Nach dem Besuch der Wasserfälle machten wir uns auf den Weg in das Dorf Bang Wan im Bezirk Khura Buri in der Provinz Phang Nga. Im Voraus wusste ich nicht genau, was uns erwartete – ich wusste nur, dass wir unser Mittagessen selbst kochen und eine örtliche Gebäckmanufaktur besuchen sollten. Am Ende wurde daraus eines der authentischsten Erlebnisse des gesamten Urlaubs.
Wir kochen unser Mittagessen aus lokalen Zutaten
Das Dorf empfing uns mit einem offenen Unterstand mit Strohdach direkt am Fluss. Rustikale Holzbänke, bunte Tischdecken mit thailändischen Mustern und Bananenblätter statt Platzsets auf dem Tisch. Kein Restaurant, keine Speisekarte – einfach ein Ort, an dem die Einheimischen ihr Essen zubereiten.
Unsere Aufgabe bestand darin, unser eigenes Mittagessen zu kochen. Auf dem Tisch wartete bereits eine blaue Schale mit Fächern voller sorgfältig vorbereiteter Zutaten auf uns – geschnittener Lauch, Tomaten, geriebene Karotten, kleine rote Chilischoten, Knoblauch, Zwiebeln und etwas, das mich am meisten faszinierte: leuchtend violette Blüten. Es waren Blüten der Blauen Klitorie, auf Thailändisch Anchan, die in Thailand häufig in der Küche und für Getränke verwendet werden. Sie haben eine wunderschöne blauviolette Farbe und werden Reis, Tee oder eben Omeletts hinzugefügt, denen sie nicht nur Farbe, sondern auch einen milden, kräuterartigen Geschmack verleihen.
Wir gaben alle Zutaten in eine Schüssel mit verquirlten Eiern, vermischten sie und die einheimischen Köche bereiteten daraus ein hervorragendes thailändisches Omelett zu. Es klingt einfach, aber der Geschmack war völlig anders als alles, was ich von zu Hause kenne – frische Zutaten direkt aus den Gärten der Einheimischen machen einfach einen gewaltigen Unterschied.







Was wir außerdem zum Mittagessen bekamen
Zum Omelett wurden uns weitere Gerichte serviert, die eine Erwähnung verdienen.
Auf dem Tisch erschien gelbes Curry mit Hähnchenfleisch und Kartoffeln – das klassische Gaeng Kari, eines der mildesten thailändischen Currys, das von der indischen Küche beeinflusst ist. Der Geschmack ist cremig, dank der Kokosmilch leicht süß und angenehm mit Kurkuma gewürzt. Ideal auch für alle, die kein scharfes Essen mögen.
Als Nächstes gab es gebratenen Kürbis mit Ei – ein einfaches, aber typisch thailändisches Gericht, bei dem Kürbisscheiben zusammen mit verquirltem Ei kurz und scharf im Wok angebraten werden. In Thailand ist Kürbis eine unglaublich beliebte Zutat und praktisch überall zu finden.
Dann kamen frittierte Garnelen mit Basilikum und Papayasalat an die Reihe – Garnelen in knusprigem Teigmantel mit frischen Blättern thailändischen Basilikums, serviert mit klassischem Som Tam, also einem Salat aus grüner Papaya. Dazu gab es Suppe mit Fleischbällchen, Karotten und Rettich – leicht, klar und erfrischend.
Zum Nachtisch brachte man uns Kluay Buat Chi – wörtlich übersetzt „Banane, die ins Kloster eingetreten ist“. Es ist eines der bekanntesten thailändischen Desserts: in Kokosmilch gekochte Bananen mit etwas Zucker und einer Prise Salz. Der Geschmack ist mild, cremig und leicht süß. Der Name ist witzig – er bezieht sich auf die weiße Farbe der Kokosmilch, die an das weiße Gewand buddhistischer Nonnen erinnert.
Das gesamte Mittagessen war fantastisch und vor allem authentisch – keine Touristenkarte, sondern echtes Essen, wie es die Einheimischen zu Hause zubereiten.




Die örtliche Toilette oder Kulturschock Nummer zwei
Nach dem Mittagessen besuchte ich die örtliche Toilette und ehrlich gesagt ist sie eine Erwähnung wert. Es war eine Art „Kabine“ – Blechwände, ein kleines Strohdach und darin eine klassische Toilette, allerdings ohne Spülmechanismus. Stattdessen standen daneben ein Eimer mit Wasser und eine Schöpfkelle, mit der man nach der Benutzung von Hand spülte.
Das ist nichts Ungewöhnliches – wir begegneten dem praktisch in ganz Thailand, auf Märkten, in kleineren Restaurants und in Dörfern. Es gehört einfach zum Leben der Einheimischen und man gewöhnt sich schnell daran. Vielleicht klingt es banal, aber gerade solche Details zeigen einem, wie sehr sich der Alltag in Thailand von dem unterscheidet, was wir aus Europa gewohnt sind.



Aber die Aussicht ist toll, oder? :))
Kokosnussvorführung am Fluss
Nach dem Mittagessen folgte eine Vorführung der Kokosnussverarbeitung. Zunächst wurde uns gezeigt, wie die äußere faserige Schicht entfernt wird – das erfordert ziemlich viel Kraft und Geschick. Danach kam die Machete zum Einsatz: Mit einem einzigen präzisen Hieb wurde die Kokosnuss halbiert und das frische Kokoswasser in Plastikbecher gegossen.
Die Kokospalme ist in Thailand buchstäblich der Baum des Lebens. Die Einheimischen verwerten wirklich alles von ihr – das Kokoswasser trinken sie als erfrischendes Getränk, Kokosmilch bildet die Grundlage der meisten thailändischen Currys und Suppen, das Fruchtfleisch wird Desserts hinzugefügt, das Öl wird zum Kochen und in der Kosmetik verwendet und aus den Fasern der äußeren Schale werden Matten, Seile und Bürsten hergestellt. Sogar die Blätter dienen als Dacheindeckung oder als Material zur Herstellung von Körben. Rund um den See im Dorf wuchsen Dutzende davon.
Neben den Kokospalmen sahen wir uns auch Bananenstauden und weitere tropische Pflanzen an. Und genau hier fiel mir endlich der Name jener auffälligen roten Blüten ein, die wir überall gesehen hatten – Hibiskus. In Thailand wächst er praktisch an jeder Ecke und neben seiner dekorativen Funktion wird daraus auch der beliebte Hibiskustee zubereitet, der kräftig rot, leicht säuerlich ist und meist kalt mit Eis serviert wird. Genau diesen bekamen wir zum Abschluss des gesamten Ausflugs.









Schleuderschießen auf dem Steg
Vom See gingen wir zu einem Holzsteg. Und hier wartete eine überraschende Attraktion auf uns – das Schießen mit einer Schleuder. Ein einfacher Zeitvertreib, aber unglaublich fesselnd. Meine kleine Tochter Leja hatte so viel Spaß daran, dass ihr ein einheimischer Herr eine Schleuder schenkte. Sie war begeistert und die Schleuder wurde zu einem der wertvollsten Souvenirs des gesamten Urlaubs.
Vom Steg gingen wir anschließend zu Fuß zu einer örtlichen Gebäckmanufaktur, die nur ein kurzes Stück vom See entfernt lag.







Gebäckmanufaktur Kanom Ban Tawan
Das Dorf Bang Wan ist für die Herstellung des traditionellen thailändischen Gebäcks Kanom Pia (ขนมเปี๊ยะ) bekannt. Es handelt sich um ein Gebäck chinesischen Ursprungs, das mit chinesischen Einwanderern nach Thailand gelangte und im Laufe der Jahrhunderte zu einem festen Bestandteil der thailändischen kulinarischen Tradition wurde. Kanom Pia hat einen dünnen, blättrigen Teig aus Weizenmehl und Schmalz und wird meist mit süßer Mungobohnenpaste, Taro, gesalzenem Enteneigelb oder einer Nussmischung gefüllt. In Thailand wird es traditionell bei Festen, Verlobungen und Hochzeiten verteilt und dient auch als Opfergabe für die Ahnen.
Die Manufaktur Kanom Ban Tawan (ขนมบ้านตะวัน) ist ein kleiner Familienbetrieb mit OTOP-Zertifizierung – dabei handelt es sich um das thailändische Regierungsprogramm „One Tambon One Product“ (ein Bezirk, ein Produkt), das lokale Handwerker und die traditionelle Herstellung im ganzen Land unterstützt. Das Programm besteht seit 2001 und hilft kleinen Herstellern, ihre Produkte auf einen größeren Markt zu bringen.
Meine Tochter durfte auch die Herstellung des Gebäcks selbst ausprobieren, was für sie ein großartiges Erlebnis war. Das Gebäck wird auf Blechen in Gasöfen gebacken und der gesamte Prozess ist überraschend stark von Handarbeit geprägt – von der Teigzubereitung über das Füllen bis hin zum Formen.
Was mich jedoch am meisten faszinierte, waren die hygienischen Bedingungen. Der Boden der Manufaktur war mit auseinandergefalteten Kartons ausgelegt, überall standen Geschirrstapel, alte mechanische Geräte und Kabel herum. An der Wand hing ein buddhistischer Hausaltar mit dem Foto eines Mönchs und einer Ganesha-Statue – ein typischer Bestandteil thailändischer Haushalte und Werkstätten, der Glück bringen und das Geschäft schützen soll. Ehrlich gesagt glaube ich, dass das bei uns eine Hygienekontrolle wohl kaum bestanden hätte. Aber das Gebäck war hervorragend – knusprig, duftend und frisch direkt aus dem Ofen.














Hibiskustee zum Abschied
Ganz zum Abschluss des Ausflugs bekamen wir hausgemachten Hibiskustee – wunderschön rot, leicht säuerlich und erfrischend. Hibiskus, auf Thailändisch Dok Krachiap (ดอกกระเจี๊ยบ), ist in Thailand unglaublich beliebt. Die getrockneten Blüten werden mit heißem Wasser übergossen und das daraus entstehende Getränk ist reich an Vitamin C und Antioxidantien. Die Einheimischen trinken es sowohl heiß als auch kalt und süßen es häufig mit Honig oder Rohrzucker.
Mit einem Becher Tee in der Hand stiegen wir wieder in den Minibus und fuhren zurück zum Hotel. Es war Nachmittag, die Sonne brannte und nach all dem Kochen, Schleuderschießen und der Besichtigung des Dorfes waren wir angenehm müde.

Dieser Ausflug zeigte mir einen Teil des thailändischen Lebens, den man von einer Hotelanlage aus niemals sehen würde. Wie die Einheimischen kochen, was sie essen, wie sie leben und vor allem – wie sehr sich ihre alltägliche Realität von dem unterscheidet, was wir aus Europa kennen. Und dennoch herrschen bei all dem Ruhe, Gelassenheit und jenes Lächeln, das für die Thailänder so typisch ist.




