Das beliebteste Argument der gesamten Branche, künstliche Intelligenz werde eines Tages Krebs heilen, reicht laut dem Chef von OpenAI nicht aus. Er erklärte, dass er ein Heilmittel gegen Krebs nicht für ein hinreichend ambitioniertes Ziel halte. Es sei zwar eine wunderbare Sache, doch die Menschheit sollte höher zielen. Er äußerte sich dazu, nachdem sein Unternehmen am Vortag das neue Modell Astra veröffentlicht hatte.
Schreckliche Arbeit, räumt Altman ein
Altman zufolge hat die Technologiebranche bei der Vermittlung der Vorteile künstlicher Intelligenz schlechte Arbeit geleistet, und OpenAI habe dabei keineswegs besser abgeschnitten. Damit stimmte er der Kritik zu, die der US-Finanzminister Scott Bessent beim G20-Treffen geäußert hatte. Laut Altman hätten die Unternehmen zu viel über mögliche Risiken und zu wenig darüber gesprochen, welchen konkreten Nutzen die Technologie den Menschen bringen werde. Das vage Versprechen eines Heilmittels gegen Krebs könne diese Kommunikationslücke nicht schließen.
Ein Teil der Branchenvertreter beschreibt die Zukunft als eine Ära des Überflusses, in der niemand mehr arbeiten müsse und die Medizin Heilmittel gegen bislang unheilbare Krankheiten hervorbringen werde. Altman hält dagegen, dass eine solche Vorstellung die Möglichkeiten der Technologie unterschätze. Er selbst spricht von einem Aufschwung der Kreativität und des Unternehmertums, bei dem die Menschen füreinander nützliche Dinge schaffen werden, und beklagt, dass dieser Teil der Botschaft vollständig aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden sei. Dabei kehrt er zum gleichen Motiv zurück. Altman betonte, dass es für sie entscheidend sei, dass diese Technologie den Menschen mehr Eigenständigkeit und Einfluss gebe, nicht weniger. Seiner Ansicht nach haben die Menschen zu Recht Angst, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass die führenden Köpfe der Branche ihnen keine Eigenständigkeit zugestehen wollen.
Die Stimmung, auf die Altman reagiert, wird durch eine Umfrage des Pew Research Center deutlich. Rund vierzig Prozent der Amerikaner erwarten negative Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft, während lediglich sechzehn Prozent einen positiven Nutzen erwarten. Zu dieser Skepsis tragen Streitigkeiten über den Bau von Rechenzentren bei, der zu einem politisch sensiblen Thema geworden ist, ebenso wie flächendeckende Verbote von Werkzeugen künstlicher Intelligenz in einigen Schulbezirken und die wachsende Sorge der Menschen um ihre eigenen Arbeitsplätze.
Altman weist zugleich die Vorstellung zurück, dass der Technologiesektor unangenehmen Fragen ausweichen sollte. Über mögliche Gefahren müsse seiner Ansicht nach gesprochen werden, jedoch nicht mit dem Ziel, Panik zu verbreiten oder das Thema Sicherheit zur Zentralisierung von Macht zu missbrauchen. Er erklärte, die Unternehmen hätten auf die Risiken aufmerksam machen wollen, doch das Ergebnis sei mitunter eine unnötige Verängstigung der Öffentlichkeit.
Der Anthropic-Chef sieht es anders
Die Haltung des OpenAI-Chefs steht jedoch im Widerspruch zu einer Erklärung des Chefs des Konkurrenzunternehmens Anthropic, Dario Amodei. Die Behauptung, künstliche Intelligenz werde Krebs heilen, sei derzeit eher ein Klischee als eine echte Inspiration und klinge für die meisten Menschen irreführend. Die treffendste Kritik an Technologieunternehmen, einschließlich seines eigenen, richte sich Amodei zufolge gegen die Tatsache, dass bislang niemand die großen Versprechen weltweiter Vorteile eingelöst habe. Die Lösung sieht er daher nicht in besserer Kommunikation. Er schrieb, wirklich überzeugen werde nur, wenn wir Krebs tatsächlich heilen.
Dabei hatte Altman in der Vergangenheit selbst am Krebsargument festgehalten. In früheren Jahren schrieb er in seinem Blog, dass künstliche Intelligenz bei ausreichender Rechenleistung eine Behandlungsmethode gegen Krebs finden könnte. In einem Punkt ist er sich jedoch mit seinem Rivalen einig: Niemandem ist geholfen, wenn unangenehmen Debatten über Risiken ausgewichen wird.
Preis der KI
Auf die Frage nach dem Preis antwortete Altman im Interview, das Ziel von OpenAI sei eine hochleistungsfähige, kostengünstige und allgemein zugängliche Intelligenz. Dabei verwies er auf den sparsamen Umgang des Modells Astra mit Tokens und auf die kürzlich erfolgte Preissenkung des kleineren Modells Luna um achtzig Prozent. Ihm zufolge werde das Unternehmen das Preis-Leistungs-Verhältnis über sein gesamtes Angebot hinweg weiter verbessern. Die Einnahmen des Unternehmens dürften dennoch weiter steigen, da das Marktpotenzial enorm sei.
Zur Frage eines möglichen Börsengangs erklärte der OpenAI-Chef, dass er mit diesem Schritt irgendwann in der Zukunft rechne. Zugleich fügte er hinzu, OpenAI werde ein Unternehmen bleiben, das seine Mission an die erste Stelle setzt und langfristig in Zeiträumen von mehreren Jahrzehnten plant.
Quellen: businessinsider.com und thenews.com



