EngineAI T800: Der unrealistisch realistische Roboter im Iron-Man-Stil

EngineAI T800: Der unrealistisch realistische Roboter im Iron-Man-Stil

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
9. 12. 2025
4 Minuten Lesezeit
EngineAI T800: Der unrealistisch realistische Roboter im Iron-Man-Stil

Das chinesische Unternehmen EngineAI aus Shenzhen stellte seinen neuen humanoiden Roboter T800 erst vor wenigen Tagen vor, doch bereits jetzt sorgt er im Internet für Aufsehen. Im ursprünglichen Video durchbricht der Roboter Türen, führt schnelle Rundtritte aus und bewegt sich mit einer solchen Geschwindigkeit und Kraft, dass viele Zuschauer sofort daran zweifelten, ob es sich nicht um ein computergeneriertes Bild statt um eine echte Maschine handelt. Bei der Veröffentlichung des Videos erklärte das Unternehmen, dass darin weder CGI (Computergrafik) noch künstliche Intelligenz oder beschleunigte Aufnahmen zum Einsatz kämen. Nutzer sozialer Netzwerke verwiesen jedoch auf die dramatische Beleuchtung und die stilisierte Bearbeitung, die ihrer Ansicht nach auf digitale Effekte hindeuteten. So argumentierte beispielsweise der Nutzer MiquelVilam auf der Plattform X, dass sich der Roboter ohne digitale Verbesserungen nicht mit einer solchen Präzision bewegen könne.

Das Video spielt in einem dunklen Studio, in dem der T800 seine Kraft und Beweglichkeit demonstriert. Das Unternehmen erklärte, dass diese Bewegungen dank der technischen Parameter des Roboters möglich seien, darunter ein Gelenkdrehmoment von 450 Newtonmetern und 29 Freiheitsgrade. Dadurch kann der Roboter komplexe Aktionen ausführen, die fast zu gut aussehen, um wahr zu sein. Doch gerade diese Perfektion führte zur schnellen Verbreitung skeptischer Kommentare und verdeutlicht ein allgemeines Problem im Bereich humanoider Roboter: Sind die Bewegungen derart fortschrittlich, werden sie leicht mit Filmtricks verwechselt.

Aufnahmen hinter den Kulissen als Beweis für die Echtheit

Um diese Zweifel auszuräumen, veröffentlichte EngineAI auf der Plattform X ein neues Video hinter den Kulissen mit dem Titel. Dieser Beitrag zeigt den Roboter in einem gewöhnlichen Studio ohne Farbkorrektur und dramatische Bearbeitung. Der T800 führt darin dieselben Aktionen aus, doch diesmal sind mechanische Details wie die Gelenke und Bewegungsmechanismen zu sehen. Damit wollte das Unternehmen beweisen, dass die Leistung des Roboters auf seiner technischen Konstruktion und nicht auf digitaler Kunst beruht.

Das Video wird von einer Beschreibung begleitet, die betont, dass die Bewegungen echt sind und von den physischen Eigenschaften des T800 abhängen. Dieser Ansatz ist nicht neu – EngineAI versucht zu zeigen, dass sein Roboter zu realen Leistungen fähig ist, die im ursprünglichen Clip lediglich stilisiert präsentiert wurden. Die Zuschauer können nun sehen, wie der Roboter ohne Filter funktioniert, was diejenigen beruhigen dürfte, die an seiner Echtheit gezweifelt hatten.

Ähnliche Fälle bei anderen Unternehmen

EngineAI ist nicht das einzige chinesische Unternehmen, das mit solchen Vorwürfen konfrontiert wird. Kürzlich sah sich auch Xpeng ähnlichen Zweifeln ausgesetzt, als das Unternehmen auf dem AI Day 2025 seinen Roboter Iron mit einem ungewöhnlich natürlichen Gang vorstellte. Zuschauer spekulierten, dass es sich um einen Menschen in einem Kostüm handeln könnte. Xpeng veröffentlichte später jedoch zusätzliche Aufnahmen des mechanischen Rahmens und der Antriebssysteme, um die Debatte zu beenden.

Eine noch größere Reaktion löste UBTECH Robotics aus, als das Unternehmen eine Sequenz aus einem Lagerhaus veröffentlichte, in der sich Hunderte Walker-S2-Roboter vollkommen synchron bewegten. Der Geschäftsführer von Figure, Brett Adcock, stellte das Video öffentlich infrage und verwies auf Unstimmigkeiten bei den Spiegelungen, die darauf hindeuteten, dass die meisten Roboter digital eingefügt worden seien. UBTECH reagierte mit Drohnenaufnahmen samt Originalton und erklärte in einem Interview mit der Global Times, die Aufnahmen seien „zu 100 % echt und vor Ort gedreht“. Darüber hinaus veröffentlichte das Unternehmen eine unbearbeitete Aufnahme in einem einzigen Take, um seine Behauptungen zu untermauern. Der leitende Markenmanager des Unternehmens, Tan Min, sagte, Kritiker unterschätzten die chinesischen Produktionskapazitäten und sollten das Land besuchen, um die Entwicklung humanoider Roboter mit eigenen Augen zu sehen.

EngineAI konzentriert sich nicht nur auf virale Videos – das Unternehmen verfolgt ehrgeizige Pläne. In einer Stellungnahme zu den Aufnahmen hinter den Kulissen beschreibt es eine zweigleisige Strategie. Ein Teil konzentriert sich auf Unterhaltung, darunter die für den 24. Dezember geplante Veranstaltung Robot Boxer. Der andere konzentriert sich auf praktische Anwendungen. Bereits jetzt wurden mehrere T800-Einheiten als „Cyber-Personal“ in Einzelhandelsgeschäften in Shenzhen eingesetzt.

Nach Angaben des Unternehmens wird das Zhongqing-Team im Jahr 2026 die szenariobasierte Erprobung und den großflächigen Einsatz des Produkts umfassend unterstützen. Dadurch sollen verschiedene Einsatzbereiche wie industrielle Fertigung, kommerzielle Dienstleistungen und die Begleitung von Familien erschlossen werden. Der T800 soll damit von Vorführungen im Labor zum realen Einsatz übergehen, bei dem er seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellen muss.

Die neuen Aufnahmen hinter den Kulissen haben die Zweifel an der Echtheit des T800 möglicherweise verringert, doch das Unternehmen steht nun vor einer weiteren Herausforderung: Es muss beweisen, dass der Roboter beim zunehmenden Einsatz im Jahr 2026 zuverlässig funktioniert.

Roboter T800
Roboter T800.



Quelle: interestingengineering.com

Kategorie:Robotik
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