Anfang dieses Jahres startete OpenAI still und leise etwas, das viele als riskante Wette bezeichneten: Werbung direkt in ChatGPT für US-Nutzer des kostenlosen Tarifs und des günstigeren Go-Abonnements. Und jetzt liegen die ersten Zahlen vor.
In nur sechs Wochen überschritten die Werbeeinnahmen die Marke von 100 Millionen Dollar. Das teilte ein Unternehmenssprecher mit; zuerst berichtete The Information.
Wie funktioniert Werbung in ChatGPT?
Die Anzeigen werden unter der Antwort des Chatbots eingeblendet, sind klar gekennzeichnet und beeinflussen den Inhalt der Antworten in keiner Weise. OpenAI betont ausdrücklich, dass die Unterhaltungen der Nutzer nicht mit Werbetreibenden geteilt werden. Anzeigen werden weder Minderjährigen unter 18 Jahren noch bei sensiblen Themen wie Gesundheit oder Politik angezeigt. Bislang ist das System sehr vorsichtig ausgestaltet. Etwa 85 % der Nutzer können zwar Werbung sehen, doch täglich begegnet sie weniger als 20 % von ihnen. OpenAI hält die Werbung bewusst in Grenzen und sammelt vorerst Daten.
„Wir befinden uns in einer frühen Testphase, und unser Ziel ist es, zu lernen und das Nutzererlebnis zu verbessern, bevor wir das Programm ausweiten“, sagte ein Unternehmenssprecher. Und die bisherigen Ergebnisse sprechen für sich: eine geringe Ablehnungsquote bei Anzeigen, keine negativen Auswirkungen auf das Vertrauen der Nutzer und eine zunehmende Relevanz der angezeigten Inhalte.
An dem Pilotprojekt beteiligen sich mehr als 600 Werbetreibende. Interessant ist, wer unter ihnen überwiegt: Fast 80 % der kleinen und mittleren Unternehmen haben Interesse an Werbung in ChatGPT gezeigt. Das deutet darauf hin, dass OpenAI nicht nur auf die großen Budgets von Konzernen setzt. Andererseits sind die Voraussetzungen für die Teilnahme am Pilotprojekt nicht gerade günstig. Die Mindestverpflichtung eines Werbetreibenden beträgt 200.000 Dollar, und der Preis pro tausend Impressionen (CPM) liegt bei rund 60 Dollar. Das sind Premiumkonditionen. Dennoch unterzeichnen Unternehmen Verträge. Woran liegt das?
Die Antwort ist einfach: ChatGPT hat mehr als 800 Millionen wöchentlich aktive Nutzer. Das ist ein Publikum, über das keine andere KI-Plattform verfügt. Und die Werbetreibenden wissen das.
Die Klickrate hinkt hinterher
Doch es ist nicht alles rosig. Die Klickrate (CTR) zum Start der Werbung liegt bei 0,91 %. Bei Google Search sind es dagegen rund 6,4 %. Der Unterschied ist bislang enorm, auch wenn es sich scheinbar um kleine Zahlen handelt. Das zeigt, dass Werbung in einer dialogorientierten Umgebung anders funktioniert als in einer Suchmaschine. Menschen kommen mit einer konkreten Aufgabe zu ChatGPT und suchen eine Antwort, kein Angebot. Sie dazu zu bewegen, auf ein Banner unter der Antwort des Chatbots zu klicken, erfordert einen anderen Ansatz, ein anderes Format und eine andere kreative Gestaltung.
Einige Werbetreibende äußerten zudem Frustration über das langsame Tempo der Einführung. CNBC berichtete bereits im März, dass einige von ihnen länger als erwartet auf eine breitere Verfügbarkeit warten. OpenAI beharrt jedoch darauf, dass das langsame Tempo beabsichtigt sei.
Als OpenAI im Januar 2026 die Erprobung von Werbung ankündigte, verbarg der Konkurrent Anthropic seine Freude nicht. Seinen ersten Super-Bowl-Spot richtete das Unternehmen direkt gegen diesen Schritt und präsentierte sich implizit als die „saubere“ Alternative ohne Werbung. Der Haken dabei ist, dass 100 Millionen Dollar in sechs Wochen kein Ergebnis sind, über das man leicht lachen kann. OpenAI hält plötzlich ein starkes Instrument in der Hand, um seine Einnahmen über Abonnements und Unternehmensverträge hinaus zu diversifizieren.
Pläne zur Ausweitung der Werbung
OpenAI plant, im April Self-Service-Werbetools einzuführen, die das Programm auch kleineren Werbetreibenden ohne Millionenbudgets zugänglich machen. Geografisch wird das Programm auf Kanada, Australien und Neuseeland ausgeweitet. Der US-Start dient somit als Testgelände vor der globalen Einführung.
Und personell? David Dugan, ein ehemaliger auf Werbung spezialisierter leitender Mitarbeiter von Meta, hat die Leitung des globalen Werbeteams von OpenAI übernommen. Das Signal ist eindeutig. Das ist nicht nur ein Experiment. Hier wird eine Werbestruktur von Grund auf aufgebaut.
Weitere Quellen: reuters.com und mlq.ai



