Ein humanoider Roboter hat den Gipfel des ecuadorianischen Vulkans Chimborazo erklommen. Die Maschine namens Pemba lief stundenlang über Asche, Steine und Eis, bevor ihr menschliches Team sie über die schwierigsten Abschnitte trug. Damit erhielt der über 6000 Meter hohe Berg seinen ersten metallenen Besucher auf zwei Beinen. Und das ist noch nicht das Ende, denn als Nächstes ist der Everest geplant.
Es handelt sich um eine modifizierte Version des Humanoiden Unitree G1. Das Team hinter dem Projekt, das unter der Marke Geologic Dome arbeitet, spricht allerdings nicht von einer Besteigung. Es spricht von einem Belastungstest. Und genau darin liegt der entscheidende Unterschied.
Test des Roboters in den Anden
Der Chimborazo ist über 6200 Meter hoch, und für eine Maschine aus Metallgelenken und Sensoren ist das nicht gerade eine einladende Umgebung. Genau solche Bedingungen offenbaren Schwachstellen, die sich im Labor niemals zeigen würden.
Was geschah dort also? Pemba lief dort selbstständig, wo es der Hang zuließ. Die flacheren Abschnitte bewältigte sie auf eigenen Beinen. Sobald das Gelände eine Neigung von mehr als dreißig Grad erreichte und der Fuß keinen sicheren Halt mehr fand, war es mit dem Alleingang vorbei. Die menschlichen Bergsteiger hoben den Roboter hoch und trugen ihn weiter, beinahe wie eine empfindliche wissenschaftliche Ausrüstung. Der gesamte Aufstieg dauerte etwa sechzehn Stunden, und die rund 35 Kilogramm schwere Maschine verbrachte einen beträchtlichen Teil des Weges auf dem Rücken der Expeditionsteilnehmer.
Das mag nach Betrug klingen, doch darum ging es gerade nicht. Die Ingenieure sammelten Daten über Gleichgewicht, Ausdauer und Navigation sowie darüber, wie sich die Mechanik verhält, wenn die Umgebung unvorhersehbar wird.
Was Kälte und Höhe mit einem Roboter machen
In großer Höhe verhält sich Elektronik anders. Batterien entladen sich schneller. Und paradoxerweise versagt die Kühlung, weil die dünne Luft die Wärme nicht so abführt, wie sie sollte. Hinzu kommen in der Kälte steif gewordene Gelenke und Sensoren, deren Sicht sich trübt, sobald Wolken aufziehen.
Die Maschine erhielt deshalb spezielle Schühchen und eine maßgeschneiderte Heizjacke. Die Ingenieure arbeiteten an der Wärmedämmung und passten die Belüftung an, denn es geht nicht nur darum, das System am Laufen zu halten. Es muss auch so stabil bleiben, dass sich ein Fehler an einer Stelle nicht auf den gesamten Bewegungsablauf auswirkt.
Einen ähnlichen Test hatte die Plattform bereits zuvor absolviert. Im chinesischen Altai in der Region Xinjiang trotzte der G1 einer Kälte von bis zu minus 47,4 Grad, wie das Unternehmen Unitree selbst mitteilte. Auf dem Chimborazo kam zur Kälte auch noch die Höhe hinzu, und das ist eine völlig andere Art der Belastung.
Und wie steht es eigentlich um die Selbstständigkeit des Roboters? Bislang ist sie eher experimentell als praxistauglich. Seine Fähigkeiten werden durch Training weiterentwickelt, bei dem die Ingenieure den Schwierigkeitsgrad des Geländes schrittweise erhöhen. Von vollständiger Unabhängigkeit ist er noch weit entfernt.
Wir stellen vor: Pemba.
— pabs (@pabloberlangab) 7. Juni 2026
Der erste Humanoide, der auf 20.000 Fuß gestiegen ist.
Als Nächstes der Everest. Mehr dazu unten. pic.twitter.com/k1BHkRLYjm
Die Idee, einen Roboter ins Gebirge zu schicken
Hinter dem Projekt steht der französische Ingenieur Pablo Berlanga Boemare. Zu den Maschinen kam er jedoch nicht über die Technik, sondern über den Naturschutz. Früher war er an Projekten des World Wildlife Fund beteiligt und weiß, wovon er spricht. Die Überwachung von Wildtieren, Landschaftsveränderungen, Wilderei und illegalem Holzeinschlag erfordert eine kontinuierliche Kontrolle. Diese übernehmen heute meist fest installierte Kameras und verteilte Sensoren.
Der Haken ist, dass der Betrieb eines solchen Gerätenetzes in unzugänglichem Gelände viel Geld kostet. Statt Dutzender fest installierter Sensoren könnte eine einzige mobile Maschine die Landschaft durchqueren, Daten sammeln und sie über Satellit weiterleiten. So lautet Boemares Vorstellung. Im Gespräch sind eine Anbindung an Starlink und das Aufladen durch Sonnenenergie. Bislang ist das eher eine Vision als eine fertige Lösung, doch genau sie bestimmt, wie der Roboter gebaut und wo er getestet wird.
Nächster Halt: Everest
Die Aufmerksamkeit hat sich bereits auf einen deutlich anspruchsvolleren Ort verlagert. Im Rahmen einer Expeditionsreihe, die das Team als „Dreifachkrone“ bezeichnet, soll der G1 auch den höchsten Berg der Welt besteigen. Der Plan sieht keine symbolische Eroberung des Gipfels vor. Der Roboter soll sich zwischen dem Basislager auf 5364 Metern Höhe und Lager IV auf rund 7920 Metern bewegen. Also dort, wo die Grenze der menschlichen Belastbarkeit liegt.
Das Team will die Batterie, die Belastung der Gelenke, die Fortbewegungsfähigkeit und die Widerstandsfähigkeit gegen Kälte, Wind und eine schwache Verbindung testen. Sinnvoll könnte dies bei der Überwachung von Gletschern, bei Such- und Rettungseinsätzen sowie beim Einsammeln von Müll sein, von dem es auf dem Everest erschreckend viel gibt.
Doch das größte Hindernis ist diesmal kein technisches. Es ist die Bürokratie. Nepal hat bislang keine Regeln für Expeditionen von Maschinen, und bevor ein Roboter zum Everest aufbricht, wollen die dortigen Behörden klären, wie mit „nichtmenschlichen“ Bergsteigern überhaupt umzugehen ist. Das hat das gesamte Vorhaben verzögert. Das Team stimmt nun mit den Behörden die Bedingungen ab, und als frühestmöglicher Termin für den Aufstieg zeichnet sich derzeit der Herbst oder Winter ab.
Quellen: interestingengineering.com und timesofindia.indiatimes.com



