Im Mai 2025 kaufte OpenAI das Hardware-Startup io Products des legendären Designers Jony Ive für fast 6,5 Milliarden Dollar. Damals schüttelten viele den Kopf – was genau will das Unternehmen hinter ChatGPT eigentlich von dem Mann, der der Welt das iPhone und den iMac schenkte? Die Antwort zeichnet sich nun allmählich ab, und es handelt sich um einen ausgesprochen ehrgeizigen Plan.
Was plant OpenAI?
Laut The Information arbeitet OpenAI an einer ganzen Familie von KI-Geräten. Geplant sind ein smarter Lautsprecher mit Kamera, eine smarte Brille und eine smarte Lampe. Das dafür verantwortliche Team umfasst mehr als 200 Mitarbeiter aus der Hardware-Abteilung.
Das erste Produkt, das auf den Markt kommen soll, wird der smarte Lautsprecher sein. Der Preis? Irgendwo zwischen 200 und 300 Dollar, umgerechnet etwa 4100–6200 CZK. Der Termin für die Markteinführung? Frühestens im Februar 2027. Die smarte Brille wird voraussichtlich nicht vor 2028 in die Massenproduktion gehen, und bei der Lampe ist bislang unklar, ob sie überhaupt jemals erscheinen wird.
Lautsprecher mit Kamera
Das Gerät wird nicht nur Musik abspielen und Fragen beantworten wie heutige smarte Lautsprecher. Es wird über eine integrierte Kamera verfügen, die Gegenstände auf dem Tisch erkennt, Gespräche in der Umgebung erfasst und – aufgepasst – Benutzer mithilfe eines Face ID ähnlichen Systems identifiziert. Über den Lautsprecher soll man sogar einkaufen können.
Bei einer internen Präsentation für OpenAI-Mitarbeiter hieß es, das Gerät werde den Benutzer aktiv beobachten und Handlungen vorschlagen. Ein Beispiel? Wenn Sie morgens einen wichtigen Termin haben, wird Ihnen der Lautsprecher am Abend empfehlen, früher schlafen zu gehen. Sam Altman bezeichnete den ersten Prototyp als das „großartigste Stück Technologie, das die Welt je gesehen hat“. Bescheiden ist das nicht, aber von Altman hätten wir auch nichts anderes erwartet.
Jony Ive: das Designgenie, das Apple verließ
Jony Ive ist kein Neuling. Der Mann, der hinter dem Design des iMac, iPod, iPhone und der Apple Watch stand, verließ Apple im Jahr 2019 und gründete sein eigenes Designstudio LoveFrom. Als er sich mit OpenAI zusammentat, wurde die Technologiewelt hellhörig.
LoveFrom bleibt formal ein eigenständiges Unternehmen, liefert OpenAI jedoch Hardware-Entwürfe. Das Industriedesign leitet Evans Hankey, eine weitere ehemalige Designerin von Apple, wobei Ive bei nahezu jeder Designentscheidung das letzte Wort hat. Im Entwicklungsteam finden sich auch weitere ehemalige Apple-Mitarbeiter – Tang Tan, Scott Cannon und sogar Adam Cue, der Sohn von Eddy Cue, der an der Software arbeitet.
Doch nicht alles läuft reibungslos. OpenAI-Mitarbeiter sollen sich über die übermäßige Geheimniskrämerei von LoveFrom und das langsame Tempo bei Designüberprüfungen beschweren. Die Zusammenarbeit zweier derart starker Akteure führt schlichtweg zu Reibungen.
Der Kampf mit Apple
Apple sitzt derweil da und beobachtet aufmerksam. Das Unternehmen aus Cupertino plant ein eigenes Smart-Home-Zentrum mit Display, Kamera und tiefer Siri-Integration. Außerdem wird an einer smarten Brille, einem KI-Anhänger und AirPods mit Kamera gearbeitet. Meta wiederum feiert mit seinen Ray-Ban-Brillen Erfolge, die Fotos aufnehmen, Videos drehen und Inhalte streamen können.
Der Markt für KI-Hardware kommt wie eine Lawine ins Rollen. Jeder will ein Stück davon abhaben, und OpenAI stürzt sich mit der größtmöglichen Waffe in diesen Kampf: dem weltweit beliebtesten KI-Chatbot und einem Designer, dessen Arbeit eine ganze Generation geprägt hat.
Privatsphäre oder Komfort? Die Frage bleibt offen
Wollen wir wirklich ein Gerät, das uns zu Hause ununterbrochen mit einer Kamera beobachtet, unsere Gesichter erkennt und unseren Gesprächen zuhört? Die Reaktionen der Öffentlichkeit sind gemischt. Ein Teil der Menschen sieht in einem solchen Assistenten die Zukunft. Andere – und das sind nicht wenige – haben berechtigte Bedenken angesichts eines solchen Ausmaßes an Überwachung. OpenAI hat auf Medienanfragen bislang nicht reagiert. Altman und Ive versprechen ein Gerät, das „ruhig und erfreulich sein und nicht stören wird“. Wie genau sie das mit einer Kamera, Gesichtserkennung und der ständigen Beobachtung der Umgebung in Einklang bringen wollen, bleibt abzuwarten.



