Es war das Jahr 2013, als Tim Cook auf der D11-Konferenz einen scheinbar harmlosen Satz sagte: „Die gesamte Sensorbranche wird explodieren.“ Damals ahnten nur wenige, dass Apple hinter den Kulissen fieberhaft an einer Smartwatch mit den Funktionen eines medizinischen Geräts arbeitete. Heute, mehr als zehn Jahre später, spricht Cook erneut. Und dieses Mal spricht er über Visual Intelligence – eine Technologie, die die Welt mit Ihren Augen sieht.
Apple und Visual Intelligence: Eine neue Ära tragbarer KI
Visual Intelligence erschien erstmals im iPhone 16 Pro im Jahr 2024 als Teil des Apple-Intelligence-Ökosystems. Die Funktionsweise ist einfach: Sie richten das Smartphone auf etwas, nehmen ein Foto oder einen Screenshot auf, und die KI beantwortet Ihnen sofort Fragen zum Inhalt. Sie möchten wissen, was im Restaurant auf dem Teller liegt? Kein Problem. Sie benötigen eine umgekehrte Bildersuche über Google? In einer Sekunde erledigt.
Doch Apple ist damit noch lange nicht am Ende. Das Unternehmen entwickelt eigene visuelle Modelle und will diese Technologie zum Herzstück einer völlig neuen Gerätegeneration machen. Geplant sind fortschrittliche AirPods mit Kameras, smarte Brillen und ein Anhänger mit maschinellem Sehen, den Sie um den Hals oder am Körper tragen können. Der praktische Nutzen? Das Gerät sagt Ihnen bei einem Spaziergang durch die Stadt nicht nur „Biegen Sie in 50 Metern rechts ab“, sondern weist Sie darauf hin: „Gehen Sie an dem roten Café an der Ecke vorbei.“ Oder es erinnert Sie an eine Aufgabe, sobald Sie sich einem bestimmten Gegenstand nähern. Genau das testet Apple derzeit aktiv.
Cook erklärte bei einem internen Treffen mit Mitarbeitern, dass Apple dank seiner Basis von 2,5 Milliarden aktiven Geräten im Bereich KI einen „unbestreitbaren enormen Vorteil“ habe. Und aus dem gesamten Apple-Intelligence-Ökosystem hob er insbesondere Visual Intelligence hervor.
Produktmarathon im März: Fünf Neuheiten in drei Tagen
Während Apple traditionell große Keynote-Veranstaltungen abhält, wird der Produktstart im März 2026 anders aussehen. Keine große Keynote. Stattdessen ein dreitägiger Produktsprint – mit Ankündigungen am Montag, dem 2. März, am Dienstag, dem 3. März, und am Mittwoch, dem 4. März, wenn eingeladene Journalisten und Influencer die Produkte in New York, London und Shanghai persönlich ausprobieren können.
Was plant Apple? Mindestens fünf Produkte aus den Bereichen Hardware, Software und Chips. Die Lagerbestände in den Geschäften sind ausgetrocknet wie Wasser in der Wüste – und das ist immer ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass ein Generationswechsel bevorsteht. Konkret verschwinden:
- iPhone 16e → wird durch das iPhone 17e ersetzt
- iPad Air → kommt mit dem M4-Chip
- MacBook Air 13" und 15" mit M4 → Nachfolger sind in Sicht
- MacBook Pro 14" und 16" mit M4 Pro und M4 Max → das Update steht bevor
Der Star der Show wird höchstwahrscheinlich ein neues günstiges MacBook sein – ein Gerät, das Apple als direkten Konkurrenten zu Chromebooks und günstigen Windows-Laptops entwickelt. Die Einladung zur Veranstaltung verriet sogar die Farben, in denen es erscheinen wird. Apple würde schließlich keine Influencer zum Ausprobieren einladen, wenn es nur um einen schnelleren Chip in einem alten Gehäuse ginge.
iPhone 18 Pro in Rot? Apple testet eine gewagte Farbe
Während die März-Neuheiten noch bevorstehen, arbeitet Apple bereits am iPhone 18 Pro. Und auf der Farbseite ist eine Überraschung geplant. Kosmisches Orange beim iPhone 17 Pro wurde zu einem unerwarteten Hit – in China vergleichen es manche mit dem ikonischen Orange von Hermès. Dieses Lob wird Apple sich sicherlich nicht entgehen lassen.
Für die nächste Generation wird ein kräftiger Rotton als Flaggschiff-Farboption für die Pro-Modelle getestet. Rot und Orange liegen im Farbspektrum ziemlich nah beieinander, sodass beide gleichzeitig verwirrend wirken könnten – wir werden sehen, wie Apple sich entscheidet. Das faltbare iPhone bleibt dagegen dezent: Dunkelgrau oder Schwarz sowie eine Variante in Weiß oder hellem Silber. Klassisch, ohne Experimente.
iOS 26.4: KI-Playlists, Video-Podcasts und Sicherheitsupgrade
Apple hat die erste Betaversion von iOS 26.4 eine Woche früher als erwartet veröffentlicht, und dieses Mal handelt es sich um ein umfangreiches Update. Was bringt es mit sich?
Video-Podcasts erhalten ein neues HLS-Protokoll (HTTP Live Streaming), das hochwertigere Aufnahmen, neue Werbemöglichkeiten und einen nahtlosen Wechsel zwischen Audio- und Videomodus ermöglicht. Die App Musik erhält eine neue Darstellung für Albumcover, die KI-Erstellung von Playlists über Apple Intelligence und eine Anzeige der Konzerttermine beliebter Künstler.
Die Auswahl für Hintergrundbilder wurde neu gestaltet – Hintergrundbilder werden jetzt bei Bedarf vom Server heruntergeladen, was die bisherige Langsamkeit der Benutzeroberfläche behebt und Speicherplatz auf dem Gerät spart. Und was vielleicht am wichtigsten ist: Die Funktion „Schutz für gestohlene Geräte“ – die Face ID für Änderungen an den Sicherheitseinstellungen verlangt – ist nun für alle Nutzer automatisch aktiviert.
Was fehlt in iOS 26.4? Die neue, vom Gemini-Modell angetriebene Siri. Sie verzögert sich mindestens bis iOS 26.5, während der fortschrittliche Chatbot erst mit iOS 27 erscheint.
Apple vs. Meta: Der Kampf um smarte Brillen
Meta hat einen Vorsprung. Die Ray-Ban-Brillen mit KI sind auf dem Markt, Meta arbeitet mit Oakley zusammen und plant, eine Gesichtserkennung hinzuzufügen – eine Funktion, die aufgrund von Datenschutzbedenken einen Sturm der Kritik ausgelöst hat. Die Apple-Mitarbeiter, die an der ersten smarten Brille des Unternehmens arbeiten, sind dennoch überzeugt, dass ihr Produkt besser sein wird.
Warum? Meta verwendet eine Kamera, die zwischen verschiedenen Modi wechselt. Apple plant separate Objektive für jede einzelne Funktion, hochwertige Materialien und insgesamt mehr Kameras. Die Ökosysteme werden sich unterscheiden – Siri gegenüber Meta AI –, doch Apple setzt auf Verarbeitungsqualität.
Und was ist mit dem Anhänger, den viele mit dem unglückseligen Humane Ai Pin vergleichen? Dieser scheiterte nicht am Format, sondern an der schrecklichen Benutzeroberfläche, dem schwachen Akku und dem nicht funktionierenden holografischen Projektor. Apples Anhänger wird eine Ergänzung zum iPhone sein, kein Ersatz dafür – und das ist ein entscheidender Unterschied.
Cook bereitet uns auf etwas Großes vor. Genau wie damals bei den Sensoren. Genau wie bei AR. Dieses Mal geht es um KI, die die Welt um uns herum sieht – und Apple will der Erste sein, der sie direkt an Ihren Körper bringt.
Quelle: bloomberg.com



