Das Unternehmen Anthropic hat ein neues Tool namens Anthropic Interviewer vorgestellt. Dieses auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende System führte 1.250 ausführliche Interviews mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen. Ziel war es herauszufinden, wie Menschen KI bei der Arbeit einsetzen, welche Vorteile sie bietet und welche Sorgen sie hervorruft. Die Interviews fanden über die Plattform Claude.ai statt und dauerten 10 bis 15 Minuten. Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen eingeteilt: 1.000 reguläre Beschäftigte, 125 Kreativschaffende und 125 Wissenschaftler. Die Daten aus den Interviews wurden sowohl von KI als auch von menschlichen Forschern analysiert und von Anthropic für weitere Studien veröffentlicht.
Produktivität und soziales Stigma im Arbeitsalltag
Unter den regulären Beschäftigten, bei denen Menschen aus den Bereichen Bildung, Informatik und Kunst überwogen, berichteten 86 % von einer Zeitersparnis durch KI. 65 % der Befragten gaben an, dass KI die Qualität ihrer Arbeit verbessert. Die Menschen beschrieben KI als ein Werkzeug, das bei Routineaufgaben wie dem Verfassen von E-Mails oder der Datenanalyse hilft. Ein Faktenprüfer sagte: „Ein Kollege sagte kürzlich, dass er KI hasst, und ich habe nichts dazu gesagt. Ich erzähle niemandem von meiner Vorgehensweise, weil ich weiß, wie die Menschen über KI denken.“
Dennoch erwähnten 69 % ein soziales Stigma – die Angst, von Kollegen verurteilt zu werden. Was die Zukunft betrifft, fühlen sich 41 % dank menschlicher Fähigkeiten sicher, aber 55 % sorgen sich um die Auswirkungen von KI auf die Beschäftigung. Ein Viertel von ihnen setzt sich Grenzen, beispielsweise verfassen Lehrkräfte ihre Unterrichtspläne selbst. Ein weiteres Viertel verändert seine Rolle hin zur Überwachung von KI. Die in den Interviews geäußerten Emotionen zeigten eine hohe Zufriedenheit, aber auch Frustration, insbesondere in Bereichen wie Bildung oder Vertrieb.
Die Interviews offenbarten einen Unterschied zwischen dem, was die Menschen sagen, und der tatsächlichen Nutzung. 65 % beschrieben KI als Ergänzung (Augmentierung), die beim Denken oder Schreiben hilft, während 35 % sie als Automatisierung von Aufgaben betrachten. Laut den Daten von Claude sieht es jedoch ausgeglichener aus: 47 % Augmentierung und 49 % Automatisierung. Viele Menschen, nämlich 48 %, planen, in Rollen zu wechseln, in denen sie KI überwachen, anstatt die Arbeit direkt selbst auszuführen. Ein Pastor sagte: „KI spart mir Zeit bei der Verwaltung, sodass ich mich den Menschen widmen kann“, betonte jedoch die Notwendigkeit von Grenzen, um nicht abhängig zu werden.
Kreativschaffende: Geschwindigkeit versus wirtschaftliches Risiko
Unter den Kreativschaffenden, hauptsächlich Schriftstellern (48 %) und bildenden Künstlern (21 %), berichteten 97 % von einer Zeitersparnis und 68 % von einer besseren Arbeitsqualität. Ein Romanautor sagte: „Ich kann schneller schreiben, weil die Recherche nicht so aufwendig ist.“ Ein Autor von Webinhalten steigerte seine Produktion von 2.000 auf mehr als 5.000 Wörter pro Tag. Ein Fotograf verkürzte dank KI-Bearbeitungen die Lieferzeit von 12 auf 3 Wochen.
Doch 70 % versuchen, den Einsatz von KI aufgrund des Stigmas zu verbergen. Ein Kartograf sagte: „Ich möchte nicht, dass meine Marke mit KI und ihrem Stigma in Verbindung gebracht wird.“ Die wirtschaftlichen Sorgen sind groß – ein Synchronsprecher erwähnte, dass einige Bereiche der Sprechertätigkeit „aufgrund von KI praktisch verschwunden sind“. Ein Komponist befürchtet, dass Plattformen unbegrenzt und kostengünstig Musik generieren werden. Ein Kreativdirektor räumte ein: „Mein Vorteil ist der Verlust eines anderen Kreativschaffenden. Der Fotograf, dem ich 46.000 Kč pro Tag bezahlt habe, erhält den Auftrag jetzt nicht.“
Alle wollen die Kontrolle behalten, doch die Grenzen verschwimmen. Ein Künstler sagte: „KI bestimmt 60 % der Konzepte, ich gebe nur die Richtung vor.“ Die Emotionen zeigen eine hohe Zufriedenheit bei Spieleentwicklern, aber Frustration bei Designern sowie ein geringes Vertrauen in allen Bereichen.
Wissenschaftler: Wunsch nach Partnerschaft, aber Misstrauen
Wissenschaftler aus Physik, Chemie und anderen Bereichen (mehr als 50 Disziplinen) nutzen KI für Literaturübersichten, Programmierung und das Verfassen von Texten, jedoch nicht für Hypothesen oder Experimente. 79 % erwähnten Misstrauen aufgrund von Fehlern und 27 % technische Einschränkungen. Ein Sicherheitsforscher sagte: „Wenn ich alles überprüfen muss, verliert es seinen Sinn.“ Ein Mathematiker ergänzte, dass die Überprüfung genauso viel Zeit in Anspruch nehme.
Im Gegensatz zu Kreativschaffenden fürchten Wissenschaftler keinen Arbeitsplatzverlust – sie betonen implizites Wissen, etwa Farbveränderungen bei Bakterien, die nicht dokumentiert sind. Ein Mikrobiologe sagte: „Die Farbunterschiede muss ein Mensch sehen, sie sind nirgendwo beschrieben.“ Sicherheitsvorschriften verhindern den Einsatz in sensiblen Bereichen.
Dennoch wünschen sich 91 % mehr Unterstützung, vor allem bei Daten und Ideen. Ein medizinischer Wissenschaftler sagte: „Ich hätte gern eine KI, die Hypothesen generiert oder nach verborgenen Zusammenhängen sucht.“ Die Emotionen zeigen Zufriedenheit, aber auch Frustration bei Physikern und Datenwissenschaftlern sowie zugleich ein geringes Vertrauen.
Anthropic plant weitere Studien mit Institutionen, Lehrkräften und ähnlichen Gruppen. Das Tool wird Veränderungen im Laufe der Zeit verfolgen.



