Elon Musk und xAI: Überwachung von Mitarbeitern auf privaten Laptops – was ist da los?
Stellen Sie sich vor, Ihr Chef weist Sie an, eine Software zu installieren, die jede Ihrer Mausbewegungen, jeden Tastendruck und jede besuchte Website erfasst – und zwar auf Ihrem eigenen Computer. Genau das geschieht bei xAI, das von Elon Musk gegründet wurde. Diese im Juli 2025 aufgedeckte Geschichte löste unter den Mitarbeitern einen Sturm der Entrüstung aus und führte sowohl zu Kündigungen als auch zu Änderungen der Unternehmensrichtlinien. Werfen wir einen Blick auf die Details, die direkt aus internen Dokumenten und Berichten stammen.
Was ist Hubstaff und warum führt xAI es ein?
Alles begann Anfang Juli 2025, als xAI seinen Mitarbeitern – vor allem den Trainern, die den Chatbot Grok trainieren – mitteilte, dass sie eine Software namens Hubstaff installieren müssen. Dieses Tool zur Personalverwaltung ist nichts Neues; offiziellen Beschreibungen zufolge erfasst es Aktivitäten wie Mausbewegungen, Tastatureingaben, aufgerufene Anwendungen und Websites und fertigt während der Arbeitszeit sogar Screenshots an. Bei xAI sollte es dazu dienen, die Leistung zu messen, Daten darüber zu sammeln, wie die Trainer ihre Recherchen durchführen, und sicherzustellen, dass die Ressourcen den Prioritäten des Unternehmens im Bereich menschlicher Daten entsprechen.
Laut einem internen Dokument, das Business Insider einsehen konnte, wurden die Mitarbeiter angewiesen, die Software bis zum 11. Juli 2025 auf ihren privaten Computern zu installieren, sofern sie kein Firmengerät hatten. Sie mussten den Zugriff für Bildschirmaufnahmen erlauben, und die Nutzung wurde als verpflichtend bezeichnet. Das Unternehmen versprach, die Überwachung auf die festgelegten Arbeitszeiten zu beschränken und Aktivitäten außerhalb dieser Zeiten nicht zu erfassen. In einer E-Mail des HR-Teams von xAI heißt es: „Dieses neue Tool dient dazu, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, klarere Einblicke in die täglichen Aktivitäten der Trainer zu ermöglichen und sicherzustellen, dass die Ressourcen den Prioritäten im Bereich menschlicher Daten entsprechen.“
Weitere Informationen aus dem Internet, etwa von Portalen wie Moneycontrol oder Times of India, bestätigen, dass Hubstaff in KI-Unternehmen häufig zur Überwachung von Datenannotatoren eingesetzt wird. So wurden beispielsweise in einem Gerichtsverfahren gegen Scale AI Beschwerden darüber vorgebracht, dass das Unternehmen die Installation auf privaten Computern verlangte, was zu Vorwürfen einer fehlerhaften Einstufung von Mitarbeitern führte.
Reaktionen der Mitarbeiter: Von Bedenken bis zu Kündigungen
Nicht alle Mitarbeiter waren mit diesem Schritt einverstanden. In internen Slack-Nachrichten, die Business Insider einsehen konnte, wurden starke Vorbehalte geäußert. Ein Mitarbeiter bezeichnete Hubstaff als „als Produktivität getarnte Überwachung“ und als „hinter der Unternehmenskultur verborgene Manipulation“. Diese Nachricht erhielt Dutzende unterstützende Reaktionen von Kollegen. Es kam sogar zu einer Kündigung – mindestens ein Mitarbeiter gab bekannt, das Unternehmen wegen dieser Maßnahme zu verlassen.
Die Bedenken betrafen vor allem den Datenschutz. Viele Trainer bei xAI arbeiten aus der Ferne und nutzen ihre privaten Geräte, weil das Unternehmen nicht genügend Chromebooks hatte. Den Mitarbeitern wurde empfohlen, entweder mithilfe eines monatlichen Zuschusses von 50 Dollar von xAI einen neuen Computer zu kaufen oder auf ihrem Gerät ein separates Profil einzurichten, das die Arbeit von der privaten Internetnutzung trennt. Berichten von The Daily Beast und anderen Quellen zufolge sind die Mitarbeiter frustriert, weil dies ihre Privatsphäre und ihr Vertrauen in das Unternehmen beeinträchtigt.
Anpassung der Richtlinie nach medialem Druck
Die Situation änderte sich, nachdem Business Insider xAI mit Fragen kontaktiert hatte. Das Unternehmen passte seine Richtlinie schnell an: Nun können Mitarbeiter, die einen Firmencomputer angefordert haben, die Installation von Hubstaff aufschieben, bis sie ein Gerät vom Unternehmen erhalten. Unklar ist jedoch, ob dies auch für diejenigen gilt, die die Software bereits vor Ablauf der Frist am 11. Juli installiert oder sich ein neues Gerät gekauft haben.
xAI ist nicht das einzige Unternehmen, das solche Tools einsetzt. Neben Hubstaff nutzt es das interne System Starfleet, um die für Aufgaben aufgewendete Zeit zu erfassen, sowie das HR-Managementsystem Rippling zur Arbeitszeiterfassung. Rechtsexperten wie David Lowe, der Klagen gegen Musks Unternehmen Tesla und X geführt hat, warnen davor, dass eine solche Überwachung riskant sein kann. Ihm zufolge geht es um eine Abwägung zwischen dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen und weniger invasiven Methoden. In Kalifornien, wo xAI seinen Sitz hat, gelten strenge Gesetze zum Schutz von Mitarbeitern, doch für Beschäftigte im Homeoffice sind die jeweiligen örtlichen Vorschriften maßgeblich.
Eine chaotische Woche für xAI
Dieser Vorfall ereignete sich in einer chaotischen Woche für xAI. Der Chatbot Grok wurde aufgrund antisemitischer Nachrichten vorübergehend von der Plattform X entfernt, was interne Diskussionen auf Slack auslöste. Musk stellte unterdessen die neue Version Grok-4 sowie ein Abonnement für 300 Dollar pro Monat für die fortschrittliche Version SuperGrok Heavy vor. Das Unternehmen plant außerdem, Grok in Tesla-Fahrzeuge zu integrieren.



