Roboter erobern Lager, Straßen und Fabriken: Wer führt den Robotermarkt an?

Roboter erobern Lager, Straßen und Fabriken: Wer führt den Robotermarkt an?

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
6. 3. 2026
5 Minuten Lesezeit
Roboter erobern Lager, Straßen und Fabriken: Wer führt den Robotermarkt an?

Noch vor etwa drei Jahren sah man Roboter nur in Science-Fiction-Filmen. Heute ist das anders. Roboter sortieren Pakete bei Amazon, autonome Autos befördern Menschen durch Miami und humanoide Maschinen lernen langsam, sich in einer Welt zu bewegen, die bisher ausschließlich den Menschen vorbehalten war. Und laut den Analysten der Bank Barclays stehen wir erst am Anfang.

Im Februar 2026 veröffentlichte das Team von Barclays einen Bericht mit dem Titel "The Decade of the Robot", zu Deutsch „Das Jahrzehnt des Roboters“. Das Fazit? Der Markt für KI-gestützte Roboter und autonome Maschinen könnte bis 2035 auf mehr als eine Billion Dollar wachsen. Das entspricht ungefähr dem Zehnfachen seines heutigen Werts.

Gehirn, Muskeln und Batterien: Die drei Säulen, auf denen die Zukunft ruht

Zornitsa Todorova, Leiterin des Barclays-Analyseteams für thematische Forschung, fasste es so zusammen: „Fortschritte bei Intelligenz, physischer Kraft und Batterien bringen die KI-Robotik an einen Wendepunkt, der die Investitionsagenda für das kommende Jahrzehnt bestimmen wird.“

Drei Worte: Gehirn, Muskeln, Batterien. Genau das treibt den gesamten Wandel voran. Künstliche Intelligenz verleiht Robotern die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Bessere Bewegungssysteme verleihen ihnen körperliche Geschicklichkeit. Und leistungsfähigere Batterien ermöglichen es ihnen endlich, ohne ständiges Aufladen zu funktionieren. Alle drei Bereiche entwickeln sich parallel, und ihre Kombination schafft etwas, das Analysten als „physische KI“ bezeichnen – also künstliche Intelligenz, die nicht nur mit Daten auf einem Bildschirm arbeitet, sondern direkt mit der realen Welt um uns herum.

Das ist eine bedeutende Weiterentwicklung gegenüber der ersten KI-Welle. Chatbots und generative Modelle waren nur der Anfang. Physische KI geht weiter: Sie greift, fährt, fliegt und bewegt Dinge. Und genau deshalb glauben die Analysten von Barclays, dass eine Wertschöpfungskette entsteht, die tiefer und vielfältiger sein wird als alles, was wir bisher gesehen haben.

Wer wird das Rennen anführen? Autos, Drohnen und erst danach Humanoide

Barclays behauptet nicht, dass wir morgen einen Roboter zu Hause haben werden, der uns das Frühstück zubereitet. Die Analysten sind in dieser Hinsicht realistisch und unterscheiden sorgfältig zwischen dem, was unmittelbar bevorsteht, und dem, worauf wir noch eine Weile warten müssen.

Autonome Fahrzeuge liegen an der Spitze. Die Technologie wird seit fast zehn Jahren entwickelt, baut auf bestehenden Lieferketten auf und profitiert von einer riesigen Datenmenge, die von Millionen Fahrzeugen und in unzähligen Stunden auf den Straßen gesammelt wurde. Todorova schätzt, dass gerade autonome Autos etwa 50 % des insgesamt erwarteten Wachstums dieses Marktes ausmachen werden. Waymo befördert bereits Kunden ohne Fahrer durch Miami und andere Städte. 

An zweiter Stelle stehen Drohnen. Logistik, Paketzustellung, Landwirtschaft, Rettungseinsätze. Die Einsatzmöglichkeiten sind enorm und die Technologie ist ausreichend ausgereift.

Und dann gibt es noch humanoide Roboter. Hier treten die Analysten auf die Bremse. Humanoide sind faszinierend, hinken derzeit aber noch hinterher. Warum? Ihnen fehlen Daten. Digitale Modelle lernen aus Texten und Bildern, von denen es im Internet Milliarden gibt. Physische KI benötigt jedoch Daten darüber, wie sich Dinge in der realen Welt verhalten, wie Schwerkraft, Reibung und Materialwiderstand funktionieren. Eine solche Datenbank existiert bislang nicht im erforderlichen Umfang. Humanoide werden kommen, aber sie werden sich Zeit lassen.

China führt und Amerika holt auf

Nun kommt der Teil, der vielleicht überrascht. China dominiert derzeit den Einsatz sowohl humanoider als auch industrieller Roboter. Im Jahr 2025 wurden weltweit rund 15.000 humanoide Roboter eingesetzt, von denen etwa 85 % aus China stammten. Bei der industriellen Automatisierung hält China einen Anteil von 50 bis 60 % am Weltmarkt.

Warum diese Dominanz? China hat Zugang zu kritischen Rohstoffen und seltenen Erden, die für die Herstellung von Roboterkomponenten unverzichtbar sind. Es verfügt über einen riesigen Binnenmarkt, auf dem Technologien in großem Maßstab getestet werden können. Und es besitzt den politischen Willen, massiv in Robotik zu investieren.

Die Vereinigten Staaten liegen bislang deutlich zurück und bewegen sich im niedrigen zweistelligen oder sogar einstelligen Prozentbereich. Das bedeutet jedoch nicht, dass amerikanische Unternehmen keine Chance haben. Ganz im Gegenteil.

Tesla, Nvidia, Amazon

Barclays hat fast 200 börsennotierte Unternehmen identifiziert, die im kommenden Jahrzehnt von diesem Trend profitieren könnten. Hundert von ihnen haben zudem mindestens eine Unternehmensanleihe im Umlauf, was auch konservativeren Anlegern Möglichkeiten eröffnet.

Die Analysten teilten die Unternehmen in mehrere Gruppen ein:

Hersteller von Chips und technologischen Grundlagen: TSMC, Samsung Electronics und Nvidia bilden das Rückgrat der gesamten Branche. Ohne ihre Halbleiter könnte kein Roboter denken. Nvidia bietet darüber hinaus die Plattform Omniverse an, die beispielsweise Mercedes-Benz nutzt, um Fabriken virtuell umzubauen, ohne die Produktion physisch anhalten zu müssen. Ein kluger Schachzug.

Roboterhersteller und Pioniere: Tesla ist in dieser Hinsicht wohl das meistbeobachtete Unternehmen. Elon Musk widmete Robotern einen gesamten vierteljährlichen Ergebnis-Call, und Optimus, der humanoide Roboter von Tesla, gelangt langsam aus den Laboren in die reale Welt.

Antrieb und Energie: Batterien sind das Rückgrat jeder autonomen Maschine. Barclays hebt hier die chinesischen Hersteller EVE Energy und Contemporary Amperex Technology (CATL) hervor, die einen großen Teil der weltweiten Batterieproduktion beliefern.

Große Anwender: Amazon betreibt in seinen Vertriebszentren mehr als eine Million Roboter. Die Analysten von Barclays ergänzen, dass dies wahrscheinlich nur ein Bruchteil des langfristigen Potenzials ist. Walmart verfolgt einen ähnlichen Weg. Diese Unternehmen sind nicht nur Kunden der Robotikbranche, sondern auch ihre größten Testlabore.

Der Roboter Optimus von Tesla.
Der Roboter Optimus von Tesla.

Es wäre einfach, das Ganze auf Börsenspekulationen zu reduzieren. Doch hinter den Zahlen verbirgt sich etwas Größeres. Physische KI verändert die Funktionsweise von Fabriken, Lagern, Transportwesen und Gesundheitswesen. Roboter folgen den Menschen nicht, sondern ergänzen sie dort, wo Arbeit gefährlich, repetitiv oder körperlich anstrengend ist.

Sind wir bereit für eine Welt, in der Maschinen immer mehr körperliche Aufgaben übernehmen? Darauf kann kein Analysebericht eine Antwort geben. Eines ist jedoch sicher: Unternehmen wie Tesla, Nvidia oder Amazon setzen enorme Summen darauf. Und Barclays glaubt an sie. Das Jahrzehnt des Roboters hat gerade begonnen. Und diesmal scheint es nicht nur ein Werbeslogan zu sein.

Quellen: bloomberg.com und ib.barclays

Kategorie:Robotik
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Entdecken Sie weitere interessante Beiträge im Blog
Zurück zum Blog

Ähnliche Beiträge

China präsentiert den ersten Roboter-Zentauren. Er soll dort arbeiten, wo Menschen sterbenChina präsentiert den ersten Roboter-Zentauren. Er soll dort arbeiten, wo Menschen sterben
Auf dem Messegelände in Shanghai war im Juli dieses Jahres eine Maschine zu sehen, die auf den ersten Blick in keine Schublade passt. Das Shanghaier Unternehmen Run Robotics präsentierte auf der WAIC 2026 einen Roboter, den es selbst als
3 Min. Lesezeit
27. 7. 2026
Nicht für Haushalte, sondern für die Industrie: Englische Firma Humanoid erreicht MilliardenbewertungNicht für Haushalte, sondern für die Industrie: Englische Firma Humanoid erreicht Milliardenbewertung
Das Londoner Robotikunternehmen Humanoid, das offiziell unter dem Namen SKL Robotics firmiert, zählt nun zu den sogenannten Einhörnern – jungen Firmen mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Dollar. Laut zwe...
6 Min. Lesezeit
20. 7. 2026
Wende in der Robotik. Roboter bekommen künstliche Hände, die so viel können wie menschliche!Wende in der Robotik. Roboter bekommen künstliche Hände, die so viel können wie menschliche!
Das kalifornische Unternehmen 1X aus Palo Alto hat neue Hände für seinen Roboter NEO vorgestellt. Sie verfügen über 25 Freiheitsgrade, werden wie beim Menschen durch Sehnen angetrieben und kommen laut Hersteller menschlicher Geschicklichkeit, Kraft und Zuverlässigkeit nahe.
5 Min. Lesezeit
14. 7. 2026
Přihlaste se k odběru našeho newsletteru
Zůstaňte informováni o nejnovějších příspěvcích, exkluzivních nabídkách, a aktualizacích.
CodedTrip

Betreiber: CodedTrip LLC, USA.

YouTube
TikTok