Musk enthüllt Plan für eine Million Weltraum-Rechenzentren

Musk enthüllt Plan für eine Million Weltraum-Rechenzentren

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
12. 6. 2026
4 Minuten Lesezeit
Musk enthüllt Plan für eine Million Weltraum-Rechenzentren

Elon Musk hat der Welt den bisher detailliertesten Einblick in einen Satelliten gewährt, der als Rechenzentrum im Orbit dienen soll. SpaceX nennt ihn AI1 und plant, bis zu eine Million davon ins All zu schicken. Es wird der größte Satellit sein, den das Unternehmen je gestartet hat. SpaceX geht noch in dieser Woche mit einer Bewertung von rund 1,75 Billionen Dollar an die Börse, womit der Börsengang zum größten in der Geschichte wird.

Über 70 Meter breite Flügel und Leistung für Tausende Chips

In einem halbstündigen Video, das am Montag auf der Plattform X veröffentlicht wurde, enthüllte Musk die technischen Parameter des Geräts. Der Satellit wird 20 Meter hoch sein, und seine Solarpaneele werden sich über eine Breite von 70 Metern erstrecken. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr der Länge eines Fußballfeldes. Im Inneren befindet sich ein Rack voller Chips für künstliche Intelligenz, die von eben diesen riesigen Solarpaneelen mit Energie versorgt werden. Überschüssige Wärme wird durch Flüssigkeitsradiatoren abgeführt. Den veröffentlichten Angaben zufolge soll der Satellit eine durchschnittliche Rechenleistung von 120 Kilowatt und in der Spitze 150 Kilowatt erreichen.

Musk bezeichnete den gesamten Entwurf als „Arbeitsversion 1“. Mit anderen Worten: Die endgültige Form kann sich noch ändern. Die Grundlage bilden jedoch Technologien, die SpaceX seit Jahren bei den Starlink-Satelliten optimiert.

Kann ein Rechenzentrum im Weltraum einfacher sein als ein Internetsatellit? Musk behauptet, dass dies der Fall sei. „Ein KI-Satellit besteht im Wesentlichen aus vielen Solarzellen, einem Radiator und einigen Laserverbindungen. Man braucht jedoch nicht all die extrem komplexen Antennen, über die Starlink verfügt“, erklärte er im Video. „Wenn man zwischen den beiden wählen müsste, ist der KI-Satellit einfacher zu konstruieren.“

Der Haken liegt woanders. Datensatelliten müssen deutlich größer sein als Starlink-Satelliten. Und genau hier kommt die neue Fabrik ins Spiel.

Die Solarpaneele werden im texanischen Bastrop gefertigt, wo SpaceX bereits heute Nutzerterminals für Starlink produziert. Der Gigasat genannte Komplex wird auf mehr als 11 Millionen Quadratfuß, also über eine Million Quadratmeter, erweitert. Die Produktion der Solarpaneele läuft bereits, und laut Musk soll die gesamte Fabrik bis Ende nächsten Jahres in einem „ordentlichen Umfang“ produzieren.

Die Chips für die ersten Satelliten wird Nvidia liefern, wie der Finanzvorstand von SpaceX, Bret Johnsen, bestätigte. Später sollen sie durch spezielle strahlungsresistente Halbleiter aus der Terafab-Fabrik ersetzt werden, die SpaceX gemeinsam mit Tesla und Intel errichtet. Sie soll etwa zehnmal größer werden als Teslas größtes Werk in Austin.

Eine Million Satelliten und Sorgen wegen Weltraumschrott

Der Plan sieht den Start von bis zu einer Million Satelliten vor. Die US-Telekommunikationsbehörde FCC hat den entsprechenden Antrag von SpaceX bereits angenommen. Der Schlüssel zu einem derart massiven Einsatz soll die Starship-Rakete sein, die künftig mehrmals pro Stunde starten soll.

Was sagen die Kritiker dazu? Sie nennen am häufigsten das Risiko von Weltraumschrott und des sogenannten Kessler-Syndroms, bei dem Satellitenkollisionen eine Kettenreaktion aus Trümmern auslösen würden. Musk weist die Einwände mit Verweis auf die Größenverhältnisse zurück. Selbst eine Million Satelliten stellten ihm zufolge nur einen vernachlässigbaren Bruchteil des verfügbaren orbitalen Raums dar. SpaceX setzt bei Starlink zudem eine automatische Kollisionsvermeidung ein und konstruiert die Satelliten so, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer in der Atmosphäre verglühen.

Musk sieht in der Datenverarbeitung im Orbit noch mehr. Die Verlagerung energieintensiver Rechenzentren von der Erde weg ist ihm zufolge ein Schritt hin zur Nutzung eines deutlich größeren Anteils der Sonnenenergie und bringt die Menschheit auf der Kardaschow-Skala voran, die den Entwicklungsstand von Zivilisationen anhand der Energiemenge misst, die sie nutzbar machen können.

Der Börsengang entscheidet über alles

Orbitale Rechenzentren bilden den Kern, mit dem SpaceX vor seinem Börsengang Investoren anlockt. In den Unterlagen gibt das Unternehmen an, dass sein gesamter adressierbarer Markt einen Wert von 28,5 Billionen Dollar habe, wovon 26,5 Billionen auf künstliche Intelligenz entfielen.

Dabei setzt SpaceX nicht nur auf eigene Dienstleistungen. Nach dem diesjährigen Zusammenschluss mit Musks Unternehmen xAI schloss es Vereinbarungen mit Anthropic und Google, denen es Zugang zu seinen Rechenzentren und Chips verkaufen wird. xAI hat sich zudem mit dem Startup Cursor auf eine mögliche Übernahme und Zusammenarbeit bei der Programmierung mithilfe künstlicher Intelligenz verständigt.

Quellen: businessinsider.com, teslarati.com und space.com

Kategorie:KI
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