Meta und sein geplantes Modell mit dem Codenamen Watermelon sollen zum Flaggschiff von OpenAI, also GPT-5.5, aufgeschlossen haben. Wang gab dies bei einem internen Treffen mit Mitarbeitern bekannt und berief sich dabei auf sorgfältig beobachtete Vergleichstests. Um welche genau es sich handelte, präzisierte er nicht.
Meta muss dringend Fortschritte im Bereich KI vorweisen. Das Unternehmen hat Milliarden Dollar für Chips, Rechenzentren und das Abwerben von Fachkräften bei der Konkurrenz ausgegeben, konnte Entwickler und Kunden bislang jedoch nicht davon überzeugen, dass seine Modelle zur Spitzenklasse gehören. Sollte Wangs Behauptung zutreffen, wäre dies bislang der stärkste Beleg dafür, dass sich Metas Bemühungen allmählich auszahlen.
Wang beschrieb den Mitarbeitern, wo das neue Modell derzeit steht. „Watermelon, unser nächstes Modell nach Avocado, wird gerade trainiert", sagte er laut einer mit dem Gespräch vertrauten Person. Er fügte hinzu, dass Watermelon etwa zehnmal mehr Rechenleistung als Avocado verbrauchen werde. Das ist die interne Bezeichnung für Muse Spark, das erste Modell dieser Reihe, das Meta im April veröffentlicht hat.
Muse Spark schnitt in Tests ordentlich ab, konnte jedoch weder OpenAI noch Anthropic übertreffen. Die zehnfache Rechenleistung bei Watermelon wirkt wie ein Versuch, diese Lücke mit brachialer Gewalt zu schließen. Und Meta verfügt über die nötigen Mittel. Das Unternehmen teilte Investoren dieses Jahr mit, dass es zwischen 125 und 145 Milliarden Dollar für Chips, Rechenzentren und weitere Ausrüstung ausgeben werde. Ursprünglich hatte es mit einem niedrigeren Betrag von rund 115 bis 135 Milliarden gerechnet.
Wang schrieb auf X, dass er ein Update für das aktuelle Muse Spark vorbereite. Er versprach deutliche Verbesserungen beim Programmieren und bei den sogenannten agentischen Fähigkeiten, also bei der Fähigkeit des Systems, mehrstufige Aufgaben selbstständig zu erledigen. Ziel ist es, den Vorsprung der Konkurrenz zu verkürzen. Als ihn ein Nutzer fragte, wann Meta über ein Programmiermodell verfügen werde, das mit Claude Opus von Anthropic vergleichbar sei, antwortete Wang: „ziemlich bald". Zudem fügte er hinzu, den Menschen werde gefallen, was das Unternehmen vorbereite.
Zunächst einmal sprach Mark eindeutig über die Fortschritte der gesamten Branche bei agentischen Fähigkeiten.
— Alexandr Wang (@alexandr_wang) 3. Juli 2026
Aber wo wir schon beim Thema sind: Unser nächstes Update für Muse Spark erscheint bald. Große Verbesserungen beim Programmieren und bei agentischen Fähigkeiten, um gegenüber anderen führenden Modellen wettbewerbsfähiger zu werden.… https://t.co/uTjx8sZM2A
Interessant ist, was bei demselben Mitarbeitertreffen geschah. Während Wang eine rosige Zukunft zeichnete, räumte Mark Zuckerberg das Gegenteil ein. Laut einer Aufzeichnung, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, sagte er, dass sich die Entwicklung von KI-Agenten in den vergangenen rund vier Monaten nicht so beschleunigt habe, wie er erwartet hatte. Die Wetten auf die neue Struktur hätten sich seinen Worten zufolge bislang nicht ausgezahlt.
Zuckerberg räumte ein, dass die Umstrukturierung des Unternehmens, zu der auch Entlassungen gehörten, nicht so reibungslos verlaufen sei, wie sie hätte verlaufen können. Seiner Aussage zufolge habe sich die Führung beim Zeitpunkt geirrt. Meta entließ dieses Jahr rund ein Zehntel seiner Mitarbeiter und versetzte etwa siebentausend Menschen in Teams, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen. Dies löste Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern aus.
Als im Januar und Februar der Umbau des Unternehmens vorbereitet wurde, seien die Manager laut Zuckerberg „sehr optimistisch" hinsichtlich Werkzeugen wie Claude Code von Anthropic gewesen. Dieser Optimismus hat sich bislang jedoch nicht in Metas eigenen Fortschritten niedergeschlagen. Zuckerberg fügte hinzu, dass er in den kommenden drei bis sechs Monaten einen größeren Nutzen aus den KI-Investitionen erwarte.
Der Widerspruch zwischen den beiden Männern war so deutlich, dass Wang ihn auf X direkt erklärte. Er schrieb, Zuckerberg habe über die Fortschritte der gesamten Branche gesprochen, nicht konkret über Metas Bemühungen. Daran knüpfte er das Versprechen des bevorstehenden Muse-Spark-Updates. Der Markt bildete sich schnell ein eigenes Urteil. Die Meta-Aktie fiel am Freitag nach Veröffentlichung der Berichte um fast fünf Prozent. Der interne Optimismus des KI-Chefs hat die Investoren also bislang nicht überzeugt.
Rufen wir uns in Erinnerung, wie die Konkurrenz aufgestellt ist. OpenAI veröffentlichte GPT-5.5 im April dieses Jahres. Im Juni vergangenen Jahres stellte das Unternehmen dann sein bislang leistungsfähigstes Modell GPT-5.6 vor, das aufgrund von Anforderungen der US-Regierung allerdings noch nicht öffentlich verfügbar ist. Meta zielt mit Watermelon somit auf ein Ziel, das sich selbst immer weiter verschiebt.
Muse Spark, auf dem Meta aufbaut, erschien im April als erstes Modell der Sparte Meta Superintelligence Labs. Zuckerberg gründete sie, nachdem er verfügbaren Informationen zufolge unzufrieden damit gewesen war, wie weit die Llama-Modelle hinter ChatGPT und Claude zurücklagen. An ihre Spitze setzte er Wang, der zuvor das Unternehmen Scale AI geleitet hatte. Meta investierte 14,3 Milliarden Dollar in das Unternehmen und erwarb einen Anteil von 49 Prozent. Wang leitet bei Meta nun ein Spitzenforschungsteam mit der Bezeichnung TBD und beaufsichtigt auch weitere Bereiche, darunter die Entwicklung eigener Hardware.
Quellen: businessinsider.com und timesofindia.indiatimes.com



