Sowohl das öffentliche als auch das private Krankenhaus in Cairns im australischen Bundesstaat Queensland haben innerhalb weniger Monate Investitionen in robotergestützte und auf künstlicher Intelligenz basierende Chirurgie angekündigt. Für die Patienten bedeutet das vor allem eines: Komplexe Operationen, für die sie früher in den Süden reisen mussten, werden nach und nach direkt vor Ort durchgeführt.
Roboter im privaten Krankenhaus
Das Cairns Private Hospital hat einen zweiten ROSA-Operationsroboter in Betrieb genommen. Er kommt bei Teil- und Totalendoprothesen des Kniegelenks zum Einsatz, und seine Ankunft hat die Kapazität des Krankenhauses für robotergestützte Eingriffe verdoppelt. Den ersten ROSA hatte das Krankenhaus erst Ende 2021 angeschafft. In weniger als vier Jahren führten die Ärzte damit mehr als 1.000 Operationen durch.
„Der Roboter liefert dem Arzt während der Operation detaillierte Rückmeldungen darüber, wie die Prothese funktioniert. Dadurch kann der Chirurg die Position des Implantats direkt in Echtzeit anpassen, ohne improvisieren zu müssen. Es ist ein zuverlässiges und reproduzierbares Instrument, das dabei hilft, die chirurgischen Ziele zu erreichen“, so der orthopädische Chirurg Dr. Ben Parkinson.
Mit zwei Robotern können am selben Tag mehr Kniegelenkersatzoperationen durchgeführt werden, während die Technologie zugleich einer größeren Zahl von Chirurgen zur Verfügung steht. Zuvor mussten die Ärzte warten, bis der erste Roboter frei war.
Noch im Laufe dieses Jahres wird der MAKO-Roboter hinzukommen und die beiden ROSA-Einheiten sowie den robotischen Assistenten VELYS ergänzen. Alle drei Systeme kommen bei orthopädischen Eingriffen zum Einsatz. Das Krankenhaus verfügt bereits über einen Da-Vinci-Xi-Roboter, den die Ärzte bei urologischen, gynäkologischen und kolorektalen Operationen einsetzen. Die robotergestützte Chirurgie im Cairns Private deckt somit nach und nach ein immer breiteres Spektrum an Fachgebieten ab.
Öffentliches Krankenhaus, Roboter und KI
Während das private Krankenhaus die Orthopädie ausbaut, konzentriert sich das öffentliche Cairns Hospital auf die Onkologie. Es schafft einen neuen Operationsroboter für 4,3 Millionen australische Dollar an, der vollständig aus Mitteln der Far North Queensland Hospital Foundation finanziert wird. Der Roboter soll bis Ende 2026 in Betrieb gehen. Er wird vor allem bei urologischen Eingriffen zum Einsatz kommen, insbesondere bei Operationen von Prostatakrebs.
In der Region Far North Queensland wird jährlich bei durchschnittlich 253 Männern Prostatakrebs diagnostiziert. Innerhalb der nächsten vier Jahre erwarten Fachleute bei Männern über 70 Jahren einen Anstieg der Fallzahlen um 40 Prozent. Das ist keine ferne Bedrohung. Leena Singh, Geschäftsführerin des Cairns and Hinterland Hospital and Health Service, erklärt, dass der Roboter bis zu 200 urologische Eingriffe pro Jahr ermöglichen wird. Derzeit lässt das Krankenhaus etwa 50 solcher Eingriffe extern durchführen.
Das Cairns Hospital denkt auch an die Zukunft. Nach seiner Inbetriebnahme wird der neue Roboter zunächst in den bestehenden Räumlichkeiten des Krankenhauses eingesetzt. Anschließend wird er in das geplante Health Innovation and Surgical Centre verlegt, dessen Eröffnung für 2031 vorgesehen ist. Das Zentrum soll vier Operationssäle, eine Station mit 32 Betten und ambulante Einrichtungen bieten. Die Robotersysteme erhalten damit einen dauerhaften Platz in einer Infrastruktur, die von Grund auf für sie konzipiert wurde.
KI im Augen-OP
Die robotergestützte Chirurgie ist nicht die einzige Neuerung. Das Cairns Hospital plant außerdem die Anschaffung eines Geräts für Kataraktoperationen, das künstliche Intelligenz nutzt. Das Gerät wertet den Verlauf des Eingriffs in Echtzeit aus, hält den Augeninnendruck stabil und passt das Vorgehen des Chirurgen so an, dass bestmögliche Ergebnisse erzielt werden.
Deborah Clark, Leiterin der Intensivpflege sowie der Frauen- und perioperativen Dienste, betont, dass die neue Technik nicht nur den Patienten zugutekommt. Robotik und künstliche Intelligenz direkt im Operationssaal sind zugleich außergewöhnliche Lehrmittel. Junge Ärzte lernen an modernster Ausstattung und sind anschließend darauf vorbereitet, auf Weltniveau zu arbeiten.
Quelle: cairns-hinterland.health.qld.gov.au und cairnsprivate.com.au



