Die Vereinten Nationen haben am Donnerstag eine neue Plattform gestartet. Dort wollen sie nach und nach Statistiken all ihrer Organisationen bündeln und so aufbereiten, dass auch Programme damit arbeiten können, die auf künstlicher Intelligenz basieren. Sie heißt UN System Data Commons und ersetzt das ältere Portal UNData, auf dem Nutzer die Daten durch das Navigieren in einer klassischen Datenbank suchen mussten. Die neue Version funktioniert anders. Man stellt eine Frage in einem gewöhnlichen Satz, etwa wie sich die Zahl der Menschen mit Zugang zu Elektrizität in den vergangenen zehn Jahren verändert hat, und erhält die Antwort einschließlich einer Grafik.
Grund für die Änderungen
Den Anstoß gab ein von UNICEF durchgeführter Test. Dessen leitender Statistiker João Pedro Azevedo schilderte Journalisten, wie sechs große Sprachmodelle Fragen zu weltweiten Entwicklungsindikatoren beantworten sollten. Dabei entstanden mehr als 133.000 Antworten, und die durchschnittliche Erfolgsquote lag bei etwa einem Fünftel. Getestet wurden Modelle der Unternehmen OpenAI, Anthropic und Google.
Noch interessanter ist, wie genau die Modelle scheiterten. Etwa drei von fünf Antworten enthielten überhaupt keine brauchbare Zahl, weil das System einer direkten Antwort lieber mit einer allgemeinen Formulierung auswich. Als die Forscher zwei Tage später denselben Versionen der Modelle erneut dieselben Fragen stellten, kam nur in der Hälfte der Fälle dieselbe Zahl wie zuvor heraus.
Unterdessen greifen immer mehr Menschen über Chatbots auf Daten der Vereinten Nationen zu. Die Datenwebsite von UNICEF verzeichnet monatlich mehr als sechs Millionen Besuche, und der Traffic über Links in den Antworten von ChatGPT ist in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr um zwei Drittel gestiegen. Schätzungen der Organisation zufolge kommt etwa jeder zehnte Besucher über einen KI-Assistenten.
Warum sie sich für Google entschieden haben
Google betreibt das Projekt Data Commons seit 2018. Dabei handelt es sich um eine offene Plattform, die öffentliche Datensätze aus verschiedenen Quellen in einem einheitlichen Format zusammenführt, sodass sie miteinander verglichen werden können. Die Vereinten Nationen und Google begannen zudem nicht bei null, denn ihre Zusammenarbeit läuft bereits seit 2023, als eine kleinere, auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung ausgerichtete Version entstand.
Ein weiterer Grund ist, dass Google Data Commons im vergangenen Jahr um die Unterstützung des MCP-Protokolls erweitert hat. Dabei handelt es sich um eine vereinbarte Methode, über die sich Programme mit künstlicher Intelligenz direkt mit externen Datenquellen verbinden. Ohne dieses Protokoll setzt das Modell seine Antwort aus dem zusammen, woran es sich aus dem Training erinnert. Damit sucht es eine konkrete Zahl in einer konkreten Tabelle und weiß, woher sie stammt. Die Plattform der Vereinten Nationen führt für jede Angabe einen Herkunftsnachweis, sodass sich im Nachhinein feststellen lässt, auf welcher Grundlage die KI ihre Antwort erstellt hat.
Die Daten liegen dabei nicht bei Google. Das System läuft auf einer von den Vereinten Nationen verwalteten Instanz, und das Ziel besteht darin, dass die Organisation es künftig selbst betreibt und erweitert. Prem Ramaswamy, der Data Commons bei Google leitet, spricht von einem Train-the-Trainer-Ansatz, bei dem das Team der Vereinten Nationen lernt, die Plattform eigenständig zu bedienen.
Was sich damit machen lässt
Neben der Suche nach einzelnen Zahlen zeigte Google, wie eine über MCP angebundene KI mehrere Indikatoren zusammenführen und daraus direkt ein Dashboard, Grafiken oder eine schriftliche Analyse erstellen kann. In einer Demonstration erhielt das System die Aufgabe, die Auswirkungen eines amerikanischen Hilfsprogramms zur Bekämpfung von AIDS in Afrika zu ermitteln. Es suchte Statistiken zu Neuinfektionen, Sterblichkeit und Lebenserwartung heraus und erstellte daraus eine Infografik. Ein Analyst würde für dieselbe Arbeit mehrere Tage benötigen, da er die Daten verschiedener Organisationen manuell herunterladen und vereinheitlichen müsste.
Quelle: techcrunch.com



