Einmal – noch zu der Zeit, als ich in Atlanta lebte – überlegte ich, wohin ich in den Smoky Mountains fahren sollte. Dort gibt es so viele Orte, an denen ich noch nicht gewesen war, dass ich damit problemlos mehrere Monate im Voraus hätte verplanen können. Diesmal wollte ich jedoch etwas Bestimmtes.
Ich suchte im Internet nach hiking trails (Wanderwegen), und eines der wichtigsten Kriterien war klar: eine Panoramaaussicht. Ich liebe Bergkämme, Aussichtspunkte und dieses Gefühl, wenn man die Landschaft in alle Richtungen ausgebreitet sieht. Schließlich fiel die Wahl auf den Clingmans Dome.
Vor Ort habe ich auch ein Video aufgenommen, das am Ende des Artikels zu sehen ist.
Morgendliche Abfahrt aus Atlanta und erste Veränderungen der Landschaft
Der Clingmans Dome liegt an der Grenze zwischen den Bundesstaaten North Carolina und Tennessee (ja, ich übersetze diese Namen nur ungern 😄).
Von Atlanta aus sind es ungefähr 3 Stunden Fahrt – etwa so weit wie von Brünn nach Prag, nur mit einem etwas anderen Benzinpreis.
Ich fuhr gegen sechs Uhr morgens los, also gab es keinen Verkehr und die Straßen waren fast leer. Georgia ist rund um Atlanta im Grunde eine einzige große flache Ebene – flach, flach und nochmals flach. Das änderte sich jedoch schlagartig, nachdem ich die Grenze zu North Carolina überquert hatte. Die Straße begann sich zu winden, das Auto stieg immer höher hinauf und die Landschaft bekam eine völlig neue Dimension.
Die Navigation funktionierte problemlos – ich musste nur „Clingmans Dome“ in Google Maps eingeben, und sie brachte mich direkt bis zum Parkplatz.
Das Einzige, was verschwand, war der Empfang. Mein Anbieter AT&T hatte absolut keine Chance. Sogar das UKW-Radio und selbst der Satellitenempfang fielen aus.
Ich fühlte mich ein wenig wie im Film Wrong Turn – überall nur Wald, keine Verbindung zur Außenwelt und im Kopf die Frage, wann der erste „Killer“ aus dem Gebüsch auftauchen würde 😄.
Willkommen in den Great Smoky Mountains
Nach ungefähr einer Stunde Fahrt begrüßte mich ein riesiges Schild mit der Aufschrift „Willkommen in den Great Smoky Mountains“. In diesem Moment wusste ich zwei Dinge:
1️⃣ Ich bin richtig
2️⃣ Ich bin definitiv nicht zum letzten Mal hier

Der Great Smoky Mountains National Park ist übrigens der meistbesuchte Nationalpark der USA. Der Name „Smoky“ ist kein Zufall – der neblige Dunst entsteht durch die Feuchtigkeit und die ätherischen Öle, die von den örtlichen Wäldern freigesetzt werden.
Überall ringsum flossen Bäche, genau wie in Filmen über Goldgräber, die im Wasser nach Gold schürfen. Die Atmosphäre war großartig, und allein die Fahrt war es schon wert.
Parkplatz, Nebel und Aufstieg zum Aussichtspunkt
Das GPS führte mich bis zum Parkplatz. Unterwegs gab es kleinere Rastplätze mit Panoramablick auf die Umgebung sowie ein Besucherzentrum, in dem man Karten und grundlegende Informationen über den Park erhalten kann.







Ich hatte es allerdings etwas eilig. Am Morgen hatte ich das Wetter überprüft, und für den Nachmittag waren Gewitter vorhergesagt, daher blieb nicht viel Zeit.
Ich kam gegen neun Uhr morgens am Parkplatz an, und schon zu dieser Zeit war er fast voll.
Ich parkte, fotografierte die umliegenden Berge und machte mich auf dem asphaltierten, aber ziemlich steilen Weg hinauf zum Aussichtspunkt. Der Weg führte stellenweise durch dichten Nebel, hin und wieder kam ich ganz schön ins Schwitzen, und oben sah es so aus, als stünde das Gewitter buchstäblich „vor der Tür“.
Wegen des Nebels war von der Panoramaaussicht nicht viel zu sehen, aber trotzdem hatte es seinen Reiz. Der dichte Nebel zwischen den Bergen schuf eine völlig andere, beinahe geheimnisvolle Atmosphäre.











Appalachian Trail – die Enttäuschung war verflogen
Auf dem Weg nach unten stieß ich auf den legendären Appalachian Trail. Dieser Wanderweg ist über 3.500 Kilometer lang und führt von Georgia bis in den Bundesstaat Maine.
Und hier war die ganze Enttäuschung über die Aussicht sofort verflogen.
Schmale, steinige Pfade entlang der Bergkämme, wunderbar gepflegt, Ruhe, Stille und gelegentlich atemberaubende Ausblicke in die nähere und weitere Umgebung. Faszinierend war, wie sich die Natur innerhalb weniger hundert Meter veränderte – erst Nadelbäume, dann Laubbäume, andere Sträucher, andere Pflanzen.
Das waren genau die Smoky Mountains, derentwegen man hierherkommt.









Cherokee, Indianer und Bären
Nach meiner Rückkehr zum Parkplatz fuhr ich hinunter in die Indianerstadt Cherokee, die unter anderem für ihr großes Casino bekannt ist. Menschen aus Atlanta kommen ziemlich häufig hierher.
Auf dem Weg nach unten leuchtete jedoch die rote Motorwarnleuchte auf – zu wenig Kühlmittel. Ohne Empfang, mitten in den Bergen … nicht gerade angenehm. Zum Glück stellte sich heraus, dass schon seit längerer Zeit zu wenig Wasser vorhanden war und der Sensor erst bei einer starken Neigung des Autos reagiert hatte. Ich füllte zwei Halbliterflaschen Trinkwasser nach, startete den Motor … und puh, es konnte weitergehen.
Ich hatte Glück im Unglück und stieß auf einen wirklich schönen Rastplatz:


In Cherokee fiel mir ein Schild auf:
„Cherokee Zoo – Foto mit einem Bärenbaby“
Nun ja … ich konnte nicht widerstehen 😄
Am Eingang bekam ich Futter für die Bären, die offensichtlich trainiert waren – sie konnten sich auf die Hinterbeine stellen und „betteln“, allerdings nur, wenn sie sahen, dass man etwas Leckeres hatte. Auf ein Foto mit dem Jungtier verzichtete ich jedoch, 20 Dollar erschienen mir unnötig.













Was lässt sich abschließend über diesen großartigen Tag in den Smoky Mountains sagen?
Das Casino, für das der Ort bekannt ist, habe ich letztlich nicht einmal gesehen – ich erinnerte mich erst nach der Abfahrt daran. Glücksspiel interessiert mich ohnehin nicht besonders, also keine Tragödie.
Das Gewitter kam schließlich genau in dem Moment, als ich den Park verließ. Das Timing war perfekt.
Am Abend kam ich zu Hause an, fiel ins Bett und schlief sofort ein.
Es war ein wunderschöner Tagesausflug, und ich kann die Smoky Mountains allen empfehlen, die Berge, Wälder und Ruhe mögen.
Und falls ihr bis hierher gelesen habt – danke 🙂 Unten findet ihr das versprochene Video vom Ausflug.


