OpenAI gab bekannt, dass das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von 110 Milliarden Dollar abgeschlossen hat. Eine so große Zahl, dass das Gehirn sie kaum richtig erfassen kann. Zum Vergleich: Mehr als 118 Länder der Welt haben ein niedrigeres jährliches Bruttoinlandsprodukt. Und dieses Geld geht an ein einziges Unternehmen.
Dabei feierte OpenAI noch vor einem Jahr mit 40 Milliarden von SoftBank einen Rekord. Jetzt ist es mehr als doppelt so viel. Wer steckt dahinter? Amazon steuerte 50 Milliarden bei, Nvidia und SoftBank jeweils 30 Milliarden. Der Gesamtwert von OpenAI belief sich vor Abschluss der Runde auf 730 Milliarden Dollar, danach auf über 840 Milliarden.
Spekulationen über die gewaltige Finanzierungsrunde kursieren seit Dezember 2025. Damals begann OpenAI mit potenziellen Investoren zu verhandeln, und die Zahlen, die an die Medien durchsickerten, wirkten beinahe unglaublich. Letztlich wurden sie jedoch bestätigt. Und übertrafen sogar die Erwartungen. Sam Altman, der Chef von OpenAI, kommentierte dies mit der für ihn typischen Gelassenheit: „Künstliche Intelligenz wird sich überall durchsetzen. Sie wird die gesamte Wirtschaft transformieren, und die Welt benötigt eine enorme Rechenleistung, um die Nachfrage zu decken.“ Dem lässt sich nur schwer widersprechen, wenn das Unternehmen über 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer und mehr als 50 Millionen zahlende Kunden meldet. Januar und Februar 2026 sind dabei auf dem besten Weg, die historisch stärksten Monate bei den Neuabonnenten zu werden.
Amazon: der neue Hauptpartner
Der größte Teil der Investition kam von Amazon. Doch es geht nicht nur um Geld. Amazon Web Services wurde zum exklusiven externen Cloud-Dienstleister für die OpenAI-Frontier-Plattform, die es Unternehmen ermöglicht, Teams aus KI-Agenten aufzubauen und einzusetzen.
Die ursprüngliche Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmen hatte einen Wert von 38 Milliarden Dollar. Nun erweitern sie sie um weitere 100 Milliarden für die kommenden acht Jahre. Teil der Zusammenarbeit sind auch die Entwicklung eigener Modelle für Kundenanwendungen von Amazon sowie der Zugang zu 2 Gigawatt Rechenleistung über Trainium-Chips, einschließlich des geplanten Trainium4.
Die 50 Milliarden von Amazon werden in zwei Teilen bereitgestellt: 15 Milliarden sofort, die verbleibenden 35 Milliarden nach Erfüllung bestimmter Bedingungen. Welche Bedingungen? Die Unternehmen machten dazu keine näheren Angaben, doch es wird spekuliert, dass sie an den Börsengang von OpenAI oder das Erreichen einer sogenannten allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI) geknüpft sein könnten.
Investitionen von Nvidia und SoftBank
Nvidia investierte 30 Milliarden und sicherte OpenAI zugleich den Zugang zu 3 Gigawatt dedizierter Rechenleistung für Inferenz und 2 Gigawatt für das Training auf den neuen Vera-Rubin-Systemen. Das bedeutet direkten Zugang zur modernsten Hardware der Welt.
SoftBank, das OpenAI bereits in der letztjährigen Rekordrunde unterstützt hatte, steuerte weitere 30 Milliarden bei. Nach Abschluss dieser Runde hält SoftBank eine Beteiligung an OpenAI im Wert von etwa 64,6 Milliarden Dollar, was rund 13 Prozent des Unternehmens entspricht. Damit gehört der japanische Mischkonzern zu den größten Einzelaktionären.
Was passiert mit Microsoft?
Die logische Frage: Was sagt Microsoft dazu, das OpenAI seit 2019 finanziert und bislang dessen engster Partner war? Beide Unternehmen veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie versichern, dass ihre Beziehung „stark und von zentraler Bedeutung“ bleibt. Azure hostet weiterhin die zustandslosen APIs von OpenAI, und Microsoft behält die exklusiven Lizenzen für die Modelle und Produkte des Unternehmens.
Mit anderen Worten: Microsoft verliert seine Position nicht, doch Amazon spielt nun in einer anderen Liga. Es hat sich die Exklusivität für die Frontier-Plattform gesichert und wird zum wichtigsten Cloud-Partner für neue Produkte. Diese Neuordnung der Kräfteverhältnisse ist möglicherweise der interessanteste Teil der gesamten Geschichte.
Ein Rekord nach dem anderen fällt
Betrachten wir die Zahlen im Kontext. Noch im Februar 2026 kündigte Anthropic, ein direkter Konkurrent von OpenAI, eine Investition von 30 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 380 Milliarden an. Das war damals der zweitgrößte Deal in der Geschichte des Risikokapitals. Jetzt liegt er auf Platz drei. Den zweiten Platz belegt die letztjährige OpenAI-Runde über 40 Milliarden. Und der erste? Genau diese Runde mit 110 Milliarden.
OpenAI plant, bis 2030 mehr als 600 Milliarden Dollar für Recheninfrastruktur auszugeben, und erwartet jährliche Einnahmen von über 280 Milliarden Dollar, wobei das Privatkunden- und das Geschäftskundensegment ungefähr zu gleichen Teilen beitragen sollen.
Die Zahlen sind schwindelerregend. Und dennoch scheint das Rennen gerade erst begonnen zu haben. Anthropic, Google Gemini, xAI von Elon Musk – sie alle machen Druck. OpenAI setzt darauf, dass derjenige, der die Infrastruktur kontrolliert, auch die Zukunft kontrolliert. Ob das Unternehmen damit recht hat, wird die Zeit zeigen.
Quellen: cnbc.com und crunchbase.com



