Das FBI hat einen Ingenieur des Unternehmens OpenAI festgenommen, das ChatGPT entwickelt hat. Der 35-jährige saudi-arabische Staatsbürger Abdulrahman Alfozan soll laut Staatsanwaltschaft ein Aufnahmegerät in einem Besprechungsraum versteckt haben, in dem sich die Unternehmensleitung traf. Das Justizministerium erklärte, dort seien hochsensible technische, geschäftliche und strategische Informationen besprochen worden. Das Unternehmen entließ den Mann, die Ermittlungen dauern an.
Alfozan trat OpenAI im Juli 2025 als Ingenieur im Produktteam bei. Er studierte am renommierten MIT und an der University of California, Berkeley. Ein YouTube-Video stellte ihn vor einem Monat als einzigen Saudi-Araber vor, der im Unternehmen arbeitet.
Zunächst ermittelte er, wo sich die Unternehmensleitung trifft
Der Strafanzeige zufolge begann Alfozan lange vor der Platzierung des Geräts mit den Vorbereitungen. Über ein internes Arbeitstool suchte er nach den Adressen der Firmengebäude, einer Liste der Besprechungsräume, deren Kapazität, Besprechungskalendern sowie nach Orten, an denen sich die Unternehmensleitung aufhält und Gespräche mit Geschäftspartnern stattfinden.
Die Ermittler stießen auch auf Anfragen, die im September an einen mit dem Konto von Alfozans Ehefrau verknüpften Chatbot gestellt worden waren. Darin fragte jemand, wie man ein Gerät zusammenbauen, modifizieren, installieren, testen und tarnen könne, das kontinuierlich Tonaufnahmen anfertigt und sich aus der Ferne steuern lässt.
Das Kamerasystem in den Büroräumen zeichnete ihn im September etwa sechsmal in der Nähe des Besprechungsraums der Unternehmensleitung auf, obwohl er keine Zutrittsberechtigung dafür hatte. Im Raum selbst gab es damals keine Kamera.
Das Sicherheitsteam fand die Wanze bei einer Routinekontrolle
Das Gerät wurde am 30. September von dem OpenAI-Team entdeckt, das für den Abhörschutz zuständig ist und die Büroräume regelmäßig kontrolliert. In dem Besprechungsraum fand es ein kleines Gerät, das in einen USB-Anschluss auf der Rückseite des Fernsehers gesteckt worden war. Jemand hatte es in Toilettenpapier eingewickelt, damit es nicht zu sehen war. Das Unternehmen stellte später fest, dass es dort etwa zwei Tage lang gewesen war.
Es handelte sich nicht um ein billiges Spielzeug. Laut OpenAI zeichnete das Gerät Ton auf, verschlüsselte die Inhalte und nutzte eine Methode zur Datenübertragung, die die unternehmensinterne Netzwerküberwachung umging. Das Unternehmen bezeichnete es als hochentwickelt.
OpenAI setzte für die Ermittlungen eigene Modelle künstlicher Intelligenz ein. Mit ihrer Hilfe bestimmte das Unternehmen Art und Herkunft des Geräts und ermittelte den Mitarbeiter, der es einige Tage zuvor in dem Raum platziert hatte. Anschließend übergab es den gesamten Fall dem FBI.
Eine Kamera zeichnete ihn bei der Kontrolle des Fernsehers auf
Nach dem Fund installierte das Unternehmen eine versteckte Kamera im Besprechungsraum. Diese zeichnete am 5. Oktober auf, wie Alfozan den Raum betrat und hinter den Fernseher blickte, also genau an die Stelle, an der sich das Gerät zuvor befunden hatte.
Noch am selben Tag ließ der Mann in einem anderen Raum des Gebäudes einen Rucksack unbeaufsichtigt zurück. Sicherheitsmitarbeiter öffneten ihn und fanden darin seine Brieftasche, seinen Ausweis und ein weiteres Aufnahmegerät, das dem aus dem Besprechungsraum sehr ähnlich war. OpenAI gibt an, Beweise für seinen Plan zu haben, ähnliche Wanzen auch an anderen Stellen in den Büroräumen zu platzieren.
Festnahme und Entlassung
Das FBI nahm Alfozan am Freitag, dem 9. Oktober, fest, etwa eineinhalb Wochen nach dem Fund des Geräts. OpenAI entließ ihn noch am selben Tag. Das Unternehmen stimmte den Zeitpunkt der Entlassung bewusst mit dem Vorgehen des FBI ab, um die Ermittlungen nicht zu beeinträchtigen.
Am Dienstag, dem 13. Oktober, erschien der Mann erstmals vor einem Bundesgericht in San Francisco. Die Anklage wirft ihm vor, ein elektronisches Gerät zum Abhören mündlicher Kommunikation eingesetzt oder dessen Einsatz versucht zu haben. In der Strafanzeige wird der Name des Unternehmens zwar nicht genannt, OpenAI bestätigte jedoch alles in einer eigenen Erklärung auf der Plattform X. Auch FBI-Direktor Kash Patel informierte auf derselben Plattform über die Festnahme.
Alfozan bleibt in Bundeshaft. Es ist unklar, ob er einen Rechtsbeistand hat, der sich in seinem Namen äußern könnte. Medien baten ihn um eine Stellungnahme, auf die er bislang nicht reagiert hat.
Die wertvollsten Daten blieben sicher
OpenAI betonte, es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass der Mann Zugriff auf die Modellgewichte, also auf das, was die künstliche Intelligenz während des Trainings gelernt hat, auf den Quellcode oder auf Kundendaten erlangt habe. Das Unternehmen dankte den Ermittlern und Staatsanwälten für ihr schnelles Eingreifen und sagte weitere Zusammenarbeit zu.
Die Behörden haben bislang nicht mitgeteilt, warum und für wen Alfozan die Besprechungen der Unternehmensleitung aufzeichnen sollte. Der Fall ereignet sich zu einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten und China um die Führungsposition im Bereich der künstlichen Intelligenz konkurrieren und amerikanische Technologieunternehmen ihre Geheimnisse strenger hüten als je zuvor.
Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft
Sollte das Gericht Alfozan für schuldig befinden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft, eine Geldstrafe von bis zu einer Viertelmillion Dollar und anschließend drei Jahre unter Aufsicht. Neben seiner Tätigkeit bei OpenAI war er als Partner der Investmentfirma RAED Ventures und als einer der ersten Ingenieure des Technologieunternehmens Nash tätig.
Quellen: nytimes.com, bbc.com und fortune.com



