Innerhalb von OpenAI nehmen die Spannungen in der Führungsebene zu. Sarah Friar, die Finanzchefin (CFO) des Unternehmens, äußerte Zweifel an den Plänen des CEO Sam Altman. Dieser plant, das Unternehmen Ende dieses Jahres an die Börse zu bringen, während zugleich die Verpflichtung besteht, in den kommenden fünf Jahren bis zu 600 Milliarden Dollar auszugeben. Laut Sarah Friar stellen jedoch die steigenden Kosten und das langsamere Umsatzwachstum ein großes Risiko dar.
Ein ehrgeiziger Plan
Der Wettbewerb in der Welt der KI nimmt täglich zu. Auch deshalb hat Sam Altman beschlossen, der Konkurrenz zuvorzukommen und die Aktien seines Unternehmens bereits im letzten Quartal dieses Jahres öffentlich anzubieten. Auch wenn dies wie ein logischer Schritt erscheinen mag, teilen nicht alle im Unternehmen seine Begeisterung. Finanzchefin Sarah Friar äußerte daher ihre Bedenken und geriet internen Informationen zufolge dadurch in einen direkten Konflikt mit Altman.
Altman zufolge könnte der Börsengang das Unternehmen jedoch mit bis zu 1 Billion Dollar bewerten, wodurch OpenAI zu einem der größten Akteure in der Welt der KI-Technologien würde. Gleichzeitig plant Altman massive Investitionen in die Infrastruktur, und zwar bis zu 600 Milliarden Dollar innerhalb von fünf Jahren.
Eine weitere Motivation ist die Tatsache, dass es dem Unternehmen gelungen ist, Investitionszusagen in Höhe von 122 Milliarden Dollar zu sichern, unter anderem von Giganten wie Amazon und NVIDIA.
Finanzchefin bremst die Begeisterung
Während Altman aufs Gaspedal tritt, tritt Sarah Friar eher auf die Bremse. Den verfügbaren Informationen zufolge weist sie nämlich auf mehrere wesentliche Risiken hin. Sie ist der Ansicht, dass das Unternehmen nicht auf einen Börsengang vorbereitet ist.
Das Problem stellen ihrer Ansicht nach vor allem die steigenden Kosten des Unternehmens dar. OpenAI soll nämlich 200 Milliarden Dollar ausgeben, noch bevor das Unternehmen einen stabilen Cashflow erzielt. Friar fragt daher, ob derart enorme Investitionen und ein verlangsamtes Wachstum der Einnahmen solche hohen Ausgaben auf lange Sicht tragen können.
Die zunehmenden Spannungen innerhalb des Unternehmens werden auch dadurch verdeutlicht, dass Friar von einigen wichtigen Verhandlungen ausgeschlossen wurde. Außerdem berichtet sie nicht mehr direkt an Sam Altman, sondern an Fidji Simo, die den Geschäftsbereich Anwendungen von OpenAI leitet.
Druck durch Konkurrenz und Markt
Der Gang an den Kapitalmarkt hat zudem einen weiteren entscheidenden Grund: die Konkurrenz. Unternehmen wie Anthropic oder Google erhöhen nämlich kontinuierlich das Tempo, und ihre Position auf dem KI-Markt wird immer stärker.
Anthropic hat OpenAI beim Verkauf von KI-Modellen an Unternehmen und Entwickler bereits überholt, während Google nach und nach eine große Zahl gewöhnlicher Nutzer klassischer Chatbots abwirbt. OpenAI steht somit nicht nur bei Innovationen unter Druck, sondern auch im Hinblick auf die Rentabilität. Die kostspielige Infrastruktur und die niedrigeren Gewinne zwingen das Unternehmen daher, immer wieder neue Einnahmequellen zu erschließen.
Obwohl der Börsengang mit vielen Fragezeichen verbunden ist, scheint er für OpenAI nahezu unvermeidlich zu sein. Es bleibt jedoch die Frage, ob es dem Unternehmen gelingt, seine Ambitionen mit der Realität in Einklang zu bringen.
Quelle: The Economic Times, Reuters, Business Today



