Wikipedia verbietet künstliche Intelligenz: Freiwillige Redakteure stimmten mit 40:2 gegen KI

Wikipedia verbietet künstliche Intelligenz: Freiwillige Redakteure stimmten mit 40:2 gegen KI

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
30. 3. 2026
3 Minuten Lesezeit
Wikipedia verbietet künstliche Intelligenz: Freiwillige Redakteure stimmten mit 40:2 gegen KI

    Es war nur eine Frage der Zeit. Wikipedia, die riesige, von Freiwilligen erstellte Enzyklopädie mit mehr als 7,1 Millionen Artikeln in der englischen Version, hat den Einsatz künstlicher Intelligenz beim Verfassen und Umschreiben von Artikeln offiziell verboten. Die Entscheidung fiel Ende März.

    Das Problem mit KI-Inhalten auf Wikipedia war nichts Neues. Redakteure bemerkten bereits vor Jahren verdächtige Artikel. Ilyas Lebleu, ein ehrenamtlicher Redakteur aus Frankreich und Gründungsmitglied der Gruppe WikiProject AI Cleanup, beschrieb es mit den Worten: „Uns fielen immer mehr Artikel auf, die in einem Stil geschrieben waren, den wir auf Wikipedia normalerweise nicht sehen.“

    Die Community reagierte schrittweise. Zunächst wurden interne Richtlinien dazu erstellt, wie sich KI-Inhalte erkennen lassen. Die Redakteure lernten, nach typischen Merkmalen zu suchen: erfundene Zitate, nicht funktionierende Links, überladene Formulierungen und plötzliche Stilwechsel. Dann wurde die Möglichkeit eingeführt, verdächtige Artikel schnell zu löschen. Doch auch das reichte nicht aus. „In den vergangenen Monaten drehten sich immer mehr administrative Meldungen um Probleme mit Sprachmodellen, und die Redakteure waren überlastet“, sagte Lebleu gegenüber 404 Media.

    Abstimmung über das KI-Verbot

    Der Vorschlag für das Verbot wurde von Lebleu selbst eingebracht, der auf Wikipedia unter dem Benutzernamen Chaotic Enby auftritt. Die Abstimmung fand am 20. März statt, und das Ergebnis war eindeutig. Vierzig Stimmen dafür, zwei dagegen. Die neuen Regeln wurden anschließend in die offiziellen Richtlinien von Wikipedia aufgenommen.

    Die neue Regelung ist eindeutig: „Von großen Sprachmodellen (LLM) generierter Text verstößt häufig gegen mehrere grundlegende Inhaltsrichtlinien von Wikipedia. Aus diesem Grund ist die Verwendung von LLM zur Erstellung oder Umschreibung von Artikelinhalten verboten.“ Die Hauptgründe? Ungenauigkeiten, erfundene Informationen und Verstöße gegen die Grundsätze der Überprüfbarkeit und Neutralität. Chatbots halluzinieren schlichtweg. Und bei einer Enzyklopädie, in der jede Behauptung durch eine Quelle belegt sein muss, ist das ein fatales Problem.

    Die zwei verbliebenen Ausnahmen

    Das Verbot gilt nicht uneingeschränkt. Wikipedia lässt künstlicher Intelligenz zwei Hintertüren offen.

    Erstens dürfen Redakteure KI nutzen, um kleinere sprachliche Korrekturen an ihren eigenen Texten vorzuschlagen, allerdings nur, wenn das Modell keine neuen Inhalte hinzufügt und jede Änderung von einem Menschen überprüft wird. Die neuen Regeln warnen dabei: „Vorsicht ist geboten, da Sprachmodelle über das hinausgehen können, was von ihnen verlangt wird, und die Bedeutung des Textes so verändern können, dass sie nicht mehr durch die zitierten Quellen gestützt wird.“

    Zweitens kann KI bei der Übersetzung von Artikeln aus anderen Sprachversionen der Wikipedia in die eigene Sprache helfen. Doch auch hier gilt eine Bedingung: Der Redakteur muss beide Sprachen so gut beherrschen, dass er die Übersetzung selbst überprüfen kann.

    Die Ironie der ganzen Geschichte

    Die ganze Geschichte hat eine bittere Pointe. Wikipedia hat wahrscheinlich beim Training genau jener Sprachmodelle geholfen, die nun ihre Existenz bedrohen. Millionen von Artikeln, die Freiwillige über Jahre hinweg verfasst haben, wurden zur Grundlage für ChatGPT und ähnliche Werkzeuge. Und das Ergebnis? ChatGPT überholte Wikipedia im vergangenen Jahr bei der Zahl der monatlichen Besuche. Die Besucherzahlen von Wikipedia sanken Ende 2025 gegenüber 2024 um 8 %. Gründer Jimmy Wales bezeichnete dies als „Chaos“ und warnte im vergangenen Jahr, dass die aktuellen Modelle aus Sicht von Wikipedia „noch lange nicht gut genug“ seien.

    Lebleu sieht in dieser Entscheidung mehr als nur eine interne Regel einer einzelnen Website. „Ich erwarte einen Dominoeffekt, der den Communities auf anderen Plattformen die Möglichkeit gibt, selbst zu entscheiden, ob sie KI zu ihren eigenen Bedingungen willkommen heißen“, sagte er.

    Man kann ihm Glauben schenken. Wenn selbst Wikipedia, die das gesamte Internet de facto mit aufgebaut hat, beschließt, Chatbots Einhalt zu gebieten, werden sich andere Plattformen das sicherlich nicht entgehen lassen.

    Weitere Quellen: cnet.com und theverge.com

    Kategorie:KI
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