Seit der Entstehung der künstlichen Intelligenz wird darüber spekuliert, dass sie den Menschen in vielen Bereichen ersetzen wird. Experten zufolge gehört das Bankwesen zu den Branchen, in denen KI das Ruder übernehmen könnte. Laut einer Analyse von Morgan Stanley soll dies in den kommenden Jahren bis zu 200 000 Arbeitsplätze bei europäischen Banken betreffen. KI soll nämlich die Arbeit unterschiedlichster Beschäftigter übernehmen und deren Produktivität sogar übertreffen.
US-Banken melden bereits Veränderungen
Laut der Nachrichtenagentur Reuters beobachten bereits mehrere Finanzinstitute positive Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf den Bankensektor in den USA. Marianne Lake von JP Morgan Chase erklärt, dass die Einführung von KI-Tools in dieser Branche zu einem sichtbaren Produktivitätsanstieg führt und sich zu einer der wichtigsten Technologien für diesen Bereich entwickelt. Den Analyseergebnissen zufolge hat sich die Produktivität in einigen Bereichen laut Marianne Lake sogar verdoppelt.
Ähnlich beurteilt die Situation auch Charlie Scharf, Vorstandsvorsitzender der Bank Wells Fargo. Er erklärt, dass es zwar bislang nicht zur Entlassung einer großen Zahl von Beschäftigten komme, man jedoch mit weniger Personal deutlich mehr Arbeit erledigen könne als bisher.
Massenentlassungen oder eine neue Form von Arbeitsplätzen?
Obwohl Banken bereits KI-Tools integrieren und es bislang nicht zu einem großen Personalabbau gekommen ist, zeichnen die Prognosen von Experten ein anderes Bild. Laut einem Bericht auf der Website Fortune, der von CityGroup erstellt wurde, weisen 54 % der Arbeitsplätze im Finanzsektor ein hohes Potenzial für KI-Automatisierung auf, ein höherer Anteil als in anderen Branchen.
KI wird im Bankwesen nämlich nicht nur zur Automatisierung von Routineaufgaben eingesetzt, sondern auch zur Datenanalyse, Betrugserkennung und Personalisierung von Dienstleistungen für Kunden. Forschungen zum Einsatz von KI im Bankwesen bestätigen, dass diese Technologien beispielsweise Kreditrisiken schneller analysieren oder verdächtige Transaktionen schneller identifizieren können als herkömmliche Systeme.
Andere Experten sehen die Zukunft der KI im Bankwesen jedoch positiver. Laut dem globalen Unternehmen Accenture, das sich mit Geschäftsstrategien und digitalen Technologien befasst, könnte KI in dieser Branche im Gegenteil neue Arbeitsplätze schaffen. Den Angaben des Unternehmens zufolge erwarten 76 % der Banken eine höhere Zahl an KI-Fachkräften. Mit dem wachsenden Einfluss der KI auf das Bankwesen wird es nämlich notwendig sein, sich auf neu entstehende Bereiche wie KI-Regulierung und -Ethik oder eine umfassendere Cybersicherheit zu konzentrieren.
KI als wichtigste Investition
Da KI die Einnahmen der Banken steigern und ihre langfristigen Kosten senken kann, wird die Investition in KI-Technologien bereits jetzt für viele Institute zur obersten Priorität. Laut der Nachrichtenagentur Reuters plant beispielsweise die Bank of America schon jetzt, Milliarden Dollar für Technologien auszugeben, die ihr dabei helfen können, höhere Gewinne zu erzielen. Nur so könne sie angeblich mit der Konkurrenz Schritt halten und schnell auf Marktveränderungen reagieren.
Was bedeutet das für Kunden und Beschäftigte?
Gewöhnliche Kunden werden die Veränderungen wahrscheinlich nicht einmal unmittelbar bemerken. Im Kundensupport ist künstliche Intelligenz nämlich bereits völlig alltäglich. Größere Auswirkungen wird dies jedoch auf Beschäftigte haben, deren Arbeit sich mithilfe von KI leicht automatisieren lässt.
In den kommenden Jahren werden wir uns daher wahrscheinlich auf einen Wandel der Beschäftigungsstruktur vorbereiten und in der Lage sein müssen, uns an völlig neue Bereiche und Positionen anzupassen. Laut einer Analyse von Morgan Stanley für die Financial Times werden vor allem Beschäftigte im Backoffice oder im Risikomanagement gefährdet sein. KI-Algorithmen können die erforderlichen Unterlagen nämlich schneller und effizienter als ein Mensch auswerten, und zwar um bis zu 30 %.
Quelle: TechCrunch, Reuters, Fortune



