In Alaska ist ein Autoaufkleber beliebt, auf dem steht: „Pissing Off Texans Since 1959.“ (Wir verärgern Texaner seit 1959.)
Diese Anspielung bezieht sich natürlich darauf, dass Texas sofort auf den zweiten Platz im Wettbewerb um den größten Bundesstaat abrutschte, als Alaska ein Bundesstaat wurde.
Die Texaner wiesen gerne darauf hin, dass Texas immer noch größer wäre, wenn wir dort oben all das Eis und den Schnee schmelzen würden.
Was die Einwohnerzahl betrifft, sind wir zweifellos größer – vierzigmal größer. Aber Alaska hat aus Sicht der Frauen ein attraktives Verhältnis von Männern zu Frauen: 6 zu 4, wie manche sagen. Eine Freundin aus Texas, die eine Zeit lang dort lebte, sagte mir: „odds are good but the goods are odd.“ (Die Chancen stehen gut, aber die Auswahl ist sonderbar.) Aber hier muss ich vorsichtig sein.
Die Einwohner Alaskas provozieren Texas auch gerne mit den Worten: „Don't get us mad or we'll split in two and make you the third-largest state.“ (Macht uns nicht wütend, sonst teilen wir uns in zwei Staaten und machen euch zum drittgrößten Bundesstaat.)
Es besteht kein Zweifel daran, dass Alaska geografisch mehr als doppelt so groß ist wie Texas, aber wir beanspruchen in vielerlei Hinsicht immer noch das Recht, uns zu brüsten.
Schließlich herrschte Texas ganze 104 Jahre lang als größter Bundesstaat der Union. Alaska hat noch einen langen Weg vor sich, um uns diesen Titel abzunehmen – etwa weitere 50 Jahre.
Zweitens. Sie kennen doch die berühmte Ölpipeline, die sie dort haben. Raten Sie mal, wer sie gebaut hat. Texaner. Und auch Okies (Einwohner Oklahomas). Es gibt keine genauen Zahlen, aber wir haben einen Beleg in der Folklore Alaskas. Ein Sprichwort aus Alaska aus der Zeit, als die Pipeline gebaut wurde, lautete: „Happiness is 10,000 Okies pickin' up a Texan under each arm and headin' south.“ (Glück bedeutet, dass 10.000 Okies je einen Texaner unter jeden Arm nehmen und nach Süden ziehen.) Ich weiß nicht, warum sie so eine Einstellung haben sollten. Wir haben sie doch nur reich gemacht.
Drittens. Trotz Alaskas Ruhm aufgrund seines Erdöls ist Texas nach wie vor ein weitaus größerer Produzent von Erdöl und Erdgas und verfügt über wesentlich größere Vorräte. Texas bleibt die Nummer 1 bei der Erdölförderung in den Vereinigten Staaten und wäre, wenn es unabhängig wäre, das sechstgrößte Erdölförderland der Welt. Nicht umsonst nennt man uns das Saudi-Arabien von Texas. Wir haben dreimal so viel Erdöl wie Alaska und zehnmal so viel Erdgas.
Und schließlich noch eine niederschmetternde Tatsache: Alaska wäre kein Bundesstaat, wenn Texas es nicht dazu gemacht hätte. Es ist wahr. Alaskas Antrag auf Aufnahme als Bundesstaat zog sich in den 1940er- und 1950er-Jahren über Jahre hin. Der Vorschlag kam nicht voran, bis die Texaner Lyndon Johnson, eines der mächtigsten Mitglieder des US-Senats, und Sam Rayburn, der Sprecher des Repräsentantenhauses, sich der Sache annahmen. Das war der Wendepunkt. Sobald sich die beiden dafür einsetzten, war Alaska schnell auf dem Weg zur Staatlichkeit. Man könnte sagen, Texas war groß genug, um Alaska größer sein zu lassen.
Die Rivalität zwischen Texas und Alaska ist meist nur ein Scheinstreit. Wir sind eng miteinander verbunden. Verdammt, Sie können täglich zwischen 40 Flügen von Houston nach Anchorage wählen. Wahrscheinlich gibt es keine bessere Freundschaft zwischen Bundesstaaten als die unsere, denn wir sind verwandte Staaten – beide haben wir eine von Grenzland, Ölbooms und Zusammenbrüchen geprägte Geschichte und bestehen aus ausgesprochen unabhängigen Menschen, die darauf beharren, ihr eigenes Schicksal zu gestalten. Aber wenn die globale Erwärmung anhält, werden wir vielleicht eines Tages sehen, ob Alaska unter all dem Eis und Schnee wirklich größer ist als Texas.



