Musik, die nie jemand wirklich gehört hat. Fans, die nie existiert haben. Und trotzdem Millionen von Dollar auf dem Konto. Das klingt wie das Drehbuch einer absurden Komödie, aber genau das ist tatsächlich passiert.
Michael Smith, ein 52-jähriger Mann aus Cornelius in North Carolina, bekannte sich im März vor einem Bundesgericht in New York des Betrugs schuldig. Mit seiner Methode brachte er Streamingplattformen und Tausende echte Musiker um mehr als 8 Millionen Dollar. Und dafür brauchte er lediglich künstliche Intelligenz, ein paar automatisierte Programme und eine gehörige Portion Dreistigkeit.
Musikgenerator und KI-Bots
Smith brauchte weder eine Band noch ein Studio oder Talent. Mithilfe von KI-Tools erstellte er Hunderttausende Songs und lud sie auf Plattformen wie Spotify, Apple Music, Amazon Music oder YouTube Music hoch. Anschließend setzte er eine Armee von Bots in Gang, die diese Songs Tag und Nacht abspielten. Das Ergebnis? Bis zu 661 440 Wiedergaben täglich und jährliche Einnahmen von rund 1 027 128 Dollar.
Die Bots simulierten das Verhalten echter Hörer. Die Systeme der Plattformen konnten sie zunächst nicht erkennen. Und Smith kassierte zufrieden ab. Nach eigenen Schätzungen verdiente er ungefähr 3 300 Dollar täglich, also mehr als 1,2 Millionen pro Jahr. Und so funktionierte es von 2017 bis 2024.
Eine investigative Reportage des Rolling Stone enthüllte dabei ein bizarres Detail: Smith unterhielt 1 040 Konten bei Streamingdiensten, von denen jedes täglich rund 636 Songs abspielte. Er war kein Technologiegenie, das in einer Garage tüftelte. Er war ein „Vorstadtvater in den Vierzigern“, der ein Netzwerk von Notfallpraxen betrieb. Der Streamingbetrug war für ihn einfach nur ... ein Nebeneinkommen.
Geld aus den Taschen echter Künstler
Streamingplattformen funktionieren nach dem Prinzip eines gemeinsamen Einnahmentopfs. Das Geld wird proportional zur Anzahl der Wiedergaben verteilt. Jede gefälschte Wiedergabe von Smiths KI-Musik schnitt somit ein Stück von dem Kuchen ab, den jemand anderes hätte bekommen sollen. Jemand, der den Song tatsächlich geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht hat.
Die Worte des US-Staatsanwalts Jay Clayton sagen alles: „Die Songs waren gefälscht. Die Hörer waren gefälscht. Aber die Millionen von Dollar, die Smith gestohlen hat, waren real.“ Glauben Sie, dass Ihr bevorzugter unabhängiger Künstler mit Streaming gutes Geld verdient? Denken Sie noch einmal darüber nach. Und stellen Sie sich dann vor, dass Menschen wie Smith diese Einnahmen noch weiter schmälern.
Geständnis und Strafe
Smith wurde im September 2024 festgenommen und bestritt zunächst seine Schuld. Letztlich einigte er sich jedoch mit der Staatsanwaltschaft und bekannte sich in einem Anklagepunkt wegen Verschwörung zum Betrug schuldig. Das Urteil wird am 29. Juli 2026 verkündet.
Ihm drohen bis zu 5 Jahre Haft, und er muss genau 8 091 843,64 Dollar zurückzahlen. Der Fall wird vom Southern District of New York geführt und ist eine der überhaupt ersten erfolgreichen Strafverfolgungen auf Bundesebene wegen KI-Betrugs in der Musikindustrie.
KI-Musik ist ein Problem
Smiths Geständnis brachte zwar eine gewisse Genugtuung, doch die Musikwelt steht weiterhin vor einer äußerst unangenehmen Realität. Spotify entfernte im vergangenen Jahr 75 Millionen Spam-Songs. Der französische Dienst Deezer erhält täglich 60 000 vollständig KI-generierte Aufnahmen. Und das Unternehmen Suno, das die Erstellung von Musik aus Text ermöglicht, generiert laut Billboard 7 Millionen Songs pro Tag.
97 % der Menschen können angeblich KI-Musik nicht von menschlich geschaffener Musik unterscheiden, sagt Deezer. Das ist eine Zahl, die jeden beunruhigen sollte, der lebendige, authentische Kunst schätzt.
Dabei ist Smiths Fall kein Einzelfall. Es sind Bots, die Bots zuhören. Diese ganze absurde Schleife dreht sich auf Kosten derjenigen, die aus eigenem Antrieb Musik schaffen, mit ihren eigenen Emotionen und ihrer eigenen Geschichte.
Spotify verspricht zwar, in die Erkennung künstlicher Wiedergaben zu investieren, doch in Wirklichkeit ist es eher ein endloses Katz-und-Maus-Spiel. Auf der einen Seite stehen die Plattformen, die versuchen, Künstler und Öffentlichkeit zu beruhigen. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die im Algorithmus lediglich ein Schlupfloch sehen, durch das man mit einem Koffer voller gefälschter Noten kriechen kann. Smith verliert möglicherweise seine Freiheit. Doch das Problem, das er mit ins Rollen gebracht hat, wird niemals verschwinden.
Quellen: musicradar.com und futurism.com



