Der chinesische Technologieriese Alibaba ist in den Mittelpunkt einer hitzigen Debatte geraten, nachdem die Financial Times Informationen aus einem Memorandum des Weißen Hauses veröffentlicht hatte. In diesem Dokument wird behauptet, Alibaba unterstütze das chinesische Militär technisch bei Operationen gegen Ziele in den USA. Laut dem Bericht, der der Financial Times vorliegt, übermittelt Alibaba Kundendaten an chinesische Behörden und die Volksbefreiungsarmee (PLA), darunter IP-Adressen, Informationen über WLAN-Netzwerke und Zahlungsdaten. Diese Angaben könnten nach Einschätzung des Weißen Hauses die Sicherheit der USA gefährden, obwohl die Financial Times darauf hinweist, dass diese Behauptungen nicht unabhängig überprüft werden konnten.
Alibaba reagierte umgehend auf diese Vorwürfe. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, die Behauptungen und Andeutungen in dem Artikel seien „völlig unwahr“. Das Unternehmen aus Hangzhou bezeichnete das Memorandum als „böswillige PR-Aktion“, die offenbar von jemandem initiiert worden sei, der versuche, das jüngste Handelsabkommen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping zu untergraben. Diese Anschuldigung ist Teil des langjährigen Konflikts zwischen Peking und Washington um die technologische Vorherrschaft.
Zurückweisung von chinesischer Seite
Auch die chinesische Botschaft in den USA wies die Vorwürfe zurück. Sprecher Liu Pengyu erklärte auf der Plattform X, die chinesische Regierung „verlangt niemals von Unternehmen oder Einzelpersonen, Daten aus anderen Ländern unter Verstoß gegen die dort geltenden Gesetze zu sammeln oder bereitzustellen“. Die Spannungen zwischen den USA und China verschärfen sich erneut. Nach Donald Trumps Rückkehr ins Amt im Januar 2025 flammte der harte Handelskrieg wieder auf, der gegenseitige Zölle umfasste. Erst Ende vergangenen Monats einigten sich Trump und Xi Jinping auf einen einjährigen Waffenstillstand, der nun durch dieses Memorandum gefährdet wird.
Der Bericht erscheint vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis in Washington über Chinas Einsatz fortschrittlicher Technologien für Spionagezwecke. So gab etwa das auf künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte US-Unternehmen Anthropic am Donnerstag bekannt, es habe die erste dokumentierte Cyberspionagekampagne aufgedeckt und blockiert, die weitgehend autonom von einer KI durchgeführt worden sei. Diese Aktivität wurde einer vom chinesischen Staat unterstützten Gruppe mit der Bezeichnung GTG-1002 zugeschrieben. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz, er sei mit den Einzelheiten nicht vertraut, betonte jedoch, dass Peking konsequent gegen Hackeraktivitäten vorgehe.
Dieser Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Beziehungen zwischen Technologieunternehmen und Regierungen. Alibaba steht von beiden Seiten unter Druck. Während die USA in solchen Praktiken eine Bedrohung sehen, weist China die Vorwürfe als unbegründet zurück. Für gewöhnliche Menschen bedeutet dies, dass Daten, die wir online teilen – etwa Zahlungsinformationen oder über WLAN ermittelte Standortdaten –, in internationalen Konflikten missbraucht werden könnten. Alibaba besteht dennoch darauf, dass keine derartige Datenübermittlung stattfinde, und fordert Beweise statt Spekulationen.
Quellen: ft.com und newindianexpress.com



