OpenAI stoppt Entwicklung eines erotischen ChatGPT

OpenAI stoppt Entwicklung eines erotischen ChatGPT

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
30. 3. 2026
4 Minuten Lesezeit
OpenAI stoppt Entwicklung eines erotischen ChatGPT

Im vergangenen Oktober deutete Sam Altman, Chef von OpenAI, öffentlich an, dass ChatGPT eines Tages einen „Erwachsenenmodus“ für erotische Inhalte anbieten könnte. Die Idee war von Anfang an umstritten. Und jetzt, im März 2026, herrscht Klarheit: Das Projekt ist beendet. Auf unbestimmte Zeit, ohne Termin für eine Rückkehr. Was hat sich in diesen wenigen Monaten verändert?

Rasante Entwicklung der Ereignisse

Die Idee eines erotischen Chatbots löste sofort heftige Reaktionen aus. Technologie-Wächter schlugen Alarm, die Medien berichteten über die Risiken, und innerhalb von OpenAI selbst brodelte es. Mitarbeiter stellten sich gegen das Projekt, Investoren äußerten Bedenken hinsichtlich der gesellschaftlichen Auswirkungen sexualisierter, von künstlicher Intelligenz generierter Inhalte.

Dann kam es im Januar zu einem Treffen von Führungskräften des Unternehmens mit dem Beirat. Und dabei ging es ordentlich zur Sache. Einer der Berater soll davor gewarnt haben, dass OpenAI in Wirklichkeit einen „sexy Selbstmordcoach“ entwickle — also ein Werkzeug, das Erotik mit potenziell gefährlichen emotionalen Bindungen kombiniert. Das zitierte das Wall Street Journal, und nachdem diese Worte einmal gefallen waren, ließen sie sich kaum noch aus der Welt schaffen. Die Veröffentlichung der Funktion wurde verschoben. Einmal, ein zweites Mal, bis schließlich das endgültige Aus kam.

Das Ende der Experimente

Laut der Financial Times stoppte OpenAI das Projekt, weil das Unternehmen zunächst die langfristigen Auswirkungen sexuell expliziter Chats und emotionaler Bindungen auf die Nutzer gründlich untersuchen will. Das Problem ist, dass es bislang praktisch keine relevanten Studien gibt. Das Unternehmen räumte selbst ein, dass ihm keine „empirischen Belege“ vorliegen, auf die es eine Produktentscheidung stützen könnte.

Anders gesagt: Man wusste nicht, was man da eigentlich entwickelte. Und entschied sich, abzuwarten, bevor man es veröffentlicht. Ein Sprecher von OpenAI antwortete auf Anfragen von TechCrunch lapidar: Das Unternehmen „habe nichts hinzuzufügen“. Irgendwie war das zu erwarten.

Der erotische Chatbot war dabei nicht das einzige Projekt, das OpenAI in diesen Tagen über Bord warf. Nur wenige Tage zuvor beerdigte das Unternehmen still und leise Instant Checkout, eine Funktion, die ChatGPT in ein Einkaufsportal verwandeln sollte, über das Nutzer direkt Waren aus Onlineshops kaufen können.

Und dann kam die Nachricht, die vielleicht am meisten überraschte: OpenAI stellte Sora ein, seinen KI-Videogenerator. Die Plattform, die 2024 enorme Aufmerksamkeit erregt hatte, wurde mit der Begründung eingestellt, das Unternehmen wolle seine Forschungsprioritäten neu bewerten. Kritiker hatten schon lange darauf hingewiesen, dass Sora zur Flut von KI-„Müll“ im Internet beigetragen habe. Drei eingestellte Projekte innerhalb einer einzigen Woche.

Sam Altman sagte einst, ChatGPT könne eine „Super-App“ für alles sein. Einkaufen, Unterhaltung, Arbeit, Intimität. Eine große Vision. Doch die Praxis zeigte, dass der Versuch, alles gleichzeitig zu machen, selten eine gute Idee ist. OpenAI setzt jetzt auf Fokussierung. Weg mit dem Erotikmodus. Weg mit Sora. Weg mit dem Onlineshop-Bot. Übrig bleiben Werkzeuge für Unternehmen, Coding-Assistenten und die Integration in eine große Plattform.

Hinter allem steckt „Code Red“

Das Wall Street Journal berichtete vor einigen Wochen, OpenAI habe einen „großen strategischen Kurswechsel“ eingeleitet und wolle sich nur noch auf das Wesentliche konzentrieren: Unternehmenskunden und Entwickler. Und TechCrunch brachte es treffend auf den Punkt: Bei der Zukunft der KI geht es wahrscheinlich weniger um Pornos und Memes, dafür mehr um Geschäfte und Aufträge.

Hinter dieser Haltung steht konkreter Druck. Anthropic hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Werkzeugen für Programmierer und Unternehmen veröffentlicht und begonnen, OpenAI erfolgreich Kunden abzunehmen. OpenAI bekommt das zu spüren. Sam Altman rief im Dezember intern „Code Red“ aus, weil die Konkurrenz gefährlich nahe gerückt war.

OpenAI schloss unterdessen einen Vertrag über 200 Millionen Dollar mit dem US-Verteidigungsministerium, während Anthropic gegen das Pentagon vor Gericht zieht.

Ein weiteres Problem - der Schutz von Kindern

Eine Sache verdient bei all diesen Entwicklungen besondere Aufmerksamkeit. Als einer der Hauptgründe dafür, dass die Veröffentlichung des „Erwachsenenmodus“ verschoben und schließlich gestoppt wurde, wurde wiederholt das Risiko für Kinder genannt. Wie lässt sich verhindern, dass minderjährige Nutzer Zugang zu Inhalten für Erwachsene erhalten? OpenAI fand auf diese Frage keine zufriedenstellende Antwort. Das Unternehmen legte das Projekt lieber auf Eis, als seinen Ruf aufs Spiel zu setzen.

Dabei sind erotische KI-Anwendungen schon lange auf dem Markt und florieren. Character.AI, Replika und Dutzende weitere Plattformen tummeln sich ohne größere Skrupel in diesem Bereich. OpenAI hat offenbar beschlossen, dieses Feld anderen zu überlassen, zumindest solange das Unternehmen keine besseren Möglichkeiten zur Moderation von Inhalten hat.

Kategorie:KI
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