Die Hollywood-Akademie hat bei der Preisvergabe einen radikalen Schnitt vollzogen. In den neuen Regeln für die 99. Verleihung gibt es eine entscheidende Änderung: Wenn Sie ein KI-Schauspieler sind oder das Drehbuch für Ihren Film von einem Chatbot generieren ließen, haben Sie keinen Anspruch auf die goldene Statuette. Warum genau kam es zu diesen Änderungen und warum gerade jetzt?
Was besagen die neuen Regeln?
Die US-amerikanische Academy of Motion Picture Arts and Sciences entschied sich am 2. Mai 2026 zu diesem radikalen Schritt und veröffentlichte aktualisierte Regeln für die Preisvergabe. Diese betreffen zwei zentrale Kategorien: Schauspiel und Drehbücher. Eine schauspielerische Leistung muss daher seit Mai dieses Jahres nachweislich von einem Menschen und mit dessen Zustimmung erbracht worden sein. Ähnliches gilt für Drehbücher, die nachweislich von einem Menschen und nicht von künstlicher Intelligenz verfasst worden sein müssen.
Darüber hinaus müssen Produzenten ein sogenanntes Affidavit of Human Origin unterzeichnen, also eine eidesstattliche Erklärung über den menschlichen Ursprung des Werks, andernfalls droht die Disqualifikation. Die Akademie kann zudem detailliertere Informationen über eine anderweitige Nutzung von KI anfordern. Es handelt sich also nicht einfach um „irgendeine neue Regel“, sondern um eine echte vertragliche Verpflichtung mit realen Konsequenzen.
Warum kam es dazu?
Dass die Regeländerungen gerade jetzt kommen, ist kein Zufall. Hollywood sieht sich in letzter Zeit nämlich mit immer mehr Fällen konfrontiert, in denen KI nicht mehr nur als Hilfsmittel dient. Vielmehr übernimmt sie eine konkretere kreative Rolle und wirft völlig neue ethische Fragen auf.
Ein gutes Beispiel dafür ist der neue Film As Deep as the Grave, in dessen Trailer eine KI-Version des verstorbenen Schauspielers Val Kilmer in der Hauptrolle zu sehen war. Die Figur erscheint zwar mit Zustimmung der Tochter des Schauspielers im Film, dennoch handelt es sich um einen digitalen Darsteller. Eine ähnliche Debatte löste auch die von künstlicher Intelligenz erschaffene Schauspielerin Tilly Norwood aus, die auf Instagram voller Freude schrieb, dass sie es kaum erwarten könne, zu den Oscars zu gehen. Mit den neuen Regeln ist das jedoch ausgeschlossen.
Die Änderungen der Regeln für die Preisvergabe knüpfen außerdem an die Ergebnisse der Streiks der Drehbuchautoren und Schauspieler im Jahr 2023 an, bei denen sich die Gewerkschaften gegen den Einsatz von KI zur Wehr setzten. Die neuen Bestimmungen bestätigen somit, was die Gewerkschaften erkämpft haben, und weiten den Schutz auch auf die Preisvergabe selbst aus.
KI ja, aber nur in bestimmten Bereichen
Wichtig ist, dass die Akademie künstliche Intelligenz nicht vollständig verboten hat. Wenn KI bei visuellen Effekten, beim Schnitt oder beim Ton eingesetzt wird, können solche Werke problemlos für einen Oscar nominiert werden. Entscheidend ist jedoch, dass KI lediglich ein Werkzeug in den Händen des Menschen bleibt und nicht selbst zum Urheber wird. Einfach ausgedrückt wird ein Werk danach beurteilt, inwieweit der Mensch im Zentrum der kreativen Urheberschaft stand.
Ein schmaler Grat
Dank konkreter Fälle konnten die Regeln für die Preisvergabe im Jahr 2027 relativ klar festgelegt werden. Es bleibt jedoch die Frage, wie sie in der Praxis funktionieren werden. Die Grenze zwischen KI als Werkzeug und KI als Urheber zu überprüfen und zu beurteilen, ist nämlich nicht immer einfach. Dennoch handelt es sich zweifellos um einen Meilenstein in der Welt der generativen KI und für die Frage, wie sie künftig in verschiedene Lebensbereiche vordringen wird.
Quelle: BBC, Hypebeast, NPR, The Next Web



