OpenAI hat einen Forschungsprototyp vorgestellt, der mithilfe eines kommenden Cybersicherheitsmodells Schwachstellen im Linux-Kernel sucht und überprüft, Exploits erstellt und Patches vorschlägt. Bei einem Testlauf im Oktober erzeugte er laut Unternehmen Exploits für 948 unterschiedliche Fehler, über die ein lokaler Nutzer ohne besondere Rechte Root-Zugriff erlangen kann. Menschliche Forschende prüfen anschließend die Ergebnisse.
Von der Codeauswahl zur Überprüfung
Das System arbeitet in mehreren aufeinanderfolgenden Schritten. Laut OpenAI wählten Scout-Agenten zunächst 5.034 Bereiche für die Prüfung aus, die rund 2,8 Millionen Codezeilen und damit etwa sieben Prozent des Kernels umfassten. Weitere Agenten analysierten diese Bereiche innerhalb von zwölf Stunden und erstellten nach dem Entfernen von Duplikaten 2.308 potenzielle Befunde.
Bei der anschließenden Überprüfung konzentrierte sich das Unternehmen auf Befunde, die für Nutzer mit geringen Rechten erreichbar waren, keine besonderen Berechtigungen erforderten und messbare Speicherbeschädigungen aufwiesen. Ein Agent erstellte und überarbeitete für jeden Fall einen Ausnutzungsnachweis in einer isolierten virtuellen Maschine mit dem Werkzeug KASAN.
Exploits und vorgeschlagene Patches
In der kontrollierten Forschungsumgebung reproduzierte der Prototyp laut OpenAI 1.724 Schwachstellen dynamisch. Um ihre Ausnutzbarkeit zu beurteilen, verwendete er isolierte virtuelle Maschinen mit den Schutzmechanismen einer standardmäßig konfigurierten Linux-Distribution. Die Tests sollten damit nicht von deaktivierten Sicherheitsfunktionen abhängen.
Die Agenten erstellten zudem 291 Nachweise für das Ausnutzen von Informationslecks und 1.169 funktionsfähige Exploits zur lokalen Rechteausweitung. Nach einer Analyse der Varianten bereitete OpenAI 948 unterschiedliche Patches vor und verwendete diese Zahl als Anzahl der einzigartigen Schwachstellen dieses Typs. Der Oktoberlauf kostete insgesamt 1.213.430 US-Dollar an API-Guthaben.
Die Ausgabe für menschliche Forschende enthält laut OpenAI eine Ursachenanalyse, einen minimalen Nachweis, der einen Absturz auslöst, einen Patch-Vorschlag und einen vollständigen Exploit. Diese Unterlagen sollen ihnen helfen, den Schweregrad eines Fehlers einzuschätzen und Korrekturen an die Projektverantwortlichen weiterzugeben.
Vergleich mit älterem Modell und kernelCTF-Test
OpenAI verglich den Oktoberlauf mit einem Scan des Modells GPT-5.6 Sol aus dem Juli. Das ältere Modell fand und nutzte laut Unternehmen 166 unterschiedliche Schwachstellen zur lokalen Rechteausweitung; das kommende Cybersicherheitsmodell fand und nutzte beim späteren Lauf 948. Beide Scans untersuchten den jeweils aktuellen Hauptentwicklungszweig des Kernels.
In einem separaten Test in einer angepassten Umgebung des Programms kernelCTF erzielte das System laut OpenAI 25 Nachweise für Informationslecks und 21 Exploits zur lokalen Rechteausweitung. Das Unternehmen entfernte den Schutzmechanismus SLAB_VIRTUAL aus der Konfiguration, weil er mit der verwendeten Kernel-Version nicht kompatibel war.
OpenAI analysierte außerdem eine Stichprobe von 166 durch Agenten erstellten Exploits. Nach bestem Wissen des Unternehmens kamen darin zehn neue Ausnutzungstechniken zum Einsatz. Diese habe man mit externen Fachleuten für Linux-Kernel-Exploits besprochen, für die die Techniken ebenfalls neu gewesen seien.
Menschliche Kontrolle und Weitergabe der Patches
Eine menschliche Überprüfung deckte bereits bei einem frühen Lauf ein Problem auf. Von 200 scheinbar erfolgreichen Exploits hatten laut OpenAI 20 Root-Rechte über eine andere, bislang unbekannte Schwachstelle erlangt als diejenige, die den Agenten zugewiesen worden war. Das Unternehmen verschärfte daraufhin die Aufgabenstellung und ergänzte eine Prüfung, ob der Exploit die vorgegebene Schwachstelle nutzte.
Während der zehn Tage, die der Scan und die manuelle Analyse beanspruchten, waren laut OpenAI bereits 61 der gefundenen Schwachstellen zur Rechteausweitung im Hauptzweig behoben worden. Für weitere 43 lagen Patches bereit; 299 wurden öffentlich gemeldet oder diskutiert.
Auf Empfehlung der Linux-Kernel-Community hat OpenAI bereits Hunderte Berichte und Patch-Vorschläge für kritische Schwachstellen verschickt. Mit Mitgliedern der Initiative Patch the Planet arbeitet das Unternehmen daran, die übrigen Korrekturen schrittweise weiterzugeben.



