toyota.

    Cardenas sieht die Entwicklung in drei Phasen. Zunächst musste bewiesen werden, dass die Technologie funktioniert. Jetzt befinden wir uns in der zweiten Phase, in der gezeigt werden muss, dass sich mit Robotern Geld verdienen lässt. Die dritte Phase wird erreicht sein, wenn das Ganze profitabel wird. „Humanoide sind für uns wie der Personal Computer. Wenn Sie glauben, dass das so ist, dann befinden wir uns im Jahr 1980. Wir sind in der Ära der Tabellenkalkulationen und Textverarbeitungsprogramme“, sagte Cardenas. Dieser Vergleich soll verdeutlichen: Alles steht erst am Anfang.

    Quelle: businessinsider.com

    Kategorie:Robotik
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