Im Februar trafen zwei schwarz gepanzerte Gestalten mit getönten Visieren in der Ukraine ein. Es sind keine Soldaten. Es sind Roboter. Und ihre Ankunft an der Front könnte einer der bedeutendsten Momente in der Geschichte der modernen Kriegsführung sein.
Das US-amerikanische Unternehmen Foundation mit Sitz in San Francisco hat zwei humanoide Roboter vom Typ Phantom MK-1 zu Gefechtstests in die Ukraine geschickt. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein humanoider Roboter direkt an der Frontlinie eines aktiven militärischen Konflikts eingesetzt wird. Zunächst übernehmen sie Aufklärungsaufgaben, doch die Ambitionen ihrer Entwickler reichen weit darüber hinaus.
Der Gründer von Foundation
Der Mitbegründer von Foundation, Mike LeBlanc, ist kein unerfahrener Technikenthusiast. Er ist ein Veteran des US Marine Corps mit 14 Jahren aktivem Dienst und mehr als 300 Kampfeinsätzen im Irak und in Afghanistan. Er war es, der den Phantom persönlich in die Ukraine brachte, und was er dort sah, hat ihn nach eigenen Worten „wirklich schockiert“.
„Es ist ein umfassender Krieg der Roboter, in dem der Roboter der primäre Kämpfer ist und die Menschen eine unterstützende Rolle übernehmen. Es ist das genaue Gegenteil dessen, was ich in Afghanistan erlebt habe: Dort waren die Menschen alles und die Technologie lediglich ein Werkzeug“, sagt LeBlanc. Die Ukraine ist zu einem weltweiten Testgelände für Rüstungstechnologien geworden. Allein im Januar 2026 führte sie mehr als 7.400 robotergestützte Operationen durch und setzt täglich bis zu 9.000 Drohnen ein. Der Westen schickt sowohl Start-ups als auch etablierte Unternehmen hierher, damit sie ihre Systeme unter realen Gefechtsbedingungen erproben können. Foundation bildet dabei keine Ausnahme.
Was der Phantom MK-1 kann
Der Phantom MK-1 ist etwa 175 cm groß und wiegt rund 80 kg. Er bewegt sich mithilfe von ungefähr 20 Motoren und setzt anstelle komplexer Sensoranordnungen hauptsächlich auf kamerabasiertes Sehen. Er bewegt sich über das Gefechtsfeld, kann Aufklärungsaufgaben übernehmen und eine Vielzahl von Waffen bedienen, die üblicherweise von Menschen eingesetzt werden: von Revolvern und Pistolen über Schrotflinten bis hin zu einer Nachbildung des M-16-Gewehrs.
Das Ziel besteht darin, dass der Roboter jede Waffe benutzen kann, die auch ein Mensch bedienen kann. Laut LeBlanc ist das ein enormer Vorteil: Die bestehenden Munitions- und Waffenbestände der US-Armee können so weiterhin genutzt werden, ohne dass spezielle robotische Werkzeuge entwickelt werden müssen. Zudem weist der Roboter eine dem menschlichen Körper ähnliche Wärmesignatur auf, was feindliche Aufklärungssysteme täuschen kann. Er eignet sich auch für Orte, die Drohnen nicht erreichen können, etwa niedrige Bunker.
Foundation verfügt über Forschungsverträge mit dem US-Heer, der Marine und der Luftwaffe im Gesamtwert von 24 Millionen Dollar. Außerdem sind Tests mit dem Marine Corps geplant, bei denen der Phantom lernen soll, beim Eindringen in Gebäude Sprengladungen an Türen anzubringen.
Das Wettrüsten mit humanoiden Robotern
Phantom ist kein Einzelprojekt. In den USA entsteht rund um militärische Roboter mit künstlicher Intelligenz ein ganzer Industriezweig. Das Unternehmen Scout AI arbeitet an der Verknüpfung künstlicher Intelligenz mit Panzern, Drohnen und Geländefahrzeugen. Im Februar testete es erfolgreich ein Szenario, bei dem sieben autonome Softwareagenten ohne jegliches menschliches Eingreifen ein Ziel identifizierten, lokalisierten und neutralisierten. Scout AI verhandelt derzeit über Pentagon-Aufträge im Wert von mehr als 225 Millionen Dollar.
Auch Russland und China verfolgen die Entwicklung humanoider Kampfsysteme. Das Wettrüsten mit humanoiden Robotern „ist bereits im Gange“, sagt Sankaet Pathak, Mitbegründer und Geschäftsführer von Foundation.
Risiken, die nicht übersehen werden dürfen
Doch dies ist nicht nur ein technologisches Märchen. Humanoide Roboter sind schwer, teuer, müssen regelmäßig aufgeladen werden und neigen dazu, umzufallen. Bei einem Besuch von Redakteuren des Magazins TIME am Hauptsitz von Foundation stürzte der Phantom mehrmals mit lautem Krachen zu Boden. Jeder der 20 Motoren muss einwandfrei funktionieren, andernfalls versagt das gesamte System.
Die Sicherheitsrisiken sind noch gravierender. Abgefangene Drohnen in der Ukraine funktionieren schon heute wie fliegende Smartphones voller sensibler Daten. Ein gehackter humanoider Roboter gehört jedoch in eine andere Kategorie. Der Feind könnte über Software-Hintertüren die Kontrolle über eine ganze Roboterflotte übernehmen und sie gegen ihre Entwickler richten.
Experten warnen außerdem vor sogenannten „Halluzinationen“ künstlicher Intelligenz, bei denen Systeme mit großer Gewissheit falsche oder irreführende Informationen erzeugen. „Wir können keine tödlichen autonomen Systeme haben, die gelegentlich halluzinieren“, sagt der US-Kongressabgeordnete Ted Lieu. Die philosophische Frage bleibt offen: Wenn ein Roboter einen unschuldigen Menschen tötet, wer trägt dann die Verantwortung? Der Programmierer? Der Befehlshaber? Das Völkerrecht hat darauf bislang keine Antwort.
Neues Modell Phantom MK-2 in Entwicklung
Foundation plant, im April 2026 den Phantom MK-2 mit einer Reihe von Verbesserungen vorzustellen: Wasserdichtigkeit, größere Batterien, die Fähigkeit, Lasten von bis zu 80 kg zu tragen, sowie eine konsolidierte Elektronik, die das Risiko von Kurzschlüssen verringert. Langfristig will das Unternehmen bis zu 30.000 Exemplare jährlich produzieren. Bei einer Produktionsmenge von einer halben Million Exemplaren könnte der Preis eines einzelnen Roboters auf unter 20.000 Dollar sinken.
LeBlanc ist überzeugt, dass humanoide Soldaten die natürliche Weiterentwicklung von Drohnen sind. Und genau wie Drohnen werden auch sie letztlich ihren Weg auf das Gefechtsfeld finden. „Jetzt sehen Sie nur die ersten unbeholfenen Versuche, wie Roboter unsere Kriege führen werden. Aber die eigentliche Show hat gerade erst begonnen“, schließt er.
Quellen: militarnyi.com und tvpworld.com



