Die Website TechCrunch veröffentlichte ein Interview mit Thibault Sottiaux, der bei OpenAI die Produktentwicklung leitet. Hauptthema war die neue Plattform ChatGPT Work, also der Versuch, Agenten aus der Programmierumgebung in die alltägliche Büroarbeit zu übertragen. Reporter Tim Fernholz fragte nach den Gründen, weshalb das Unternehmen diese Technologie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Außerdem interessierte ihn, wie Sottiaux sich die Bedienung solcher Werkzeuge vorstellt und wie mit Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der eigenen Daten umzugehen ist.
Der Mann, der die Limits zurücksetzt
Die Nutzer des Entwicklerwerkzeugs Codex kennen Sottiaux als denjenigen, der ihre Token-Limits jedes Mal erhöht, wenn das Produkt einen weiteren Wachstumsmeilenstein erreicht. Formell ist er Mitglied des technischen Teams von OpenAI, tatsächlich untersteht ihm jedoch der Großteil der Dienste, mit denen Kunden in Kontakt kommen. Dazu zählt er selbst die Entwicklerschnittstelle, die Infrastruktur für Agenten, Unternehmensprodukte, das klassische und das neue arbeitsorientierte ChatGPT sowie das Tool Codex.
Auf die Frage, ob er tatsächlich Greg Brockman unterstellt sei, antwortete er augenzwinkernd, dass bei OpenAI letztlich jeder Brockman Rechenschaft ablege.
Warum OpenAI ChatGPT Work vorantreibt
Laut Sottiaux ging es darum, ein Werkzeug, das für ein technisch versierteres Publikum entwickelt worden war, in eine Form zu überführen, die jeder sowohl auf dem Mobilgerät als auch im Browser nutzen kann. Genau deshalb nahm das Unternehmen die Arbeitsversion in das Plus-Abo für zwanzig Dollar monatlich auf. Der Manager hält den Nutzen, den der Anwender für diesen Preis erhält, für unvergleichlich größer.
Als Fernholz ihn nach dem wirtschaftlichen Motiv fragte, also nach der Notwendigkeit für OpenAI, die Nutzer in der eigenen Anwendung zu halten, lenkte Sottiaux den Blick auf den Mehrwert für den Kunden. Je mehr ihm das Werkzeug bringt, desto bereitwilliger wird er dafür bezahlen und desto selbstverständlicher wird ihm diese Zahlung von zwanzig Dollar erscheinen.
Den Nutzen der Plattform ChatGPT Work sieht er auch darin, wie die Öffentlichkeit über künstliche Intelligenz denkt. Codex wurde für ein Publikum entwickelt, das viele Fehler verzieh. Inzwischen sei die Technologie seiner Ansicht nach ausgereift genug, damit ein wesentlich größerer Personenkreis sie ausprobieren und feststellen könne, dass es nicht nur um Hilfe beim Schreiben oder um Ratschläge fürs Leben gehe. Künstliche Intelligenz könne mittlerweile nämlich auch komplexe Aufgaben für den Menschen erledigen.
Ein Modell, dem nichts im Weg stehen soll
Interessant war der Abschnitt über die Bedienung. Sottiaux behauptet, ein Designer solle dem Modell eher aus dem Weg gehen und es sich entfalten lassen, statt ihm Schaltflächen und Menüs vor die Füße zu stellen. Er möchte ein minimales Interface und ein hohes Maß an Intuitivität. Dabei verweist er auf die Sprachsteuerung von ChatGPT, die seit ihrer Einführung schnell wächst, weil Sprechen für Menschen natürlicher ist, als die Bedienung einer Anwendung zu erlernen.
Reporter Fernholz reagierte mit einer Anmerkung von Ethan Mollick von der Wharton School. Dieser erklärte, ChatGPT Work versuche, wie Magie zu wirken, während das konkurrierende Claude Cowork dem Nutzer Optionen anbiete und ihn entscheiden lasse. Sottiaux antwortete, die Welt sei für einen solchen Ansatz offensichtlich bereit, was er mit dem jüngsten Meilenstein von zwanzig Millionen Nutzern belegte.
Die Produktentwicklung beschreibt er als Entdeckungsprozess. Während sich die Fähigkeiten der Modelle weiterentwickeln, entdeckt das Entwicklerteam selbst deren neue Möglichkeiten und konzentriert sich anschließend auf diese. Als Beispiel nannte er GPT-5.6, das seiner Ansicht nach deutliche Fortschritte bei alltäglichen beruflichen Aufgaben erzielt habe, also bei der Verarbeitung größerer Dokumentenmengen, der Erstellung hochwertiger Präsentationen und Berichte sowie bei tiefergehenden Recherchen.
Token, Preise und Zugriff auf E-Mails
Auf die Frage, ob Abonnenten des Plus-Tarifs wegen der Menge der verbrauchten Token ein schlechtes Gewissen haben sollten und ob sich die Finanzvorstände von Unternehmen Sorgen machen müssten, erinnerte Sottiaux an die Preissenkung beim Modell Luna um achtzig Prozent. Er bezeichnete sie als dauerhafte Korrektur und erklärte, dass das heutige Leistungsniveau schrittweise günstiger werde. In einem halben Jahr sollte ein Nutzer dasselbe mit geringeren Ausgaben bewältigen können.
Die letzte Frage bezog sich auf Bedenken, einem solchen Agenten Zugriff auf die eigene E-Mail zu gewähren, wofür OpenAI gerade eine Anbindung bereitgestellt hat. Sottiaux antwortete, man müsse Modelle auswählen, die sicher seien und das täten, was der Nutzer von ihnen verlange. Seinen Angaben zufolge investiere das Unternehmen umfangreiche Mittel in die Sicherheit und veröffentliche regelmäßig entsprechende Messwerte.
Quelle: techcrunch.com



