Künstliche Intelligenz ist aus den Büros ins Privatleben vorgedrungen. Menschen setzen KI-Agenten nun in einem der sensibelsten Lebensbereiche ein: beim Dating. Manche planen damit ihre Arbeit, andere beenden mit ihrer Hilfe Bekanntschaften. Und ein junger Mann erhielt dank eines einzigen Skripts zweihundert Nachrichten von Frauen aus aller Welt.
Das Prinzip des Skripts
Ben Guez erstellt Inhalte und baut sein eigenes Startup auf. Vor einigen Tagen startete er ein automatisiertes Skript, das sein Instagram-Postfach mit Nachrichten von Frauen überflutete. Der Agent OpenClaw verfolgt die Ergebnisse der Spiele bei der Weltmeisterschaft. Sobald ein Team verliert, startet er Claude AI, die sofort ein kurzes Video erstellt und veröffentlicht. In dem Video sitzt Guez in einem Zug, schaut aus dem Fenster und wirkt am Boden zerstört. Dazu fügt er eine Bildunterschrift hinzu: Falls ein Mädchen aus dem jeweiligen Land emotionale Unterstützung braucht, stehen seine Direktnachrichten offen. Lediglich der Name des Landes ändert sich. Denselben Beitrag nahm er mehr als ein Dutzend Mal auf.
Der Trick besteht darin, dass diese Videos nicht auf seinem öffentlichen Profil erscheinen. Instagram zeigt sie als Testbeiträge an, sodass keiner seiner Follower davon weiß. Innerhalb weniger Tage sammelte Guez so mehr als eine Million Aufrufe und zweihundert Nachrichten. Die Frauen müssen zudem einen weiteren Schritt unternehmen. Guez schreibt in seinem Profil, dass er nur auf Nachrichten antwortet, die über Canary, seine App zum Sprachenlernen, verschickt wurden. Wer ihm schreiben möchte, muss sie herunterladen.
Er selbst spricht von einem wahnsinnigen Potenzial. Er räumt ein, dass das nicht jedem gefallen werde, doch für ihn funktioniere es. Die Frauen seien angeblich nicht wütend, sondern vielmehr beeindruckt und sähen darin eine originelle Idee. Guez behauptet, solange man offenlege, was man tue, sei alles in Ordnung. Die Redaktion von TechCrunch konnte die Reaktionen der kontaktierten Frauen allerdings nicht überprüfen.
Wohin zum Date? Ein Agent berät
Jeff Weisbein leitet eine PR-Agentur und nutzt ebenfalls OpenClaw. Er lernt Frauen aus verschiedenen Teilen Südfloridas kennen und kennt selbst nicht alle Lokale vor Ort. Deshalb lässt er den Bot recherchieren und ein Dokument mit Links erstellen, das erklärt, warum sich der jeweilige Ort für eine bestimmte Art von Date eignet.
Auch er macht daraus kein Geheimnis. Einmal rächte sich das, als ihm eine Frau direkt sagte, dass sie KI-Agenten hasse. Eine künstliche Intelligenz zu fragen, wo man etwas trinken gehen könne, sei Weisbein zufolge vergleichbar mit einer Google-Suche. Einen Roboter für sich Nachrichten schreiben oder Profile anklicken zu lassen, würde er jedoch nicht tun. Kommunikation sei seiner Meinung nach in einer Beziehung entscheidend.
Künstliche Intelligenz plant die Trennung
Sobald es um eine echte Bindung geht, schrecken die Menschen zurück. Dennoch gibt es auch solche, denen künstliche Intelligenz dabei hilft, Beziehungen zu beenden. Eine Programmiererin, die unter dem Namen Cailey auftritt, erstellte in Claude eine Automatisierung. Sie gibt einige wichtige Angaben zu einem Date ein, und das Tool verfasst eine Nachricht im Stil von „Ich möchte dich nicht mehr sehen“. Es verschickt sie selbstständig und zu einem zufälligen Zeitpunkt, damit Cailey sich nicht mit der Angst auseinandersetzen muss, wann sie die Nachricht eigentlich senden soll.
Das funktionierte hervorragend, bis sie ihren Trick direkt bei einem Date erwähnte. Der Mann fragte sie daraufhin, ob er mit ihr oder mit Claude spreche.
Wenn ein Agent in Ihre Privatsphäre eindringt
OpenClaw wurde in diesem Frühjahr zum Hit, doch Sicherheitsexperten warnen von Anfang an. Einem Agenten uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Konten zu gewähren, birgt schließlich Risiken.
Lazer Cohen ist Mitbegründer des konkurrierenden Tools NanoClaw, bei dem Sicherheit im Vordergrund steht. Er weist darauf hin, dass es Fallstricke birgt, Beziehungen einer künstlichen Intelligenz anzuvertrauen. Wann immer man einem Agenten persönliche Daten und Kontozugänge überlasse, sollte ihm zufolge stets auch ein Mensch mitentscheiden. Er selbst beschreibt Fälle, in denen OpenClaw ohne Wissen der Betroffenen ein Dating-Profil für sie erstellte. Oder Fälle, in denen der Agent in seiner Rolle als Dating-Coach anderen Gruppen verriet, dass jemand ihn auch dafür nutzte.
Cohen selbst verbannt künstliche Intelligenz dennoch nicht aus seiner Beziehung. Gemeinsam mit seiner Frau nutzt er die Assistentin Rosie, die die Terminkalender ihrer fünf Kinder im Blick behält.



