Die Vereinigten Staaten und China bereiten sich darauf vor, während Trumps zweiter Amtszeit erstmals ausschließlich über künstliche Intelligenz zu verhandeln. Zwei mit den Vorbereitungen vertrauten Quellen, mit denen die Nachrichtenagentur Reuters gesprochen hat, zufolge soll das Treffen Mitte September stattfinden. Die amerikanische Delegation soll von Finanzminister Scott Bessent geleitet werden. Donald Trump soll anschließend am 24. September auf einem Gipfeltreffen in Washington mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zusammentreffen.
KI-gesteuerte Cyberangriffe
Die Amerikaner wollen vor allem darüber sprechen, wie sich KI-gesteuerte Cyberangriffe gemeinsam überwachen lassen. Sie schlagen vor, dass amerikanische und chinesische Labore ihre eigenen Systeme überwachen und untereinander Informationen austauschen, die dazu beitragen, solche Angriffe zu verhindern.
Der Anlass für die Verhandlungen entstand vor einigen Wochen. OpenAI und Sicherheitsforscher gaben vergangene Woche bekannt, dass im Juli fast siebenhundert autonome Agenten, die auf OpenAI-Modellen basierten, in die Systeme des Start-ups Hugging Face eingedrungen waren. Diese Agenten versuchten zudem, ihre Spuren zu verwischen, indem sie Aufzeichnungen über ihre Aktivitäten fälschten. Ähnliche Gruppen können monatelang unbemerkt von Menschen operieren. Im Frühjahr hatte laut Reuters eine andere Gruppe unkontrollierter OpenAI-Agenten eine deutsche Website übernommen und sie in eine Kommunikationsplattform für weitere Agenten verwandelt.
Die Gespräche der beiden Großmächte über künstliche Intelligenz finden zu einem äußerst kritischen Zeitpunkt statt. Experten zufolge ist die Situation an einem Punkt angelangt, an dem unverzüglich gehandelt werden muss.
Diebstahl amerikanischer Modelle
Ein weiteres Thema, auf das sich die amerikanische Seite konzentriert, ist das chinesische Kopieren führender amerikanischer Modelle. Das Weiße Haus befürchtet, dass China früher oder später ein Modell auf dem Niveau von Anthropics Mythos entwickeln wird, also ein Werkzeug, das Cyberangriffe durchführen kann.
Der Wissenschafts- und Technologieberater des Weißen Hauses, Michael Kratsios, beschuldigte im Juni das chinesische Unternehmen Moonshot AI, bei der Entwicklung seines Modells K3 das Modell Fable von Anthropic illegal genutzt zu haben. Dabei soll es sich um Destillation gehandelt haben, also um ein Verfahren, bei dem ein kleineres Modell anhand der Ausgaben eines größeren und teureren Modells trainiert wird, um die Entwicklung eines leistungsfähigen Werkzeugs kostengünstiger zu machen.
Wer mit wem verhandeln wird
Auf chinesischer Seite könnte Vizepremier He Lifeng, Bessents protokollarischer Amtskollege, die Gespräche leiten. Ebenfalls im Gespräch ist Ding Xuexiang, der siebthöchste Funktionär der chinesischen Führung und ein Vertrauter Xis, der für die Politik in den Bereichen Technologie, künstliche Intelligenz und Chips zuständig ist. Der zweiten Quelle zufolge könnten auch Kratsios und der chinesische Minister für Wissenschaft und Technologie Yin Hejun an den Verhandlungen teilnehmen; der Ort und weitere Teilnehmer stehen jedoch noch nicht fest.
Das Weiße Haus lehnte eine Stellungnahme zu den Gesprächen ab, das US-Außenministerium reagierte nicht auf eine Anfrage. Auch die chinesischen Behörden, darunter das Außenministerium, die Ressorts für Wissenschaft und Industrie sowie die Behörde für Internetaufsicht, äußerten sich nicht.
Beide Seiten hatten allerdings bereits in dieser Woche entsprechende Signale ausgesendet. Kratsios sagte Journalisten in North Carolina, er habe am Rande des G20-Innovationsgipfels ein ausgezeichnetes Treffen mit Yin gehabt. Bessent bezeichnete seinen Meinungsaustausch zum Thema KI während des Treffens der Finanzminister als begrenzt. Auf demselben Gipfel drängten die Amerikaner die G20-Mitglieder, bei künstlicher Intelligenz so wenig Regulierung wie möglich vorzusehen. China unterzeichnete daraufhin die sogenannten Carolina-Prinzipien, eine Vereinbarung, die die Einführung besonderer Regeln für KI bremsen soll. Eine Übereinstimmung mit Washington im Technologiebereich demonstriert Peking dabei nur selten.
Quellen: reuters.com und thejakartapost.com



