Zuckerbergs Unternehmen will, dass Wearables nicht länger nur ein teures Experiment bleiben, sondern echte Einnahmen generieren. Im Zentrum dieses Plans steht ein Gerät, das man am Hemd befestigt oder um den Hals hängt. Es soll sich um einen KI-Anhänger handeln, der den ganzen Tag mithört, was man sagt, und daraus anschließend eine Übersicht erstellt.
Das Portal The Information erhielt als Erstes Einblick in ein internes Dokument, das von Alex Himel verfasst wurde, dem für Wearables zuständigen Vizepräsidenten von Meta. Was geht aus dem Bericht hervor? Meta will bis zur zweiten Jahreshälfte 2026 zehn Millionen Wearables verkaufen. Das Unternehmen beabsichtigt, sein Angebot an Smart Glasses zu erweitern, ein Abonnement für Geschäftskunden einzuführen und zugleich den besagten Anhänger zu testen.
Die Geschichte dieses Geräts begann noch bevor Meta überhaupt mit seiner Entwicklung begann. Ende 2025 kaufte das Unternehmen das Start-up Limitless, das ein Gerät in Form eines Clips namens Pendant, wörtlich übersetzt also Anhänger, verkaufte. Der Nutzer befestigte es an seiner Kleidung, das Gerät zeichnete alles in seiner Umgebung auf und erstellte daraus anschließend Transkripte, Zusammenfassungen und eine durchsuchbare Datenbank des gesamten Tages.
Der damalige Chef von Limitless, Dan Siroker, erklärte beim Verkauf, dass Metas Vision einer „persönlichen Superintelligenz“ durch Wearables genau dem entspreche, woran sein Team gearbeitet habe. Meta beschrieb die Übernahme damals als eine Möglichkeit, die Entwicklung „intelligenter Wearables mit KI“ zu beschleunigen.
Vier neue Brillenmodelle und ein Abonnement für Unternehmen
Der Anhänger ist jedoch nicht das Einzige, woran Meta arbeitet. Der Bericht erwähnt vier neue Modelle von Smart Glasses, die bis Ende dieses Jahres erscheinen sollen. Die Arbeitsnamen? Modelo, Luna, RMB2 Refresh und Mojito VIP. Beim dritten Modell handelt es sich offenbar um die nächste Generation der Ray-Ban-Brille, zu den übrigen drei schweigt sich das Unternehmen bislang aus.
Dabei ist das Unternehmen auf dem Gebiet der Smart Glasses keineswegs ein Neuling. Im Jahr 2025 verkaufte es mehr als sieben Millionen KI-Brillen von Ray-Ban und hält rund 82 Prozent des gesamten Smart-Glasses-Marktes. Im Frühjahr kamen zwei neue Modelle speziell für Brillenträger hinzu, Blayzer und Scriber, zu Preisen ab 499 Dollar. Eine Grundlage ist also vorhanden.
Neben der Hardware bereitet Meta auch einen neuen Dienst namens Wearables for Work vor. Dabei soll es sich um ein Abonnement für Geschäftskunden handeln, das Funktionen wie die Transkription von Besprechungen oder die Anbindung an Arbeitsplattformen bieten soll. Das ist keine Überraschung. Meta führte zur gleichen Zeit kostenpflichtige Tarife für Verbraucher auf Instagram und WhatsApp ein. Hardware ohne wiederkehrende Einnahmen wirft nicht genug ab.
Der Friedhof der KI-Gadgets
Tragbare KI-Geräte haben ihren eigenen Friedhof. Der Humane AI Pin verbrannte Hunderte Millionen Dollar und wurde eingestellt. Der Rabbit R1 verschwand sang- und klanglos. Warum sollte es bei Meta anders sein?
Metas Position unterscheidet sich strukturell von diesen früheren Versuchen. Das Unternehmen betritt einen unerprobten Markt nicht mit leeren Händen. Es verfügt über ein funktionierendes Geschäft, über Kunden, die tatsächlich Smart Glasses tragen, und über eine Partnerschaft mit EssilorLuxottica, dem Hersteller von Ray-Ban- und Oakley-Brillen. Der Anhänger beginnt nicht bei null, sondern baut auf etwas auf, das die Menschen bereits bereitwillig kaufen. Mashable merkte dazu etwas sarkastisch an, dass bald alles, was man am Körper trägt, von Meta hergestellt werde.
Dieser ganze Optimismus muss jedoch im Kontext von Zahlen betrachtet werden, die weniger erfreulich sind. Die Sparte Reality Labs, zu der die Wearables gehören, verzeichnete allein im ersten Quartal 2026 bei einem Umsatz von knapp 400 Millionen Dollar einen Verlust von mehr als vier Milliarden Dollar. Seit ihrer Gründung haben sich die Verluste von Reality Labs auf fast 80 Milliarden Dollar summiert.
Der Anhänger, die Brillen und auch das Abonnement für Unternehmen müssen beweisen, dass KI-Wearables etwas sind, das die Menschen tatsächlich ständig bei sich tragen wollen. Und das andere Menschen in ihrer Umgebung zu tolerieren bereit sind.
Quellen: techfundingnews.com und mashable.com



