KI erkennt Krebs früher als Ärzte: Eine Revolution in der Diagnostik
Krebs ist eine der schwerwiegendsten Gesundheitsbedrohungen der Gegenwart. Laut den Statistiken des amerikanischen National Cancer Institute ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2020 wurden etwa 1,8 Millionen neue Fälle und 606.520 Krebstodesfälle verzeichnet. Es wird erwartet, dass die Zahl der neuen Krebsfälle bis 2050 auf 28,4 Millionen pro Jahr und die Zahl der Krebstodesfälle auf 15,3 Millionen ansteigen wird. Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung, und genau hier kommt künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel, die die Regeln bei der Diagnose dieser tückischen Krankheit verändert.
KI in der Krebsdiagnostik: Schnellere und präzisere Ergebnisse
Herkömmliche Diagnosemethoden wie Biopsien, bildgebende Untersuchungen oder Bluttests sind oft invasiv und zeitaufwendig und können Krebs manchmal nicht im Frühstadium erkennen. Neue Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz geben jedoch Anlass zur Hoffnung, was die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Krebserkennung betrifft. In Japan ist es gelungen, ein System zu entwickeln, das Krebs schneller als Ärzte diagnostizieren kann. Dafür genügt ein einfacher Urintest, der nicht nur nichtinvasiv, sondern auch sehr schnell ist. Die Ergebnisse liegen innerhalb weniger Stunden vor, während herkömmliche Methoden Tage bis Wochen dauern können. Künstliche Intelligenz analysiert Urinproben und sucht nach spezifischen Biomarkern, die auf das Vorhandensein von Krebs hinweisen. Diese Methode ist nicht nur schneller, sondern auch schonender für die Patienten, da sie keine schmerzhaften Eingriffe erfordert.
Craif: Japanische Plattform zur Früherkennung von Krebs
Eines der bedeutendsten Beispiele für den Einsatz von KI in der Krebsdiagnostik ist das japanische Unternehmen Craif. Craif hat eine nichtinvasive Plattform zur Früherkennung von Krebs entwickelt, die Urinanalysen nutzt. Diese Technologie basiert auf dem Nachweis kleiner Moleküle, die als Mikro-RNAs bezeichnet werden und mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung stehen. Zu den sieben Krebsarten, die diese Technologie erkennen kann, gehört beispielsweise Lungenkrebs, der eine der häufigsten und gefährlichsten Formen bösartiger Erkrankungen ist. Außerdem zählt Brustkrebs dazu, der vor allem Frauen betrifft und bei dem eine frühzeitige Erkennung die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich erhöht. Die Methode von Craif kann auch Darmkrebs erkennen, der häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird. Eine weitere Krebsart ist Blasenkrebs, dessen frühzeitige Erkennung für eine wirksame Behandlung entscheidend ist. Die Technologie ist außerdem in der Lage, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu identifizieren, der für seinen schnellen Verlauf und seine schwierige Erkennung bekannt ist. Zu den weiteren erkennbaren Krebsarten gehören Eierstockkrebs, der bis zu fortgeschrittenen Stadien häufig symptomlos bleibt, und Magenkrebs, der in vielen Fällen spät entdeckt wird. Künstliche Intelligenz analysiert riesige Datenmengen und kann Muster identifizieren, die dem menschlichen Auge entgehen würden. Das Unternehmen Craif erhielt im April 2025 eine Investition in Höhe von 22 Millionen US-Dollar, was das große Interesse der Investoren an dieser Technologie belegt. Die Craif-Plattform ist in der Lage, mehrere Krebsarten in einem frühen Stadium zu erkennen, wodurch sich die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich erhöhen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Test nichtinvasiv ist und ohne Belastung für den Patienten wiederholt durchgeführt werden kann.
Avantect: Test zur Erkennung mehrerer Krebsarten
Ein weiteres bedeutendes Projekt im Bereich der KI-Diagnostik ist der Avantect Multi-Cancer Detection Test des Unternehmens ClearNote Health. Die Avantect-Methode stellt einen innovativen Ansatz zur frühzeitigen Krebserkennung mithilfe der Analyse zirkulierender zellfreier DNA (cfDNA) aus einer gewöhnlichen Blutprobe dar. Der Avantect-Test wurde in erster Linie für Personen mit einem hohen Krebsrisiko entwickelt, beispielsweise für Menschen über 50 Jahre mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes oder mit einer genetischen Belastung beziehungsweise familiären Vorgeschichte von Bauchspeicheldrüsen- oder Eierstockkrebs. Diese Modifikation steht mit der Regulierung der Genexpression in Verbindung, und ihre Veränderungen können auf das Vorhandensein von Tumorprozessen hinweisen. Mithilfe der Sequenzierung des gesamten Genoms und maschinellen Lernens (machine learning) ist der Test in der Lage, abnormale Signale zu identifizieren, die für bestimmte Krebsarten typisch sind, beispielsweise Bauchspeicheldrüsen- oder Eierstockkrebs. Der Test erfordert lediglich eine gewöhnliche Blutabnahme, wodurch er zu einer nichtinvasiven und leicht durchführbaren Methode wird. Die entnommene Probe wird an ein zertifiziertes Labor von ClearNote Health geschickt, wo eine detaillierte Analyse der cfDNA erfolgt. Das Ergebnis ist ein qualitativer Bericht, der darüber informiert, ob im Blut ein mit Krebs verbundenes abnormales Signal erkannt wurde oder nicht. Das Testergebnis wird als „abnormales Signal erkannt“ oder „abnormales Signal nicht erkannt“ angegeben. Im Falle eines positiven Befunds wird empfohlen, gemäß den geltenden klinischen Leitlinien (z. B. AGA/NCCN) weitere Untersuchungen durchzuführen, etwa bildgebende Verfahren oder eine Biopsie. Der Avantect-Test ist nicht als endgültiges Diagnoseinstrument vorgesehen, sondern als Hilfsmittel zur frühzeitigen Erkennung eines Risikos und zur Weiterleitung des Patienten zu weiteren Untersuchungen.
Vorteile und Zukunft der KI in der Krebsdiagnostik
Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Krebsdiagnostik bringt mehrere entscheidende Vorteile:
- Schnelligkeit: KI kann Proben innerhalb weniger Stunden analysieren, während herkömmliche Methoden Tage bis Wochen dauern können.
- Genauigkeit: Dank ihrer Fähigkeit, riesige Datenmengen zu analysieren und subtile Muster zu erkennen, ist KI häufig genauer als ein menschlicher Arzt.
- Nichtinvasivität: Tests auf Urin- oder Blutbasis sind schonend für die Patienten und können wiederholt durchgeführt werden.
- Möglichkeit der Früherkennung: KI kann Krebs in frühen Stadien erkennen, wenn die Heilungschancen am höchsten sind.
Nach Angaben des National Cancer Institute ist eine frühzeitige Erkennung entscheidend, um die Krebssterblichkeit zu senken. Neue Technologien wie die Plattformen Craif oder Avantect haben das Potenzial, den Umgang mit der Diagnose und Behandlung von Krebs weltweit grundlegend zu verändern. Künstliche Intelligenz wird zu einer unverzichtbaren Unterstützung im Kampf gegen Krebs. Dank schneller, präziser und nichtinvasiver Methoden kann KI Krebs früher als Ärzte erkennen, was Millionen von Leben retten könnte. Investitionen in diese Technologien und ihre Einführung in die Praxis sind entscheidend für die Zukunft der Medizin und für eine Verbesserung der Heilungschancen der Patienten.



