Im historischen Peking bot sich ein großartiges Schauspiel. Dutzende humanoide Roboter marschieren in perfekter Formation vor einem der schönsten Bauwerke der chinesischen Zivilisation. Kein Film und kein CGI, sondern modernste chinesische Roboter.
Kung-Fu-Show mit Robotern
Das chinesische Unternehmen Unitree Robotics veröffentlichte einen vierzigsekündigen Clip, der 49 humanoide G1-Roboter zeigt, wie sie vor der ikonischen Halle des Erntegebets, die 1420 fertiggestellt wurde, perfekt synchronisierte Kampfkunst vorführen. Schläge, Tritte, Überschläge. Alles ohne einen einzigen menschlichen Eingriff.
Innerhalb von nur fünf Stunden wurde das Video auf WeChat von mehr als 42.000 Nutzern geteilt und erhielt über 50.000 Likes. Auf der Plattform X verbargen die Nutzer ihre Begeisterung nicht: „Großartige Koordination und Kameraführung. Es ist toll, dass humanoide Roboter jetzt Realität sind und nicht mehr nur im Film vorkommen,“ schrieb einer von ihnen.
Die Technik hinter der Vorführung
Unitree nutzte für diesen Auftritt dieselbe Plattform zur Clustersteuerung, die das Unternehmen eine Woche zuvor bei der chinesischen Neujahrsgala eingesetzt hatte. Das System funktioniert so, dass eine zentrale Steuerstation Trajektorien und Bewegungssequenzen verteilt, während jeder Roboter diese autonom ausführt und sich dabei kontinuierlich selbst überwacht.
Jeder G1-Roboter orientiert sich mithilfe eines integrierten 3D-LiDARs, mit dem er seine Umgebung in Echtzeit scannen und seine Position innerhalb der Formation präzise bestimmen kann. Wenn ein Roboter nach einem Überschlag ungünstig landet, stellt er sein Gleichgewicht automatisch und dynamisch wieder her, basierend auf Rückmeldungen zu seinem aktuellen Zustand. Kein Bediener muss ihn retten.
Unitree versah das Video mit einem ausdrücklichen Hinweis: „Echte Aufnahmen, keine KI-generierten Inhalte.“ Und das ist wichtig – im Internet kamen sofort Zweifel an der Authentizität auf. Einige bemerkten das Fehlen von Schatten, andere wiesen auf die ungewöhnliche Leere des Geländes hin. Die wahrscheinlichste Erklärung? Die Dreharbeiten fanden kurz vor Sonnenaufgang statt, wenn der berühmte Ort noch menschenleer ist – ähnlich wie bei dem Versuch, die Karlsbrücke ohne Menschen zu fotografieren.
Der Roboter Unitree G1
Wer ist eigentlich der Hauptdarsteller dieser Geschichte? Der Unitree G1 ist ein humanoider Roboter mit einer Größe von 132 cm und einem Gewicht von etwa 35 kg. Das Basismodell ist ab 13.500 Dollar erhältlich – in der Welt der Robotik ein überraschend erschwinglicher Betrag.
Der Roboter verfügt über 23 Freiheitsgrade (die EDU-Version über bis zu 43), wird von permanentmagneterregten Synchronmotoren mit geringer Trägheit angetrieben und nimmt seine Umgebung über eine Tiefenkamera und 3D-LiDAR wahr. Für die Rechenleistung sorgt ein Achtkernprozessor, während die EDU-Version zusätzlich mit einem NVIDIA-Jetson-Orin-Modul ausgestattet ist. Die Akkulaufzeit? Etwa 2 Stunden Betrieb.
Was kann der G1 außer Kung-Fu? Überschläge in einer Höhe von bis zu drei Metern, Laufen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 4 Metern pro Sekunde und – in Kombination mit einer kraftgesteuerten Dreifingerhand – die präzise Handhabung von Gegenständen. Unitree bezeichnet ihn als „humanoiden Agenten und KI-Avatar“ und verspricht kontinuierliche Softwareaktualisierungen über ein ferngesteuertes OTA-System.
Von der Gala zum Tempel: Eine Serie von Triumphen
Der Auftritt im Himmelstempel war weder der erste noch der letzte. Alles begann am 16. Februar bei der chinesischen Neujahrsgala, wo die G1-Roboter das vorführten, was die Organisatoren als weltweit erste vollständig autonome Kung-Fu-Darbietung humanoider Roboter bezeichneten – mit Parkour, der Technik des betrunkenen Boxers und Nunchakus. Das war ein deutlicher Fortschritt gegenüber 2025, als die Roboter bei der Gala lediglich den traditionellen Yangko-Tanz aufführten.
Nach der Gala veröffentlichte Unitree noch ein weiteres Video: Mehr als 40 G1-Roboter stellten sich in Formation auf und bildeten mit ihren Körpern einen aus der Vogelperspektive lesbaren Neujahrsgruß. Eine Choreografie wie aus einer anderen Welt.
20.000 Roboter pro Jahr
Hinter dieser Show steht eine klare Geschäftsstrategie. Unitree-Geschäftsführer Wang Xingxing gab bekannt, dass das Unternehmen im Jahr 2026 20.000 humanoide Roboter ausliefern will – fast viermal so viele wie die 5.500 Exemplare im vergangenen Jahr. Unitree behauptet, dass seine Produktion im vergangenen Jahr die Gesamtproduktion der wichtigsten amerikanischen Konkurrenten übertroffen habe.
Die Technologie zur Clustersteuerung soll jedoch nicht nur Shows dienen. Das Unternehmen sieht reale Einsatzmöglichkeiten bei der Inspektion von Industrieanlagen, der Sortierung in Lagerhäusern, der Präzisionsmontage oder der Handhabung schwerer Lasten. Die Roboter sollen sich autonom in komplexen Umgebungen bewegen, und genau an dieser Herausforderung arbeitet Unitree intensiv mithilfe der sogenannten Embodied AI, also künstlicher Intelligenz, die direkt in den Roboter integriert ist.
Quellen: interestingengineering.com und globaltimes.cn



