Amerikanische Unternehmen geben wieder mehr für OpenAI aus. Das geht aus aktuellen Daten des Unternehmens Ramp hervor, das Firmenzahlungskarten ausgibt und Unternehmensausgaben verwaltet. Seine Daten zeigen, dass OpenAI im dritten Quartal bei US-Unternehmen schneller wächst als Anthropic und einen Teil des Rückstands aufholt, der sich seit Mai vergrößert hatte. Anthropic liegt zwar weiterhin vorn, doch sein Vorsprung beginnt zu schrumpfen.
Ramp und seine Messmethode
Ramp erfasst die Ausgaben von mehr als siebzigtausend US-Unternehmen, die über seine Karten und Zahlungsinstrumente Milliarden von Dollar umsetzen. In der Stichprobe sind Technologieunternehmen stark vertreten, und sie deckt nicht den gesamten Markt ab. Vor allem große Konzerne, die andere Systeme zur Ausgabenverwaltung nutzen, bleiben unberücksichtigt. Zudem lehnte das Unternehmen es ab, konkrete Beträge offenzulegen, und veröffentlichte lediglich Prozentwerte. Dennoch handelt es sich um einen der seltenen Einblicke in die Geschäftsentwicklung beider Unternehmen. Bis OpenAI und Anthropic ihren geplanten Börsengängen näher kommen und mit der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse beginnen, bleiben derartige Daten einer der wenigen Anhaltspunkte dafür, wie sich die beiden KI-Labore entwickeln.
Lange Zeit schien die Lage eindeutig. OpenAI lag sowohl bei Unternehmen als auch bei normalen Nutzern mit großem Abstand vorn, bis es im Mai seine Spitzenposition unter den zahlenden Firmenkunden von Ramp verlor. Damals erreichte Anthropic 41 Prozent gegenüber 39 Prozent für OpenAI, und der ChatGPT-Entwickler konnte die Führung seitdem nicht zurückgewinnen. Im Juli vergrößerte sich der Abstand noch. Für Produkte von Anthropic zahlten damals knapp 44 Prozent der erfassten Unternehmen, für OpenAI rund 40 Prozent. Anthropic legte innerhalb eines Monats um 1,1 Prozentpunkte zu, OpenAI lediglich um 0,23 Punkte.
Erst die August-Daten zeigten eine Trendwende. Die Ausgaben von Unternehmenskunden für Produkte von OpenAI steigen gegenüber dem Vorquartal um 82 Prozent, bei Anthropic um 76 Prozent. Bis zum Ende des Quartals bleibt allerdings noch ein Monat – angesichts des Entwicklungstempos der künstlichen Intelligenz genug Zeit, damit sich der Trend erneut umkehrt.
Der Kampf um Marktanteile verdeckt einen Aspekt, der für beide Unternehmen eine gute Nachricht ist. Der Anteil der Unternehmen, die für künstliche Intelligenz bezahlen, wächst unter den Kunden von Ramp kontinuierlich. Im März überschritt er 50 Prozent, im Juli erreichte er fast 56 Prozent. Zum Vergleich: Im Januar 2023 waren es 7,5 Prozent. Auch wenn beide KI-Labore um dieselben Kunden kämpfen, dürften somit die Umsätze beider Unternehmen steigen.
Warum die Unternehmen zu OpenAI zurückkehrten
Eine Erklärung lieferte der Ökonom von Ramp, Ara Kharazian. Das neue Modell GPT-5.6 Sol eigne sich ihm zufolge vor allem für Entwickler. Das Modell Fable 5 von Anthropic habe dagegen sowohl beim Einsatzgrad als auch bei der praktischen Nutzung enttäuscht. Gründe dafür seien der hohe Preis sowie strenge behördliche Vorgaben zur Datenspeicherung. Die Nutzer störe außerdem, dass komplexere Aufgaben auf weniger leistungsfähige Modelle zurückgestuft würden, was wiederum auf Sicherheitsbedenken der Behörden zurückzuführen sei.
TechCrunch ergänzt, dass dies eine Vereinfachung sei. Fable gehört zu den fortschrittlicheren Modellen von Anthropic und ist teurer, spezialisiert sich jedoch auf einen engeren Aufgabenbereich als ein gewöhnlicher Chatbot. Unzufriedenheit unter den Nutzern löste dennoch der Hinweis aus, dass das Unternehmen ihre Daten 30 Tage lang speichern müsse.
Auch die Preise spielten eine Rolle. OpenAI senkte nur drei Wochen nach der Veröffentlichung seiner beiden neuesten Modelle die Preise deutlich. Beim Modell Luna reduzierte es den Preis um 80 Prozent auf 0,20 Dollar pro Million Eingabe-Token und 1,20 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Beim Modell Terra sank der Preis um ein Fünftel auf 2 Dollar pro Million Eingabe-Token und 12 Dollar pro Million Ausgabe-Token.
Bei den Umsätzen führt Anthropic
Der Anteil an der Zahl der zahlenden Unternehmen ist eine Sache, der Umsatz eine andere. Anthropic konnte seinen Umsatz im zweiten Quartal auf 11,6 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln und überholte OpenAI erstmals bei den Quartalsumsätzen. OpenAI wies 6,7 Milliarden Dollar aus, 18 Prozent mehr als im vorangegangenen Quartal. Anthropic meldete zudem einen kleinen Betriebsgewinn, während sich der Verlust von OpenAI vergrößerte. Beide Unternehmen streben in den kommenden Monaten ihre geplanten Börsengänge an.
Und gerade in dieser Hinsicht sind die Daten von Ramp besonders beunruhigend. Die Unternehmen sind offenbar bereit, zwischen Anbietern zu wechseln, je nachdem, wer gerade ein neues Modell veröffentlicht hat. Solche Schwankungen sollten die Investoren beider Unternehmen dazu veranlassen, darüber nachzudenken, wie stabil die Unternehmensausgaben für künstliche Intelligenz tatsächlich sind.
Quellen: inc.com, qz.com und thedailystar.net



