US-Abgeordnete wollen die Nutzung von KI DeepSeek verbieten

US-Abgeordnete wollen die Nutzung von KI DeepSeek verbieten

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
13. 5. 2025
6 Minuten Lesezeit
US-Abgeordnete wollen die Nutzung von KI DeepSeek verbieten

Amerikanische Gesetzgeber wollen die Nutzung des chinesischen KI-Modells DeepSeek bei staatlichen Aufträgen verbieten

Angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit im Zusammenhang mit der Nutzung ausländischer Technologien hat sich der US-Kongress auf eine weitere potenzielle Bedrohung konzentriert – das chinesische Modell für künstliche Intelligenz DeepSeek. Ein neuer Gesetzesentwurf, den die Senatoren Bill Cassidy (R-La.) und Jacky Rosen (D-Nev.) gemeinsam vorgestellt haben, würde Bundesauftragnehmern die Nutzung dieser Technologie im Rahmen staatlicher Verträge verbieten.

DeepSeek als Sicherheitsrisiko

DeepSeek, ein leistungsfähiges Modell für künstliche Intelligenz, das von dem gleichnamigen chinesischen Technologieunternehmen entwickelt wurde, ist verstärkt ins Visier amerikanischer Sicherheitsexperten geraten. Das Unternehmen, das von ehemaligen Mitarbeitern der Unternehmen ByteDance (Eigentümer von TikTok) und Baidu gegründet wurde, hat im KI-Bereich dank seiner fortschrittlichen Sprach- und Codierungsmodelle große Aufmerksamkeit erlangt. Senator Cassidy betonte in seiner Erklärung: "Bundesauftragnehmer, die in China entwickelte KI-Modelle wie DeepSeek verwenden, stellen ein unmittelbares Risiko für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten dar. Wir dürfen nicht zulassen, dass sensible Regierungsinformationen dem Risiko eines Zugriffs durch die Kommunistische Partei Chinas ausgesetzt werden." Die vorgeschlagene Gesetzgebung mit dem Titel "Secure AI for Government Contractors Act" würde die Nutzung von KI-Modellen, die in als "ausländische Gegner" eingestuften Ländern entwickelt wurden, bei der Ausführung von Bundesaufträgen effektiv verbieten; dies gilt ausdrücklich auch für das Unternehmen DeepSeek. Dieser Schritt folgt einer ähnlichen Logik wie frühere Verbote von Technologien der Unternehmen Huawei, Kaspersky Lab oder TikTok im staatlichen Umfeld.

Technische Fähigkeiten und wachsender Einfluss von DeepSeek

DeepSeek hat in der KI-Community dank seiner leistungsfähigen Modelle Aufmerksamkeit erlangt, darunter DeepSeek-Coder, ein speziell für die Programmierung entwickeltes Modell, das als eines der leistungsfähigsten Open-Source-Modelle zur Codegenerierung gilt. Das Unternehmen hat kürzlich auch sein Flaggschiff-Sprachmodell DeepSeek LLM veröffentlicht, das mit Modellen wie GPT-4 oder Claude konkurriert. "Was DeepSeek besonders beunruhigend macht, ist die Kombination aus seinen fortschrittlichen technischen Fähigkeiten und seiner Anbindung an das chinesische Technologieökosystem", erklärte ein auf KI-Technologien spezialisierter Sicherheitsanalyst gegenüber CyberScoop, der anonym bleiben wollte. "Im Gegensatz zu einigen amerikanischen KI-Modellen operiert DeepSeek in einem rechtlichen Umfeld, in dem die chinesische Regierung nach ihren Gesetzen zur nationalen Sicherheit Zugriff auf Daten und Technologien verlangen kann." Das Unternehmen DeepSeek präsentiert sich öffentlich als unabhängiges Technologieunternehmen mit Schwerpunkt auf der Erforschung und Entwicklung von KI. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass chinesische Gesetze, darunter das Gesetz über die nationale Nachrichtendiensttätigkeit aus dem Jahr 2017, das Unternehmen potenziell zur Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden zwingen könnten.

Der breitere Kontext gesetzgeberischer Bemühungen zur Regulierung ausländischer KI

Der Entwurf der Senatoren Cassidy und Rosen ist keine isolierte Initiative. Er fügt sich in den breiteren Kontext eines wachsenden Bewusstseins für die potenziellen Risiken ein, die mit der Nutzung ausländischer Technologien verbunden sind, insbesondere in kritischen Infrastrukturen und staatlichen Systemen. Senatorin Rosen bemerkte: "Angesichts der rasanten Entwicklung der künstlichen Intelligenz müssen wir sicherstellen, dass unsere Regierungsdaten und -systeme vor ausländischen Bedrohungen geschützt bleiben. Dieser Gesetzentwurf bietet Bundesauftragnehmern einen klaren Rahmen, um Innovationen im Bereich KI zu nutzen, ohne die nationale Sicherheit zu gefährden." Der Gesetzentwurf legt fest, dass Bundesauftragnehmer bescheinigen müssen, dass sie die genannten Technologien bei der Ausführung staatlicher Aufträge nicht verwenden. Gleichzeitig verlangt er, dass das Office of Management and Budget (OMB) gemeinsam mit dem National Institute of Standards and Technology (NIST) und dem Department of Homeland Security (DHS) Standards und Verfahren für die Umsetzung dieser Beschränkungen entwickelt.

Reaktionen aus Industrie und Fachwelt

Die vorgeschlagene Gesetzgebung hat unter Vertretern der Technologiebranche und Sicherheitsexperten gemischte Reaktionen ausgelöst. "Obwohl ich die Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit nachvollziehen kann, müssen wir vorsichtig sein, damit wir Innovation und Wettbewerbsfähigkeit nicht durch übermäßige Einschränkungen behindern", erklärte Alan Davidson, Geschäftsführer der Association for Advanced Computing Technologies. "Viele amerikanische Unternehmen nutzen verschiedene KI-Modelle, darunter Open-Source-Tools, und ein pauschales Verbot könnte unbeabsichtigte Folgen haben." Dagegen unterstützt Dmitri Alperovitch, Mitbegründer von Crowdstrike und inzwischen Vorsitzender des Silverado Policy Accelerator, die Gesetzgebung: "Nach Jahren, in denen wir erlebt haben, wie ausländische Gegner unsere eigenen Technologien gegen uns einsetzen, ist es an der Zeit, bei KI einen proaktiven Ansatz zu verfolgen. Der Preis für die Ignorierung dieser Risiken könnte astronomisch hoch sein."

Auswirkungen auf Bundesauftragnehmer

Sollte das Gesetz in seiner derzeitigen Form verabschiedet werden, könnte es erhebliche Auswirkungen auf das Ökosystem der Bundesauftragnehmer haben. Viele Auftragnehmer experimentieren mit verschiedenen KI-Tools, um bei der Ausführung staatlicher Aufträge die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken. Experten weisen darauf hin, dass die Umsetzung des Gesetzes erhebliche Anstrengungen zur Herstellung der Compliance erfordern würde. "Es wird schwierig sein, genau zu definieren, was die 'Nutzung' eines KI-Modells wie DeepSeek bedeutet", erklärt Katherine Williams, eine auf staatliche Verträge spezialisierte Anwältin. "Verwenden Auftragnehmer diese Modelle direkt? Oder nutzen sie Dienste und Produkte, die darauf aufbauen? Diese Details müssen in den Durchführungsbestimmungen sorgfältig ausgearbeitet werden." Nach Schätzungen des Analyseunternehmens Govini nutzen etwa 30% der Bundesauftragnehmer irgendeine Form von KI-Technologie, wobei dieser Anteil rasch wächst. Unklar ist jedoch, wie viele von ihnen direkt von einem Verbot von DeepSeek oder ähnlichen Modellen betroffen sein könnten.

Internationale Perspektive und mögliche Gegenmaßnahmen

Die chinesische Reaktion auf die vorgeschlagenen Einschränkungen fiel bislang zurückhaltend aus. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums merkte lediglich allgemein an, dass "die Vereinigten Staaten Handels- und Technologiefragen nicht politisieren und künstliche Barrieren für die internationale Zusammenarbeit schaffen sollten." Einige Analysten warnen jedoch, dass eine solche Gesetzgebung zu Vergeltungsmaßnahmen führen könnte. "China verfügt über einen eigenen umfangreichen Markt für staatliche Aufträge und könnte problemlos ähnliche Beschränkungen für amerikanische Technologien einführen", warnt Dr. Li Wei, Professor für internationale Beziehungen an der Tsinghua-Universität. "Wir beginnen, eine zunehmende Fragmentierung des globalen Technologieraums zu beobachten." Unterdessen betonen Experten, dass technologische Beschränkungen allein nicht ausreichen werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. "Wir müssen in robuste heimische Kapazitäten im Bereich KI und fortschrittlicher Technologien investieren", sagt Dr. Samantha Power vom Center for Security and Emerging Technology der Georgetown University. "Es reicht nicht aus, ausländische Technologien einfach zu blockieren – wir müssen unsere eigenen widerstandsfähigen Alternativen aufbauen."

Wie es weitergeht

Der Gesetzesentwurf wird nun zur weiteren Beratung an den Senatsausschuss für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten überwiesen. Wenn er vom Ausschuss gebilligt wird, wird er dem gesamten Senat zur Abstimmung vorgelegt. Eine parallele Version des Entwurfs wird auch im Repräsentantenhaus erwartet. Unterdessen wurde bekannt gegeben, dass der Ausschuss für Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten (CFIUS) eine Prüfung bestimmter amerikanischer Investitionen in das Unternehmen DeepSeek eingeleitet hat, was den Druck auf das chinesische KI-Unternehmen weiter erhöht. Senator Cassidy schloss seine Erklärung mit einer deutlichen Warnung: "Wir können nicht zulassen, dass von unseren Gegnern finanzierte und kontrollierte Technologien in kritischen Regierungssystemen eingesetzt werden. Es geht hier nicht um Protektionismus – es geht um grundlegende nationale Sicherheit." Während sich die Debatte über ausländische KI und ihre sicherheitspolitischen Auswirkungen weiterentwickelt, steht eines fest: Der technologische Wettbewerb zwischen den USA und China tritt in eine neue, potenziell noch bedeutendere Phase ein, in der künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle in den nationalen Sicherheitsstrategien beider Länder spielt.

Kategorie:KI
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