Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, plant, im Mai rund 8.000 Mitarbeiter zu entlassen, also etwa 10 % seiner weltweiten Belegschaft. Und das ist erst der Anfang. Eine weitere Kürzungswelle soll in der zweiten Jahreshälfte folgen. Wie weit wird das gehen?
Laut drei mit den Plänen der Unternehmensführung vertrauten Quellen der Nachrichtenagentur Reuters hat Meta den 20. Mai als Termin für die erste Entlassungswelle festgelegt. Das Unternehmen beschäftigt fast 79.000 Menschen, und die erste Runde wird rund 8.000 von ihnen betreffen. Die Details der zweiten Welle, also weder das genaue Datum noch der Umfang, stehen bislang endgültig fest. Die Führung wolle sich Spielraum lassen, um auf die Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz zu reagieren. Meta lehnte eine Stellungnahme zu den Plänen ab. Ein Sprecher bestätigte oder dementierte auch den Umfang der geplanten Kürzungen nicht.
Es handelt sich um die größten Entlassungen seit 2022, als Meta im Rahmen des sogenannten „Jahres der Effizienz“ mehr als 21.000 Stellen strich. Damals hatte das Unternehmen mit einem Kurssturz und einer Krise nach der Überhitzung während der Pandemie zu kämpfen. Diesmal ist die Situation anders. Meta erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 200 Milliarden Dollar und einen Gewinn von rund 60 Milliarden Dollar. Die Entlassungen dienen diesmal nicht als Notbremse, sondern sind eine rein strategische Entscheidung.
Die Einsparungen durch die Entlassungen sollen die KI-Infrastruktur finanzieren
Meta plant, 2026 115 bis 135 Milliarden Dollar für Infrastruktur im Bereich der künstlichen Intelligenz auszugeben. Dazu gehören Rechenzentren, Grafikprozessoren, Netzwerke und eigene Chips. Verglichen mit den rund 72 Milliarden des Vorjahres ist das fast eine Verdoppelung. Und irgendwoher muss dieses Geld kommen.
Zuckerberg sagt es offen: 2026 ist das Jahr, in dem künstliche Intelligenz unsere Arbeitsweise dramatisch verändern wird. Projekte, für die früher Dutzende Menschen erforderlich waren, kann heute eine einzelne talentierte Person mithilfe von KI-Werkzeugen bewältigen. Kleinere Teams und mehr autonome Agenten anstelle von Mitarbeitern. Meta baut außerdem eine neue Abteilung namens Applied AI auf, in die Ingenieure aus dem gesamten Unternehmen versetzt werden. Ziel sind autonome KI-Agenten, die Code schreiben und komplexe Aufgaben selbstständig erledigen können. Zudem wurde die Einheit Meta Small Business gegründet, in die das Unternehmen einen Teil der Beschäftigten aus wegfallenden Positionen versetzt.
Langfristig spricht das Unternehmen offen von Investitionen von bis zu 600 Milliarden Dollar in die amerikanische KI-Infrastruktur bis 2028. Ein solcher Schritt erfordert logischerweise, dass an anderer Stelle gespart wird.
Noch im März schrieb das Unternehmen rund 800 offene Stellen aus. Derzeit sind auf der Website noch sieben zu finden. Ein Sprecher lehnte es ab, sowohl das Verschwinden der Stellenanzeigen als auch die Entlassungspläne zu kommentieren.
Überwachung der Mitarbeiter: jeder Klick, jeder Tastenanschlag
Neben den Entlassungen sorgte eine weitere Nachricht bei den Mitarbeitern für Überraschung. Meta kündigte ihnen die Einführung eines neuen Werkzeugs namens Model Capability Initiative (MCI) an. Es wird auf den Firmencomputern und in internen Anwendungen laufen und Mausbewegungen, Tastenanschläge sowie allgemein die Arbeitsweise der Mitarbeiter aufzeichnen. Der Zweck? Modelle künstlicher Intelligenz zu trainieren. Meta will Agenten entwickeln, die Menschen bei alltäglichen Computeraufgaben unterstützen. Dafür benötigt das Unternehmen reale Beispiele dafür, wie Menschen mit Computern umgehen.
Ein Meta-Sprecher versicherte der BBC, dass die Daten ausschließlich zum Trainieren von Modellen und zu keinem anderen Zweck verwendet würden. Das System enthalte Schutzmechanismen für sensible Inhalte. Der Zugriff auf die Aktivitäten der Mitarbeiter auf firmeneigenen Geräten war technisch bereits früher möglich, doch die gezielte Überwachung zum Zweck des KI-Trainings ist neu.
Die Mitarbeiter sehen das anders. Einer von ihnen, der anonym bleiben wollte, bezeichnete es als „sehr dystopisch“. Ein Unternehmen, das zugleich weitere Entlassungen plant, wird nun jede Bewegung der verbleibenden Mitarbeiter aufzeichnen. Einem anderen Mitarbeiter zufolge, der Meta vor Kurzem verlassen hat, ist das nur „eine weitere Möglichkeit, wie das Unternehmen einem KI mit Gewalt aufzwingt“.
Aktie legt kräftig zu
Die Märkte reagierten überraschend positiv auf die Nachricht über die Entlassungen. Die Meta-Aktie stieg nach Bekanntwerden der Pläne um 5,7 %. Seit Jahresbeginn liegt sie rund 3,7 % im Plus, erreicht jedoch nicht das Rekordhoch des vergangenen Jahres.
Analysten von Simply Wall St schätzen, dass Meta bis 2028 einen Umsatz von 275,9 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 92,1 Milliarden Dollar erzielen könnte. Den fairen Wert der Aktie beziffern sie auf 835 Dollar, was gegenüber dem aktuellen Kurs einem Anstieg um etwa ein Viertel entspräche.
Gerade diese Kombination motiviert die Anleger: massive Investitionen in KI-Infrastruktur, finanziert durch Entlassungen und den Übergang zu kleineren, effizienteren Teams. Das Risiko besteht darin, dass die Ausgaben die Einnahmen übersteigen könnten. Die pessimistischen Szenarien der Analysten gehen bis 2029 von einem Umsatz von nur 321,6 Milliarden Dollar aus, während die Kosten die Margen weiter unter Druck setzen könnten.
Die Entlassungen bei Meta sind kein Einzelfall. Amazon hat in den vergangenen Monaten mehr als 30.000 Unternehmensmitarbeiter entlassen, also fast 10 % seiner Angestellten. Block, ein Anbieter digitaler Zahlungen, strich im Februar fast der Hälfte seines Teams die Stellen. In beiden Fällen brachte die Unternehmensführung die Kürzungen mit Effizienzsteigerungen durch künstliche Intelligenz in Verbindung. Insgesamt haben in diesem Jahr weltweit bereits mehr als 73.000 Menschen im Technologiesektor ihre Arbeit verloren. Im gesamten Jahr 2024 waren es rund 153.000.
Llama, Muse Spark und der Wettstreit mit OpenAI
Zuckerberg will nicht nur sparen. Er will das KI-Rennen gewinnen. Meta setzt die Entwicklung der Llama-4-Modelle fort und bereitet Llama 4.5 vor. In diesem Jahr brachte das Unternehmen Muse Spark auf den Markt, das erste Spitzenmodell der Meta Superintelligence Labs. Es handelt sich um ein multimodales Modell mit Schlussfolgerungsvermögen, Werkzeugnutzung und der Koordination mehrerer Agenten. Es ist das erste Meta-Modell, das nicht als Open Source veröffentlicht wurde. Muse Spark ist ausschließlich in Unternehmensprodukten und über eine private API verfügbar. Bei Benchmarks liegt es bislang hinter Google, Anthropic und OpenAI, doch die Architektur ist Experten zufolge auf Augenhöhe.
Metas Strategie ist klar: Open-Source-Modelle (Llama) für die Community und Entwickler, geschlossene Modelle zur Monetarisierung. Meta plant eine kostenpflichtige API für Premium-Modelle, während die offenen Modelle das Interesse der Entwickler aufrechterhalten und das Fundament bilden.



