Musk dementiert Berichte über geheimes KI-Gerät von SpaceX

Musk dementiert Berichte über geheimes KI-Gerät von SpaceX

Ondřej Barták
Ondřej Barták
Unternehmer und Programmierer
3. 7. 2026
4 Minuten Lesezeit
Musk dementiert Berichte über geheimes KI-Gerät von SpaceX

    Die Zeitung The Wall Street Journal berichtete, SpaceX habe einer kleinen Gruppe von Investoren den Prototyp eines tragbaren Geräts mit künstlicher Intelligenz gezeigt. Das Gerät soll dünner als ein iPhone sein. Es soll mit einem eigenen Betriebssystem laufen und auf Technologien von Musks Unternehmen xAI setzen. Elon Musk wies die gesamte Meldung umgehend als völligen Unsinn zurück. Und genau das löste eine Debatte aus, denn der Milliardär hat in der Vergangenheit auch Dinge dementiert, die sich später als wahr herausstellten.

    Der Zeitung zufolge führte SpaceX ausgewählten Investoren und Partnern eine frühe Version des Geräts vor, noch bevor das Unternehmen im Juni an die Börse ging. Der Prototyp soll ein dünnes Design haben, das das WSJ als filigraner als ein iPhone beschreibt. Im Inneren soll ein Qualcomm-Snapdragon-Chip arbeiten, und das gesamte Gerät soll von einem Betriebssystem angetrieben werden, das SpaceX selbst entwickelt.

    Das wichtigste Verkaufsargument soll die künstliche Intelligenz von xAI sein. Diese sicherte sich das Unternehmen Anfang dieses Jahres, als es die Gesellschaft unter seine Fittiche nahm. Das WSJ erläutert jedoch nicht, wie genau die KI in das System integriert werden soll oder welche zusätzlichen Fähigkeiten sie gegenüber einem gewöhnlichen Telefon hätte.

    Die Quellen der Zeitung wiesen zugleich darauf hin, dass sich das Projekt in einer sehr frühen Phase befinde. Das Design könne sich noch deutlich verändern, und es sei keineswegs sicher, dass das Gerät überhaupt auf den Markt komme. Die Redaktion von TechCrunch schätzt, dass das Ergebnis etwas zwischen einem kleinen Touchscreen-Telefon und einem Gadget vom Typ Rabbit R1 sein könnte.

    Musks Dementi und seine Vorgeschichte

    Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Musk schrieb auf der Plattform X lediglich zwei Worte, mit denen er die Meldung als völlig falsch bezeichnete. Damit wies er kategorisch zurück, dass SpaceX ein KI-Gerät mit eigenem Betriebssystem plane, ebenso wie die Gerüchte über ein tragbares Gerät, das dünner als ein iPhone sein soll.

    Doch hier stoßen wir auf ein Problem. Es ist nicht das erste Mal, dass Musk etwas dementiert, das sich schließlich doch bewahrheitet. Die Website Tom's Hardware erinnert an den April 2024, als die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, Tesla habe die günstige Variante des Model 2 gestrichen. Musk entgegnete damals schroff, Reuters lüge wieder einmal. Das preiswerte Elektroauto in seiner ursprünglich geplanten Form wurde jedoch tatsächlich nie gebaut. Stattdessen setzte das Unternehmen auf das Robotaxi und sprach bei späteren Telefonkonferenzen praktisch nicht mehr über das Model 2.

    Zum Thema Telefon hatte sich Musk bereits früher geäußert. Im Februar dieses Jahres berichtete Reuters, SpaceX arbeite an einem Smartphone und plane bereits seit Jahren mit einem solchen Gerät. Musk sagte damals, ein hypothetisches Starlink-Telefon sei für die Zukunft nicht ausgeschlossen, es würde sich jedoch um ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Gerät handeln, das sich stark von heutigen Telefonen unterscheide. Zugleich dementierte er, dass das Unternehmen ein Telefon entwickle. Seiner jüngsten Aussage zufolge arbeitet SpaceX an keinem solchen Gerät.

    Warum sollte SpaceX ein solches Gerät entwickeln?

    Das Unternehmen verfügt über die nötigen Produktionskapazitäten. Zusammen mit seinem Schwesterunternehmen Tesla beherrscht es die Massenproduktion und hat Zugang zu den Chips, die für den Betrieb eines solchen Geräts erforderlich wären. SpaceX deutet zudem seit Langem an, dass es in den Mobilfunkmarkt einsteigen möchte. Der Dienst Starlink Mobile tritt direkt gegen Netzbetreiber wie Verizon und AT&T an. Ein Analyst spekulierte sogar, dass gerade T-Mobile oder AT&T interessante Übernahmeziele für das Raumfahrtunternehmen sein könnten, auch wenn eine solche Akquisition ausgesprochen teuer wäre.

    Ein Telefon zu bauen, das sich sowohl mit Starlink-Satelliten als auch mit terrestrischen 5G-Netzen verbindet, ist technisch machbar. Es gibt 3GPP-Spezifikationen für sogenannte nicht-terrestrische Netze, und viele heutige Geräte können bereits zumindest Textnachrichten über Satelliten versenden. Tom's Hardware weist jedoch auf einen Haken hin. Ein Modem und eine Empfangseinheit zu entwickeln, die das richtige Gleichgewicht zwischen Leistung, Zuverlässigkeit, Größe und Energieverbrauch erreichen, ist eine gewaltige Herausforderung. Und die Satellitenkonstellation selbst muss genügend Übertragungskapazität für einen weltweiten Betrieb bereitstellen.

    Hinter all dem lässt sich auch ein Kampf der Egos vermuten. OpenAI arbeitet mit Apples ehemaligem Chefdesigner Jony Ive an einem eigenen KI-Gerät, von dem Altman behauptet, es werde ruhiger als ein iPhone sein. Berichte vom vergangenen Herbst deuteten darauf hin, dass es dem Unternehmen nicht gelinge, die Details auszuarbeiten. Vergangene Woche wurde zudem bekannt, dass Paul Meade, der bisherige für das Vision-Pro-Headset verantwortliche Apple-Vizepräsident, zum Hardwareteam von OpenAI wechselt. Wenn OpenAI es versucht, würde Musk es wahrscheinlich ebenfalls versuchen wollen – und besser als die Konkurrenz.

    Der überfüllte Friedhof der KI-Geräte

    Die Begeisterung sollte jedoch gedämpft werden. Der Markt ist mit Telefonen überschwemmt, die von zahlreichen Herstellern produziert werden und allesamt Zugang zu sämtlichen existierenden KI-Modellen haben, darunter Grok von xAI, das von Kritikern bislang eher verhalten bewertet wird. Ein KI-Gerät verkaufen zu wollen und eines kaufen zu wollen, sind zwei verschiedene Dinge.

    Die Geschichte ist zudem voller misslungener Markteinführungen. Unternehmen wie Humane und Rabbit brachten ihre KI-Gadgets mit großem Pomp auf den Markt und scheiterten kläglich. Mit einem neuen Gerät würde sich SpaceX unmittelbar mit Apple, Google, Samsung und anderen Unternehmen messen. Das ist kein Konkurrenzkampf, den ein Unternehmenschef gerne eingestehen würde, insbesondere bei einem Produkt, das noch in den Kinderschuhen steckt, und kurz nach dem Börsengang.

    Kategorie:KI
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