SpaceX leiht sich 40 Milliarden Dollar für KI-Chips, Musk prophezeit kleineren Konkurrenten das Aus

SpaceX leiht sich 40 Milliarden Dollar für KI-Chips, Musk prophezeit kleineren Konkurrenten das Aus

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
27. 10. 2026
5 Minuten Lesezeit · 2 Aufrufe
SpaceX leiht sich 40 Milliarden Dollar für KI-Chips, Musk prophezeit kleineren Konkurrenten das Aus

Elon Musk gab bekannt, dass SpaceX eine Finanzierung über 40 Milliarden Dollar für den Kauf von Chips für künstliche Intelligenz abgeschlossen hat. In denselben Beitrag auf der Plattform X packte er jedoch eine Warnung, die die Aktien mehrerer Technologieunternehmen ins Wanken brachte. Den mehr als zweihundert kleineren Unternehmen, die Rechenleistung für KI vermieten, steht ihm zufolge eine harte Auslese bevor, die nur ein kleiner Teil von ihnen überleben wird.

Kredit für Chips, die nächstes Jahr eintreffen

SpaceX hat sich das Geld geliehen, um Grafikprozessoren von Nvidia kaufen zu können. Diese unter der Abkürzung GPU bekannten Chips dienten einst hauptsächlich zur Darstellung von Grafiken in Computerspielen. Heute treiben sie Sprachmodelle und andere Systeme künstlicher Intelligenz an. Wer genug davon besitzt, kann KI trainieren und betreiben oder ihre Rechenleistung an andere vermieten.

In einem anschließenden Beitrag stellte Musk klar, dass es sich überwiegend um vorzeitig rückzahlbare Schulden handelt. SpaceX kann den Kredit somit vor Ende seiner Laufzeit zurückzahlen. Die Chips sollen im ersten und zweiten Quartal des kommenden Jahres beim Unternehmen eintreffen und werden sich Musk zufolge daher nicht wesentlich auf die Ergebnisse des laufenden Quartals auswirken.

In einer Telefonkonferenz mit Analysten am 20. Oktober erklärte die Unternehmensführung, dass sie mit mehreren Gläubigergruppen verhandle. Fünf Tage später verkündete Musk, dass der Abschluss erfolgt sei.

SpaceX bekam Geld, andere nicht

Einen wesentlichen Teil seines Beitrags widmete Musk nicht dem Kredit selbst, sondern der Frage, wer heute überhaupt noch an Geld kommt. In den vergangenen Wochen hätten die Fremdkapitalmärkte praktisch jedem Unternehmen den Zugang zu Geld versperrt, das keine erheblichen Einnahmen unabhängig von KI-Rechenzentren erzielt, schrieb er.

SpaceX war ihm zufolge erfolgreich, weil das Unternehmen über ein Investment-Grade-Rating verfügt. Daran können Gläubiger erkennen, dass die Firma zu den zuverlässigen Schuldnern gehört. Hinzu kommen Einnahmen aus dem Satelliteninternet Starlink und aus dem Transport von Raketen in die Umlaufbahn.

Paradoxerweise macht gerade die künstliche Intelligenz bei SpaceX bereits den größten Teil des Umsatzes aus. Die KI-Sparte erwirtschaftete im dritten Quartal 7,6 Milliarden Dollar und damit mehr als Starlink und das Raketengeschäft zusammen sowie mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes, der sich 15 Milliarden Dollar näherte. Die Gläubiger haben also nicht einem Unternehmen Geld geliehen, das KI meidet. Sie haben einem Unternehmen Geld geliehen, für das KI nicht die einzige Einnahmequelle ist. Starlink hatte Ende September mehr als 13,5 Millionen Privatkunden, und über ein solches Polster verfügen die meisten kleineren Wettbewerber nicht.

SpaceX braucht das Geld tatsächlich. Allein im dritten Quartal gab das Unternehmen fast 20 Milliarden Dollar für Ausrüstung und Infrastruktur aus, obwohl es durch den diesjährigen Börsengang über zusätzliche Barmittel verfügt.

Neoclouds und das große Sterben

Dann nahm Musk die sogenannten Neoclouds ins Visier. So werden kleinere Unternehmen bezeichnet, die KI-Chips kaufen und deren Rechenleistung über das Internet an Kunden vermieten. Das bedeute, dass den mehr als 200 Neoclouds ein Massensterben wie bei Guppys sowie eine Konsolidierung bevorstehe; einige würden überleben, aber nicht viele, schrieb er. Damit verglich er ihr Schicksal mit kleinen Aquarienfischen, die in großer Zahl verenden. Mit Konsolidierung meint er, dass stärkere Firmen schwächere übernehmen oder sich kleinere Unternehmen zusammenschließen, um sich über Wasser zu halten.

Dabei spricht Musk nicht von einem Mangel an Kunden. In der Telefonkonferenz mit Analysten im Oktober erklärte er, dass er bei anderen Anbietern keine freien Chips habe finden können und sich um die Nachfrage keine Sorgen mache. Wir könnten unsere Rechenleistung mehrfach vermieten, sagte er. Die Kunden wollen also mehr Chips, doch nur ein Teil der Anbieter kann es sich noch leisten, sie zu kaufen.

Musk ist Konkurrent, nicht Käufer

Seine Worte haben noch eine weitere Dimension. SpaceX will ungefähr die Hälfte seiner Rechenleistung selbst nutzen und die andere Hälfte vermieten. Damit wird das Unternehmen zu einem direkten Konkurrenten der Firmen, denen Musk das Ende prophezeit.

Als auf der Plattform X die Vermutung aufkam, Musk drücke absichtlich die Aktienkurse der Konkurrenz, um sie günstig aufzukaufen, wies er sie mit wenigen Worten zurück. SpaceX kauft keine Neoclouds, das ergibt keinen Sinn, antwortete er. Für kleinere Unternehmen muss das keine gute Nachricht sein. Ein Konkurrent mit freien Kapazitäten muss kein angeschlagenes Unternehmen kaufen, wenn er ihm einfach die Kunden abwerben kann.

Der Anleihemarkt gab zuerst nach

Die Börse reagierte sofort auf die Warnung. Am stärksten traf es CoreWeave und Nebius, zwei der bekanntesten Unternehmen der Branche. Am Montag vor Börsenöffnung verlor CoreWeave knapp 3 Prozent und Nebius 3,5 Prozent. Der Rückgang setzte den seit mehreren Wochen anhaltenden Druck fort; die CoreWeave-Aktie verlor im vergangenen Monat mehr als 37 Prozent.

Die Probleme hatten sich jedoch schon früher am Anleihemarkt gezeigt. Die Rendite unbesicherter CoreWeave-Anleihen näherte sich Anfang des Monats 15 Prozent. Vereinfacht gesagt zeigt die Rendite, welche Entschädigung für das Risiko die Anleger von dem Unternehmen verlangen. Je höher sie ist, desto weniger vertrauen sie ihm. Die Nebius-Aktie fiel um 10 Prozent. Das Analyseunternehmen Gartner schätzt, dass bis 2030 mehr als 80 Prozent dieser Anbieter ihre eigenständige Tätigkeit einstellen werden.

Eine ähnliche Geschichte hat sich schon einmal abgespielt. Während des Platzens der Telekommunikationsblase warnte die US-Einlagensicherungsbehörde FDIC vor einer wachsenden Zahl von Insolvenzen und unbezahlten Schulden. Schuld daran waren ihr zufolge die nachlassende Konjunktur, fallende Aktienkurse und ein plötzlicher Einbruch der Finanzierung. Der Unterschied besteht Musk zufolge darin, dass die Kunden die Dienstleistung dieses Mal weiterhin nachfragen.

Nicht alle glauben an die Panik

Ein Teil der Analysten bleibt gelassen. Tal Liani von der Bank of America bezeichnete den Ausverkauf der CoreWeave-Aktie als stimmungsbedingt und beließ das Kursziel bei 140 Dollar je Aktie. Hier gehe es nicht um die tatsächliche Geschäftsentwicklung des Unternehmens, erklärte er. Das Portal Seeking Alpha wies darauf hin, dass die von Musk beschriebene Kreditklemme bislang von niemandem unabhängig bestätigt worden sei. Renditen von rund 15 Prozent beim bekanntesten Unternehmen der Branche lassen sich allerdings nur schwer allein mit schlechter Stimmung erklären.

Die SpaceX-Aktie legte am Montag vor Börsenöffnung leicht zu. Sie liegt jedoch weiterhin deutlich unter ihrem Jahreshoch von mehr als 225 Dollar.

Quellen: cnbc.com und finance.yahoo.com

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Kategorie:KI
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