Unitree überrascht erneut mit riesigem Mecha-Roboter für 650.000 Dollar

Unitree überrascht erneut mit riesigem Mecha-Roboter für 650.000 Dollar

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
18. 5. 2026
4 Minuten Lesezeit
Unitree überrascht erneut mit riesigem Mecha-Roboter für 650.000 Dollar

Das chinesische Unternehmen Unitree wurde durch Roboter bekannt, die tanzen, Kung-Fu praktizieren und durch Schnee stapfen. Nun hat es der Welt den GD01 präsentiert, einen riesigen, eine halbe Tonne schweren Mecha-Roboter mit Platz für einen menschlichen Piloten im Inneren. Er kostet 650.000 Dollar und wird von Unitree als „ziviles Fahrzeug“ bezeichnet.

Um zu verstehen, was der GD01 bedeutet, müssen wir uns zunächst ansehen, wer hinter ihm steht. Unitree Robotics hat seinen Sitz im chinesischen Hangzhou und ist innerhalb weniger Jahre zu einem der bedeutendsten Robotikunternehmen der Welt geworden. Das Analyseunternehmen Omdia schätzt, dass chinesische Unternehmen im Jahr 2025 für fast 90 Prozent des weltweiten Absatzes humanoider Roboter verantwortlich waren. Allein Unitree lieferte damals mehr als 5.500 humanoide Roboter aus. Zum Vergleich: US-Unternehmen wie Tesla, Figure AI oder Agility Robotics lieferten jeweils insgesamt etwa 150 Stück aus.

Unitree war unter anderem deshalb erfolgreich, weil seine Roboter außergewöhnlich erschwinglich sind. Der humanoide Basisroboter G1 kostet ungefähr 15.000 Dollar, während vergleichbare US-amerikanische Maschinen zehnmal so teuer sind. Der Schlüssel dazu liegt in der Kontrolle über die chinesische Lieferkette und in einer Hardware, die Forschende leicht an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen können. Das Unternehmen plant unter anderem einen Börsengang.

Die Roboter von Unitree tanzten bereits beim Frühlingsfest, führten koordinierte Kampfkünste aus, die drahtlos gleichzeitig zwischen den Maschinen übertragen wurden, und einer von ihnen war sogar in der neuen Staffel von Jackass zu sehen.

GD01: Ein Roboterskelett, in das man sich hineinsetzt

Der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, Wang Xingxing, drehte ein Video, in dem er den Roboter zunächst an der Hand hält und dann in ihn hineinklettert. Direkt in das offene Cockpit inmitten des riesigen Metallkörpers. Der GD01 ist etwa 2,7 Meter groß und wiegt mit Pilot mehr als 500 Kilogramm. Unitree bestätigte der Redaktion von Wired, dass es sich um ein echtes, zum Verkauf angebotenes Produkt und nicht um einen Scherz handelt.

Der Roboter läuft auf zwei Beinen in einem Tempo, das einem gemächlichen Gang entspricht. Wenn seine Höhe zum Hindernis wird, wechselt er in den Vierbeinermodus und bewegt sich wie ein Gorilla. Dafür beugt er sich an der Hüfte um ganze 90 Grad nach hinten. Sitzt man also nach vorn gerichtet im Inneren, enden die Knie zur Decke zeigend. Unitree umging dieses Problem im Video elegant, indem das Unternehmen den Piloten erst nach Abschluss der Verwandlung in den Roboter setzte.

Im Video bringt der GD01 außerdem mit einem einzigen Schlag aufgestapelte Ziegelsteine zum Einsturz. Die Ziegel sind offensichtlich nicht mit Mörtel verbunden, dennoch sieht es beeindruckend aus.

Was auf den ersten Blick ins Auge fällt

Sieht man sich die Aufnahmen aus der Nähe an, häufen sich die Fragen. Das Cockpit wirkt wie ein enges, ergonomisch wenig einladendes Sitzgestell. Vor dem Piloten befinden sich weder ein Bedienfeld noch ein Display. Über die Metallrohre sind alte Reifen gezogen – ja, sie sehen aus wie zerschnittene Fahrradreifen. Kabel ragen lose heraus. Der Lack ist zerkratzt. Und wie steuert man das Ganze eigentlich?

Unitree hat bislang nicht verraten, was der GD01 außer dem Einreißen unverstärkter Ziegelmauern noch kann. Kann er Lasten tragen? Bewältigt er Treppen oder Steigungen? Wie lange hält sein Akku? Das Unternehmen räumt ein, dass es Vorschläge aus der Öffentlichkeit begrüßt und die Maschine fortlaufend verbessern will. Das allein sagt bereits einiges über den aktuellen Stand des Projekts aus. Vielleicht ist dies nur eine maßlos überteuerte öffentliche Betaversion für eine deutlich bessere nächste Generation. Ein wenig wie das erste MacBook Air: teuer, unvollkommen, aber ein Vorbote von etwas Größerem.

650.000 Dollar ist der Einstiegspreis, zu dem Unitree den GD01 anbietet. Zum Vergleich: Der humanoide Roboter G1 desselben Unternehmens kostet 15.000 Dollar. Der GD01 ist somit mehr als vierzigmal so teuer. Dabei kann er bislang nicht einmal einen Bruchteil dessen, was der G1 beherrscht.

Unitree bezeichnet den GD01 als „transformierbaren Mech mit Besatzung“ und richtet ihn an Forschungslabore, industrielle Testumgebungen und akademische Projekte. Zugleich bittet Unitree seine Kunden, den Roboter „freundlich und sicher zu verwenden“. Es ist schwer zu sagen, wer genau eine halbe Million Dollar für eine solche Maschine ausgeben würde, doch Wired spekuliert, dass vielleicht schon eine kleine Gruppe finanzstarker Technikbegeisterter ausreichen könnte. Oder Mr. Beast.

Mecha-Roboter sind nichts Neues

Ähnliche Versuche mit Maschinen, in die sich ein Mensch hineinsetzt und die er durch Körperbewegungen steuert, gab es bereits früher. Meist handelte es sich um spektakuläre Attraktionen auf Ausstellungen und nicht um funktionierende Geräte, die zum Verkauf standen. Einige setzten auf technische Kompromisse, etwa auf die Fortbewegung auf allen vieren statt auf echtes zweibeiniges Gehen. Der GD01 läuft auf zwei Beinen. Mit einem Piloten im Inneren.

Ob es sich hierbei um einen Prototyp, ein Ausstellungsstück oder ein echtes Produkt handelt, wird die Zeit zeigen. Unitree versteht es jedenfalls, uns zu überraschen.

Quellen: gizmodo.com und osel.cz

Kategorie:Robotik
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