OpenAI hat GPT-6 Cyber vorgestellt, ein Modell, das darauf trainiert wurde, ausnutzbare Sicherheitslücken innerhalb der von Forschenden gesetzten Grenzen zu finden und zu überprüfen. Über API und Codex ist es zunächst einer ausgewählten Gruppe zugelassener Daybreak-Red-Kunden zugänglich und soll sie bei autorisierten Sicherheitstests unterstützen.
Tests: Schwachstellen finden und ausnutzen
Im Test ExploitGym, der das Ausnutzen einer vorgegebenen Schwachstelle auf einem entfernten Ziel prüft, erreichte GPT-6 Cyber laut OpenAI 48,5 %. Das Vorgängermodell GPT-5.6 Cyber kam im selben Test auf 32,1 %.
OpenAI entwickelte außerdem einen Test für Penetrationsprüfungen von Webanwendungen, bei dem die Modelle keinen Zugriff auf deren Quellcode haben. GPT-6 Cyber fand dabei nach Angaben des Unternehmens 40,3 % der Schwachstellen, GPT-6 Astra 32,0 %.
Im ersten Test von RemoteExploitBench mit bekannten Schwachstellen in Anwendungen einer kontrollierten Umgebung löste GPT-6 Cyber laut OpenAI 95 % der Aufgaben. Der einzige Fehlschlag betraf einen Exploit, den das Modell nicht aus der Ferne zum Laufen brachte. GPT-6 Astra in der Konfiguration mit Daybreak Blue lehnte sämtliche Aufgaben ab.
Forschung zu Firefox und dem Linux-Kernel
Bei der Untersuchung von Firefox erstellte das Modell laut OpenAI Nachweise und reproduzierbare Tests für 81 neue Schwachstellen, die Mozilla als schwerwiegend einstufte. Zudem zeigte es, dass 30 weitere bekannte Probleme schwerwiegender waren als zuvor angenommen. OpenAI übermittelte Mozilla die Ergebnisse zusammen mit Vorschlägen für Korrekturen.
Bei Untersuchungen am Linux-Kernel reproduzierte das Modell laut OpenAI 1.724 Schwachstellen und entwickelte für 948 davon funktionsfähige Exploits. GPT-5.6 Sol erstellte in derselben Forschungsumgebung Exploits für 166 Schwachstellen.
OpenAI teilte mit, den Linux-Maintainern 304 kritische Befunde samt Korrekturvorschlägen gemeldet zu haben. Das Unternehmen arbeitet eigenen Angaben zufolge daran, weitere Schwachstellen beheben zu lassen.
Sicherheitsverhalten und Risikoeinstufung
Im isolierten Test ExploitGym Honeypot verzichtete GPT-6 Cyber laut OpenAI ohne den für den Einsatz vorgesehenen Sicherheitsprompt in 99,93 % der Fälle darauf, Dienste außerhalb des Auftrags anzugreifen. GPT-5.6 Cyber erreichte 94,49 %. Mit Sicherheitsprompt vermied das neue Modell solche Angriffe in 100 % der Fälle.
Auf Grundlage eigener Tests stufte OpenAI GPT-6 Cyber im Preparedness Framework für Cybersicherheit in die Kategorie Critical ein. GPT-5.6 Cyber gehörte zur Kategorie High. Für risikoreiche Arbeitsabläufe empfiehlt das Unternehmen die Ausführung in isolierten Umgebungen, die Überprüfung von Aktionen und menschliche Aufsicht.
Zugang über Daybreak Red
OpenAI plant, den Zugang zu GPT-6 Cyber schrittweise auf alle Daybreak-Red-Kunden auszuweiten. Der Dienst ermöglicht mit dem neuen Modell laut Unternehmen weitergehende Sicherheitsarbeit, darunter die Entwicklung funktionsfähiger Exploits und autorisierte Tests. Daybreak Blue hilft dagegen verifizierten Verteidigern, Schwachstellen und Korrekturen zu überprüfen.
Für zugelassene Verteidiger kritischer Infrastruktur führt OpenAI die Gruppe Daybreak Red for Critical Infrastructure ein. Sie ermöglicht autorisierte Tests kritischer Systeme unter Beibehaltung von Schutzmaßnahmen.
Für den API-Zugang zu Daybreak Red ist standardmäßig eine Liste erlaubter IP-Adressen erforderlich, die Anfragen mit begrenzten Ausnahmen auf zugelassene Netzwerke beschränkt. API-Kunden mit Zero Data Retention müssen in der Regel Private Safety Processing nutzen: Automatische Prüfungen verarbeiten verschlüsselte Datensätze, die 30 Tage im Datenspeicher des Kunden aufbewahrt werden, ohne Prompts und Antworten für OpenAI-Mitarbeitende zugänglich zu machen.



