Den nächsten Tag – unseren zweiten Tag in New York – begannen wir ganz klassisch auf amerikanische Art. Morgens fanden wir in Manhattan ein kleines lokales Café, das Frühstück und Mittagessen anbot, und kehrten dort ein, um etwas Leckeres zu essen. Ich nahm einen Avocado-Toast mit Eiern und Salat, meine Tochter entschied sich für Pfannkuchen mit Erdbeeren und Schlagsahne – einfach ein typisches New Yorker Frühstück, nach dem man problemlos den ganzen Tag zu Fuß unterwegs sein kann.
Nach dem Frühstück gingen wir weiter in Richtung Downtown Manhattan, genauer gesagt zum 9/11 Memorial – einem Ort, der eines der tragischsten Kapitel der modernen amerikanischen Geschichte in sich trägt.


Was am 11. September 2001 geschah
Am 11. September 2001 verübte die Terrororganisation al-Qaida einen koordinierten Angriff auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Neunzehn Terroristen entführten vier Passagierflugzeuge. Zwei davon flogen in den Nord- und den Südturm des World Trade Centers in Lower Manhattan. Das dritte Flugzeug traf das Pentagon in Virginia, und das vierte – United-Airlines-Flug 93 – stürzte auf ein Feld bei Shanksville in Pennsylvania, nachdem die Passagiere versucht hatten, das Flugzeug den Terroristen zu entreißen.
Beide Zwillingstürme, die damals zu den höchsten Gebäuden der Welt gehörten (der Nordturm war 417 Meter, der Südturm 415 Meter hoch), stürzten nach den Einschlägen und den darauf folgenden Bränden ein. Im gesamten World-Trade-Center-Komplex arbeiteten täglich etwa 50.000 Menschen, weitere Zehntausende besuchten ihn. Bei den Anschlägen kamen insgesamt 2.977 Menschen ums Leben – Zivilisten, Feuerwehrleute, Polizisten, Rettungskräfte und Passagiere der Flugzeuge. Es war der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Die Beseitigung der Trümmer und die Identifizierung der Opfer dauerten fast ein Jahr. Der Ort, an dem die Türme gestanden hatten, wurde fortan als Ground Zero bezeichnet und entwickelte sich nicht nur zu einem Symbol der Tragödie, sondern auch der Widerstandskraft und Entschlossenheit der ganzen Stadt.
9/11 Memorial – dort, wo die Türme standen
Die Gedenkstätte wurde am 11. September 2011, genau zehn Jahre nach den Anschlägen, feierlich eröffnet. Entworfen wurde sie von den Architekten Michael Arad und Peter Walker, die mit ihrem Entwurf Reflecting Absence – also „Sichtbar gemachte Abwesenheit“ – einen internationalen Wettbewerb gewannen. Für den Wettbewerb wurden mehr als 5.200 Entwürfe aus 63 Ländern eingereicht.
Im Mittelpunkt der Gedenkstätte stehen zwei riesige Becken mit einer Fläche von jeweils fast einem Acre, die sich genau auf den Grundrissen der ursprünglichen Türme befinden. Das Wasser fällt darin aus einer Höhe von etwa 9 Metern in das Becken und stürzt von dort noch tiefer in eine zentrale Öffnung, die niemals gefüllt werden kann. Genau das ist die Absicht der Architekten – einen Verlust zu symbolisieren, der nicht ersetzt werden kann. Die Wasserfälle in den Becken sind die größten künstlich angelegten Wasserfälle Nordamerikas, und ihr Rauschen schafft im ansonsten lauten Zentrum Manhattans einen Ort der Ruhe und Besinnung.
Entlang der Ränder beider Becken befinden sich Bronzetafeln, in die 2.983 Namen von Opfern eingraviert sind – nicht nur der Anschläge von 2001, sondern auch der sechs Menschen, die 1993 beim Bombenanschlag auf das World Trade Center ums Leben kamen. Die Namen sind nicht alphabetisch angeordnet, sondern nach sogenannten „bedeutungsvollen Nachbarschaften“ – Menschen, die im selben Unternehmen arbeiteten, mit demselben Flugzeug flogen oder miteinander verwandt waren, stehen nebeneinander. Die Familien der Opfer konnten zudem um eine bestimmte Platzierung der Namen ihrer Angehörigen bitten.
Rund um die Becken wachsen mehr als 400 Eichen, deren Art (swamp white oak) aus den Regionen aller drei Orte stammt, an denen die Anschläge stattfanden – aus New York, Virginia und Pennsylvania. Unter ihnen steht ein besonderer Baum – der sogenannte Survivor Tree (Baum der Überlebenden). Es handelt sich um einen Birnbaum, den Rettungskräfte im Oktober 2001 schwer beschädigt in den Trümmern von Ground Zero fanden. Mitarbeiter der New Yorker Parkverwaltung brachten ihn fort, pflegten ihn und pflanzten ihn 2010 wieder an diesem Ort ein, wo er heute als Symbol für Ausdauer und Erneuerung wächst. Jedes Jahr werden Setzlinge dieses Baumes an Gemeinschaften auf der ganzen Welt verteilt, die eine eigene Tragödie erlebt haben.
Die gesamte Gedenkstätte hat mich persönlich tief beeindruckt. Es ist ein Ort, an dem man ganz von selbst innehält, still wird und sich bewusst macht, was hier geschehen ist. Das Rauschen des fallenden Wassers, die Namen auf den Bronzetafeln, die Bäume ringsum – alles wirkt würdevoll und zugleich ungeheuer emotional. Es war sehr schön, und ich empfehle einen Besuch auf jeden Fall, selbst wenn man keinen persönlichen Bezug zu den Ereignissen hat.




One World Trade Center – das neue Symbol New Yorks
Nach der Besichtigung der Gedenkstätte gingen wir zum One World Trade Center, das direkt daneben in die Höhe ragt. Dieser Wolkenkratzer ist buchstäblich das neue Symbol von Lower Manhattan und ganz New York.
Das One World Trade Center – früher unter dem inoffiziellen Namen Freedom Tower bekannt – wurde vom Architekten David Childs vom Büro Skidmore, Owings & Merrill entworfen (übrigens dasselbe Büro, das auch den Burj Khalifa in Dubai entwarf). Die Bauarbeiten begannen 2006, und das Gebäude wurde am 3. November 2014 offiziell eröffnet.
Das Gebäude ist genau 1.776 Fuß, also 541 Meter hoch – und diese Zahl ist kein Zufall. Sie verweist auf das Jahr 1776, in dem die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten unterzeichnet wurde. Damit wurde das One World Trade Center nicht nur zum höchsten Gebäude New Yorks, sondern der gesamten westlichen Hemisphäre.
Interessant ist, dass die Dachhöhe des Gebäudes (ohne Antenne) 417 Meter beträgt – also genau so viel wie beim ursprünglichen Nordturm der Zwillingstürme. Auch die Grundfläche des Gebäudes entspricht derjenigen der ursprünglichen Türme. Diese Details sind kein Zufall, sondern eine bewusste Hommage an das ursprüngliche World Trade Center.
Das Gebäude hat 104 Stockwerke und bietet insgesamt rund 325.000 Quadratmeter Bürofläche. Bei der Planung wurde größter Wert auf Sicherheit gelegt – die unteren 57 Meter bestehen aus einem massiven, explosionsgeschützten Betonsockel, die Treppenhäuser sind deutlich breiter als bei gewöhnlichen Wolkenkratzern, und der gesamte Betonkern ist verstärkt. Das Gebäude erhielt außerdem für seine Nachhaltigkeit die Zertifizierung LEED Gold – es verwendet recycelte Materialien und verfügt über ein System zum Sammeln von Regenwasser.
Ursprünglich hieß das Gebäude Freedom Tower, doch 2009 wurde der Name offiziell in One World Trade Center geändert. Der Grund? Der Name „Freedom Tower“ war emotional zu stark aufgeladen, was die Vermietung der Büroräume erschwerte – potenzielle Mieter wollten nicht ständig mit den tragischen Ereignissen in Verbindung gebracht werden.





One World Observatory – Aussicht vom Gipfel der Welt
An der Spitze des One World Trade Centers befindet sich das One World Observatory – eine Aussichtsplattform im 100. bis 102. Stock, etwa 386 Meter über dem Boden. Das Observatorium wurde am 29. Mai 2015 eröffnet und gehört seitdem zu den meistbesuchten Attraktionen New Yorks.
Schon die Fahrt nach oben ist ein Erlebnis. Die SkyPod-Aufzüge bringen einen in nur 47 Sekunden in den 102. Stock – mit einer Geschwindigkeit von etwa 37 km/h. Während der Fahrt sind die Wände der Kabine mit LED-Bildschirmen bedeckt, auf denen eine Zeitrafferanimation der Entwicklung New Yorks vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart läuft. Man sieht, wie aus einer bewaldeten Insel nach und nach eine moderne Metropole mit Wolkenkratzern wird – und schließlich erscheint auf den Bildschirmen die Silhouette genau des Gebäudes, in dem man sich befindet. Es ist wirklich wunderschön.
Oben erwartet einen dann ein 360-Grad-Ausblick durch riesige, vom Boden bis zur Decke reichende Fenster. Bei klarem Wetter soll man bis zu 80 Kilometer weit sehen können. Im 100. Stock befindet sich außerdem das sogenannte Sky Portal – eine vierzehn Fuß große, runde Glasscheibe im Boden, unter der eine Live-HD-Übertragung der Straßen direkt unter den eigenen Füßen läuft, 386 Meter tiefer. Das Gefühl, wenn man darauf steht, ist ziemlich intensiv.
Der Nebel verdarb uns ein wenig die Aussicht
An diesem Tag war es leider neblig. Schon unten hatte man uns darauf hingewiesen, dass die Sicht wahrscheinlich nicht besonders gut sein würde – und man hatte recht. Vom Observatorium aus konnte man die Stadt unter sich sehen, doch der Horizont verschwand in einem grauen Dunst. Die Brooklyn Bridge und den East River konnten wir erkennen, die Freiheitsstatue beispielsweise jedoch nicht mehr.
Trotzdem hat es sich gelohnt. Die Atmosphäre der in Nebel gehüllten Stadt hat ihren ganz eigenen Reiz, und das Gebäude selbst, der Aufzug und die Ausstellung im Inneren sind schon für sich genommen ein Erlebnis.




Fotos von einem früheren Besuch – diesmal ohne Nebel
Zum Glück war ich nicht zum ersten Mal in New York. Bei einem meiner früheren Besuche war ich auf der Aussichtsplattform Top of the Rock im Rockefeller Center, und dort war das Wetter deutlich freundlicher. Deshalb füge ich noch ein paar Fotos hinzu, damit man sehen kann, wie die Aussicht aussieht, wenn sich Manhattan in seiner ganzen Schönheit zeigt.








Und noch ein paar Aufnahmen von den Straßen Manhattans vom selben Besuch – einfach New York, wie ich es kenne und liebe.




Fazit zu diesem Tag
Dieser weitere Tag in New York war emotional und inspirierend zugleich. Das 9/11 Memorial ist ein Ort, den jeder besuchen sollte, der nach New York kommt – nicht nur wegen der Geschichte, sondern auch wegen der würdevollen und einfühlsamen Gestaltung des gesamten Areals. Und das One World Trade Center? Es ist der Beweis dafür, dass eine Stadt selbst nach ihrem dunkelsten Kapitel wieder aufstehen und etwas errichten kann, das noch höher, noch stärker und noch symbolträchtiger ist als das, was zuvor hier stand.



