Wenn man Lidl hört, denken die meisten Menschen an lange Gänge mit Regalen und Lebensmitteln. Doch die Schwarz Gruppe, zu der die Handelsketten Lidl und Kaufland gehören, verfolgt inzwischen ganz andere Pläne. Ihr Gründer Dieter Schwarz, einer der reichsten Männer Deutschlands, investiert Milliarden Euro in die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Und sein Ziel? In der digitalen Welt unabhängig von den USA und China zu werden.
Vom Lebensmittelhandel zur künstlichen Intelligenz
Europa versucht, den technologischen Vorsprung der USA und Chinas zu verringern. Genau das hat sich die Initiative der Schwarz Gruppe nun zur Aufgabe gemacht. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg begann die Gruppe bereits 2017 mit dem Betrieb eines eigenen Cloud-Dienstes namens STACKIT. Einer der Gründe dafür war, dass amerikanische Anbieter ihr nicht genau garantieren konnten, wo die Daten der Gruppe gespeichert werden.
Schließlich entwickelte sich das Nebenprojekt zu der vollwertigen Sparte Schwarz Digits, die laut Business Insider im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro erzielte.
Riesiges Rechenzentrum: 100.000 Chips für Europas KI
Der Wendepunkt kam im Juli 2025, als die Schwarz Gruppe der deutschen Regierung anbot, den Bau einer der sogenannten KI-Gigafabriken, also eines riesigen Rechenzentrums, zu übernehmen. Die Entwicklung dieser Zentren wird von der Europäischen Union durch einen Fonds in Höhe von 20 Milliarden Euro unterstützt. Von klassischen Rechenzentren unterscheidet sich eine Gigafabrik dadurch, dass sich auf dem Gelände mindestens 100.000 hochmoderne Chips befinden, die zur Entwicklung und zum Training großer KI-Modelle dienen.
Bereits im vergangenen Jahr legte die Gruppe jedoch den Grundstein für ein eigenes Rechenzentrum im brandenburgischen Lübbenau. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 11 Milliarden Euro und ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Gruppe.
Deutsche Telekom als starker Verbündeter
Die Schwarz Gruppe arbeitet außerdem mit der Deutschen Telekom zusammen, und genau diese Partnerschaft soll für Deutschland von entscheidender Bedeutung sein. Beide Unternehmen bemühen sich um europäische Unterstützung beim Bau einer KI-Gigafabrik, und als möglicher Finanzierungspartner wird der kanadische Investor Brookfield genannt.
Auch die Deutsche Telekom ist im Bereich der künstlichen Intelligenz kein Neuling. Gemeinsam mit Nvidia baut sie ein eigenes KI-Rechenzentrum, das mit 10.000 Grafikchips ausgestattet ist. Das Projekt soll eine Milliarde Euro kosten. Auch Frankreich hat den Weg zu mehr Unabhängigkeit im Bereich der künstlichen Intelligenz eingeschlagen und will Dutzende Milliarden Euro in künstliche Intelligenz investieren.
Wer setzt sich durch?
Die USA und China dominieren bislang unangefochten die Welt der künstlichen Intelligenz. Wenn Europa sich nicht rechtzeitig an dieser technologischen Revolution beteiligt, droht es zu einer bloßen digitalen Kolonie zu werden. Die Vision von Dieter Schwarz ist daher im Grunde einfach. Er möchte, dass europäische Daten in Europa bleiben und der Kontinent bei der Entwicklung der Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts nicht nur Zuschauer ist. Und bislang sieht es so aus, als könnten die wachsenden Kapazitäten dazu beitragen, die Kluft zwischen Europa und den führenden Mächten im Bereich der KI zu verkleinern.
Quellen: Cybernews, Business Insider, fDi intelligence, Seznam Zprávy



