Meta wird in der ersten Hälfte des kommenden Jahres damit beginnen, in seinen Rechenzentren einen eigenen Chip für künstliche Intelligenz einzusetzen. Er heißt MTIA 450, wird unternehmensintern Arke genannt und kann laut Meta pro Watt Strom und pro ausgegebenem Dollar mehr Arbeit leisten als die Chips, die Nvidia derzeit anbietet. Zugleich beschrieb das Unternehmen erstmals die nächste Generation mit dem Codenamen Astrid und räumte ein, einen zuvor geplanten Chip eingestellt zu haben.
Die ersten Exemplare aus Taiwan
Meta kündigte bereits 2023 an, eigene Chips zu entwickeln. Die Entwürfe entstehen gemeinsam mit Broadcom, gefertigt werden sie vom taiwanischen Unternehmen TSMC. Im September trafen die ersten zwölf Arke-Exemplare aus der Produktion bei Meta ein, und die Ingenieure begannen sofort mit den Tests.
Die Ergebnisse wichen nur um zwei bis drei Prozent von den Computersimulationen ab. Für einen völlig neuen Chip ist das eine sehr gute Nachricht. Gleich am ersten Tag ließen die Techniker darauf nicht nur Metas eigene Modelle laufen, sondern auch Modelle der chinesischen Unternehmen DeepSeek und Alibaba.
Yee Jiun Song, Leiter des Programms für eigene Chips und Vice President für Entwicklung, sagte zu den neuen Generationen, dass jede weitere ein etwas größeres technologisches Risiko mit sich bringe und zugleich eine bessere Leistung biete. Damit meint er ein besseres Verhältnis der Leistung sowohl zum Energieverbrauch als auch zum Preis.
Wofür Arke bestimmt ist
Arke ist kein Chip, der beim Training großer Modelle mit den leistungsstärksten Prozessoren von Nvidia konkurrieren soll. Das Training ist die teure und anspruchsvolle Phase, in der das Modell erst lernt. Arke ist für das zuständig, was danach kommt, also für den regulären Betrieb. Wenn ein Nutzer etwas in einen Chat schreibt oder wenn ihm in einer Anwendung Inhalte zusammengestellt werden, muss das fertige Modell antworten. Dieser Prozess wird Inferenz genannt, und Meta führt ihn täglich milliardenfach durch.
Alle Generationen der MTIA-Reihe setzen auf schnellen Speicher mit hoher Bandbreite, der den Chip schnell genug mit Daten versorgen kann, damit keine Leerlaufzeiten entstehen. Keine von ihnen zielt dabei auf die schnellsten Formen der Inferenz ab, bei denen Sekundenbruchteile entscheidend sind. Meta konzentriert sich auf den regulären, alltäglichen Betrieb in großem Umfang. Diese Chips sollen zum wichtigsten Werkzeug des Unternehmens für allgemeine Inferenz werden.
Vierte Generation in Vorbereitung
Die vierte Generation trägt die Bezeichnung MTIA 500 und den Codenamen Astrid. Die Entwicklungsarbeiten daran sollen in etwa einem Monat abgeschlossen sein, und gegen Ende 2027 soll sie in den Rechenzentren eintreffen. Meta plant, Astrid in deutlich größeren Stückzahlen als Arke einzusetzen, sodass dieser Chip die Hauptlast des Betriebs tragen soll.
Bei der Feinabstimmung hilft auch ein Team der Meta Superintelligence Labs. Es liefert Einschätzungen dazu, welche Anforderungen die Modelle haben werden, die das Unternehmen erst noch entwickelt, damit die Hardware an die Software angepasst werden kann, noch bevor diese überhaupt entsteht.
Einstellung des Olympus-Chips
Meta arbeitete ursprünglich an einem Chip mit dem Codenamen Olympus, der beides beherrschen sollte, also Training und Inferenz. Er sollte irgendwann in den Jahren 2028 oder 2029 auf den Markt kommen. Das Unternehmen stoppte das Projekt und setzte alles auf Chips, die ausschließlich für die Inferenz bestimmt sind. Ausschlaggebend waren die Kosten.
Ein Chip, der beides beherrscht, wäre Song zufolge rund 30 Prozent teurer. Bei einem üblichen Volumen ließe sich das tolerieren, doch Meta baut Kapazitäten in der Größenordnung von Gigawatt auf. Wenn man beginnt, Gigawatt um Gigawatt an Kapazität aufzubauen, spielen die Kosten wirklich eine Rolle, sagte Song. Ein Aufpreis von 30 Prozent sei in einem solchen Maßstab seiner Ansicht nach völlig inakzeptabel.
Was sich Meta von eigenem Silizium verspricht
Ein Chip, der exakt für die eigenen Modelle und Server entwickelt wurde, muss keine zusätzlichen Funktionen beherrschen und kann deshalb günstiger und energieeffizienter sein. Meta hat sich verpflichtet, in jedem Zwölfmonatszeitraum eigene Chips mit einem Gesamtverbrauch von mehr als einem Gigawatt einzusetzen, und Song deutete an, dass das Tempo danach noch weiter steigen werde.
Der zweite Vorteil ist die Kontrolle. Das Unternehmen kann die Hardwareentwicklung danach ausrichten, welche Modelle es vorbereitet, und muss nicht darauf warten, was ihm ein anderer Anbieter wann liefert. Zugleich verringert sich dadurch die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten.
Nvidia wird dadurch jedoch nicht vom Markt verdrängt. Meta wird dessen Prozessoren weiterhin kaufen, weil es sie nach wie vor für das Training der neuesten Modelle und für die anspruchsvollsten Aufgaben benötigt. Der Sinn dieser Strategie besteht darin, die teuren universellen Grafikchips für Arbeiten einzusetzen, bei denen sie sich wirklich lohnen, und den vorhersehbaren regulären Betrieb auf eigene Hardware zu verlagern.
Quelle: bloomberg.com



