OpenAI-Chef Sam Altman bezeichnete sich selbst als großen Apple-Fan und räumte ein, dass ihn die von dem Unternehmen gegen OpenAI eingereichte Klage sehr traurig gemacht habe. Darüber sprach er in einem Interview mit dem Technologiejournalisten Alex Heath. Die beiden Unternehmen, die sich vor zwei Jahren noch öffentlich die Hände reichten, streiten nun vor Gericht über Geschäftsgeheimnisse.
Altman erinnert sich an Apple
Altmans Zuneigung zu Apple reicht bis tief in seine Kindheit zurück. Sein erster Computer war ein Macintosh LC II. Im Jahr 2024 verriet er Bill Gates, dass er ihn noch immer zu Hause habe und dass er voll funktionsfähig sei. Als er die Zusammenarbeit mit dem Designer Jony Ive ankündigte, sprach er von dem Wunsch, den Menschen die Faszination und die Lust am kreativen Schaffen zurückzugeben, die er selbst vor mehr als drei Jahrzehnten an einem Apple-Computer erlebt hatte.
Eine Geschichte, die er 2016 gemeinsam mit seinem Bruder Jack erzählte, gibt Einblick in den familiären Hintergrund. Ihre Großmutter schenkte ihnen zum Geburtstag Aktien von Unternehmen, von denen sie glaubte, dass sie ihnen gefallen würden. Während Jack einen Anteil an der Restaurantkette Applebee's erhielt, bekam Sam Wertpapiere von Apple. Diese Aktien werden auf seinem Maklerkonto bis heute als Geschenk seiner Großmutter geführt, und er hat nicht vor, sich von ihnen zu trennen.
Seine stärkste Erinnerung hat Altman an das Jahr 2008. Auf der damaligen Entwicklerkonferenz präsentierte er die standortbasierte soziale App Loopt, die er mitgegründet hatte. Um auf der Bühne auftreten zu dürfen, benötigte er die persönliche Zustimmung von Steve Jobs. Er bezeichnete dies als Höhepunkt seiner damaligen Karriere und fügte hinzu, dass er sich in keiner anderen geschäftlichen Situation jemals so nervös gefühlt habe. 2015 beschrieb er dann, dass er Jobs seit seiner Kindheit als ikonische Persönlichkeit wahrgenommen habe. Diese Bewunderung verließ ihn auch nicht, als er begann, eigene Hardware zu entwickeln. Im vergangenen November bezeichnete er auf der Bühne neben Jony Ive und Laurene Powell Jobs das iPhone als die bedeutendste Errungenschaft in der Geschichte der Unterhaltungselektronik.
Noch 2024 waren die Beziehungen gut
Im Juni 2024 reiste Altman persönlich nach Cupertino, um anzukündigen, dass Apple ChatGPT in seine Produkte integrieren werde. Damit gelangte der begeisterte Fan dorthin, wohin er seit seiner Kindheit gestrebt hatte. Sein Modell sollte Teil des Telefons werden, das er selbst für das beste Produkt in der Geschichte der Unterhaltungselektronik hielt.
Die Zusammenarbeit war jedoch nur von kurzer Dauer. Die Beziehungen zwischen den beiden Unternehmen begannen sich abzukühlen, als OpenAI in einen Bereich vorstieß, den Apple über viele Jahre dominiert hatte. Weniger als ein Jahr nach dem Auftritt auf Apples Entwicklerkonferenz kündigten Altman und Ive zudem an, dass sie bereits seit mehreren Jahren heimlich zusammenarbeiteten und OpenAI Ives Startup IO kauft – für knapp 6,5 Milliarden Dollar. Der Mann, der das iPhone entworfen hatte, begann somit, Hardware für ein Unternehmen zu entwickeln, dessen Modell Apple ursprünglich lediglich unterstützen sollte.
Apple entschied sich unterdessen für einen anderen Partner, um die neue Siri zu betreiben. Im Januar bestätigte das Unternehmen eine Vereinbarung mit Google, der zufolge die Gemini-Modelle die Grundlage für die Apple Foundation Models und neue Funktionen von Apple Intelligence bilden werden, darunter eine persönlichere Siri. ChatGPT bleibt zwar auf iPhones verfügbar, dient jedoch nur als optionale Unterstützung bei komplexeren Anfragen und nicht als Grundlage des gesamten Systems. Google begründete dies damit, dass seine Technologie den Modellen von Apple die stabilste Basis biete.
Apple verklagt nun OpenAI
Die Abkühlung der Beziehungen gipfelte in einem Gerichtsverfahren. Apple verklagte OpenAI im Juli mit der Behauptung, es habe sich um ein koordiniertes Fehlverhalten auf Ebene des gesamten Unternehmens gehandelt, dessen Ziel es gewesen sei, Zugang zu sorgfältig gehüteten Geheimnissen zu erhalten. Die vierzigseitige Klageschrift nennt neben den beteiligten Unternehmen lediglich zwei Personen: Chang Liu und Tang Tan. Beide arbeiteten zuvor für Apple. Der Klage zufolge eigneten sie sich bei ihrem Ausscheiden vertrauliche Informationen an und befragten in einigen Fällen aktuelle Mitarbeiter zu noch nicht angekündigten Produkten. In dem Text wird außerdem behauptet, dass Apple-Prototypen zu Vorstellungsgesprächen mitgenommen und dort anderen gezeigt worden seien.
Altman selbst kommt in der ursprünglichen Klage kaum vor. Als er erstmals davon erfuhr, dachte er, dass dies sehr ernst klinge und jemand einen großen Fehler gemacht haben müsse. Er fügte hinzu, dass OpenAI kein fremdes geistiges Eigentum wolle und erst recht keine Menschen, die solches Eigentum in das Unternehmen mitbrächten. Das Unternehmen erklärt, kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer zu haben, und merkte an, die Klage passe nicht zum Ruf von Apple, das stolz darauf sei, selbst kleinste Details streng zu überwachen. Zugleich beantragte es bei Gericht die Abweisung des Verfahrens, da die Klage seiner Auffassung nach überhaupt keinen Rechtsanspruch begründe.
Apple beantragte bei Gericht eine einstweilige Verfügung, die die Pläne von OpenAI verzögern könnte. Damit will das Unternehmen sicherstellen, dass der Konkurrent gar nicht erst Zugang zu seinen Geheimnissen erhält. OpenAI entgegnet, Apple versuche, die Entwicklung seiner Hardware zu verzögern, weil das Unternehmen einen möglichen Rückgang der Nachfrage nach seinen eigenen Produkten fürchte.
Die Gestalt dieses Rechtsstreits wird maßgeblich durch den Ort bestimmt, an dem er ausgetragen wird. Kalifornien erkennt nachvertragliche Wettbewerbsverbote nicht an. Daher kann sich ein Unternehmen, dessen Ingenieure zu einem Konkurrenten wechseln, nicht im Voraus dagegen wehren. Es muss anschließend gerichtlich klären lassen, was genau die Mitarbeiter mitgenommen haben.
Quellen: aol.com, businessinsider.com, thenextweb.com



