Wohin mit neuen KI-Rechenzentren? Starcloud hat eine Lösung: die Erdumlaufbahn

Wohin mit neuen KI-Rechenzentren? Starcloud hat eine Lösung: die Erdumlaufbahn

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
16. 4. 2026
3 Minuten Lesezeit
Wohin mit neuen KI-Rechenzentren? Starcloud hat eine Lösung: die Erdumlaufbahn

Rechenzentren, die künstliche Intelligenz antreiben, benötigen große Mengen an Strom und Wasser und werden von lokalen Gemeinschaften immer häufiger abgelehnt. Die Lösung? Sie in die Erdumlaufbahn verlagern! Und aufgepasst: Dabei handelt es sich keineswegs um eine Zukunftsgeschichte. Das Startup Starcloud hat bereits einen funktionsfähigen Satelliten mit einem leistungsstarken GPU-Chip im Orbit und hat dort als erstes Unternehmen der Geschichte bereits ein KI-Modell trainiert.

Starcloud: Milliarden-Startup aus dem Orbit

Falls Sie noch nie von diesem Startup gehört haben, können wir gleich mit überraschenden Zahlen beginnen. Starcloud erhielt im Rahmen seiner Series-A-Finanzierungsrunde von Investoren 170 Millionen Dollar, wodurch sein Gesamtwert auf 1,1 Milliarden Dollar stieg. Und das nur 17 Monate, nachdem das Unternehmen sein Konzept für Weltraum-Rechenzentren erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Damit wurde es zum schnellsten Startup in der Geschichte von Y Combinator (einem Förderprogramm für junge Unternehmen), das den Unicorn-Status erreichte.

Und was genau macht Starcloud? Im November 2025 arbeitete das Startup mit SpaceX zusammen und brachte den ersten Satelliten Starcloud-1 ins All, der mit einem NVIDIA-H100-Chip ausgestattet war. Damit war es das erste Unternehmen der Geschichte, das im Weltraum ein KI-Modell trainierte und zugleich dort eine Version von Google Gemini ausführte. Die Mission bestätigte, dass das Gerät KI-Aufgaben zuverlässig verarbeiten kann.

Ein weiterer Meilenstein soll noch in diesem Jahr der Start des Satelliten Starcloud-2 sein. Er soll eine bis zu hundertmal höhere Leistung als sein Vorgänger bieten und den NVIDIA-Blackwell-B200-Chip an Bord haben, der als der derzeit leistungsstärkste KI-Chip gilt.

Warum ausgerechnet der Weltraum?

Terrestrische Rechenzentren stehen derzeit vor einer doppelten Krise. Zum einen ist da der enorme Energieverbrauch, zum anderen der Widerstand lokaler Gemeinschaften, denen der Bau gigantischer Rechenzentren missfällt. Der Weltraum erweist sich daher als elegante Lösung für diese Probleme.

Im Weltraum können Solarmodule bis zu 99 % des Jahres Energie gewinnen und erzeugen im Vergleich zu Lösungen auf der Erde jährlich 5- bis 13-mal mehr Strom. Und die Kühlung? Sie benötigt im Weltraum keinen einzigen Tropfen Wasser. Die Satelliten geben die Abwärme nämlich durch Wärmestrahlung direkt an das Vakuum ab.

Auch weitere große Akteure steigen ein

Ist Starcloud etwa der einzige Pionier im Weltraum? Keineswegs. Elon Musks xAI wurde kürzlich durch eine Übernahme mit SpaceX zusammengeführt, und eines der Ziele ist gerade der Aufbau von Weltraum-Rechenzentren.

Google wiederum arbeitet am Projekt Suncatcher, während Jeff Bezos auf Blue Origin setzt, das Technologien für Weltraum-Rechenzentren entwickelt. Auch NVIDIA hat einen großen Schritt gemacht. Auf der GTC 2026 stellte das Unternehmen die Plattformen Space-1 Vera Rubin Module und IGX Thor vor, die speziell für orbitale Rechenzentren konzipiert wurden.

Den derzeit größten orbitalen Rechencluster betreibt das kanadische Unternehmen Kepler Communications auf 10 Satelliten.

Eine scheinbar einfache Lösung

Obwohl es den Anschein haben mag, dass die Umlaufbahn die Probleme terrestrischer Rechenzentren löst, ist die Realität leider etwas komplizierter. Das entscheidende Hindernis bleiben die Kosten für den Transport der Technologien ins All.

Orbitale Rechenzentren könnten gegenüber terrestrischen Rechenzentren konkurrenzfähig werden, sobald die Transportkosten auf ungefähr 500 Dollar pro Kilogramm Nutzlast sinken. Dieser Preis ist vorerst jedoch unerreichbar.

Die Zukunft der KI

Weltraum-Rechenzentren sind nicht nur eine technologische Kuriosität. Ihre Umsetzung könnte die Zukunft der KI-Infrastruktur erheblich beeinflussen. Es handelt sich nämlich um eine der wenigen Möglichkeiten, die Rechenleistung zu erhöhen, ohne die Energienetze und die Umwelt zusätzlich zu belasten. Es scheint, als habe das Rennen um Weltraum-Rechenzentren höchstwahrscheinlich bereits begonnen.

Quelle: TechCrunch, GeekWire, Introl, CNBC, NVIDIA Newsroom

Kategorie:KI
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