Ob Sie nun ein gewöhnlicher Mensch sind, der sich für Technologie interessiert, oder einfach nur die neuesten Nachrichten durchstöbern: Das Thema künstliche Intelligenz (KI) ist heute allgegenwärtig. Große chinesische Unternehmen wie Alibaba und ByteDance wollen hochintelligente Modelle entwickeln, können die dafür benötigten Komponenten aufgrund amerikanischer Vorschriften jedoch nicht im eigenen Land kaufen. Wie machen sie es also? Sie verlagern ihre Arbeit ins Ausland, konkret nach Südostasien. Diese Unternehmen nutzen Rechenzentren in Singapur und Malaysia, um Zugang zu Chips von Nvidia zu erhalten.
Amerikanische Kontrollen und chinesischer Bedarf
Alles begann mit den Spannungen zwischen den USA und China im Technologiesektor. Die US-Regierung führte insbesondere unter dem amtierenden Präsidenten Trump strenge Vorschriften für den Export fortschrittlicher Nvidia-Chips nach China ein. Im April 2025 wurden die Beschränkungen für den H200-Chip verschärft, sodass chinesische Unternehmen diese Komponenten nicht mehr direkt kaufen konnten. Diese Chips sind für das Training großer Sprachmodelle (LLMs) von entscheidender Bedeutung. Dabei handelt es sich um intelligente Systeme, die chatten oder wie Menschen Texte generieren können.
Alibaba und ByteDance, zwei riesige Unternehmen, fanden sich damit nicht ab. Stattdessen begannen sie, außerhalb Chinas nach Lösungen zu suchen. Berichten vom Mai 2025 zufolge hob die Trump-Regierung eine frühere Regelung aus der Biden-Ära auf, die eine solche Umgehung verboten hätte. Nun ist es legal, wenn chinesische Unternehmen Rechenkapazität von ausländischen Rechenzentrumsbetreibern mieten, selbst wenn diese Rechenzentren Nvidia-Chips verwenden. Das bedeutet, dass Unternehmen wie Alibaba die Chips nicht kaufen müssen – sie "leihen" sie sich lediglich aus der Ferne.
NVIDIA H200Wie das Training von Modellen im Ausland funktioniert
Sehen wir uns das anhand einiger Beispiele genauer an. Alibaba arbeitet am Modell Qwen, seiner Version eines fortschrittlichen KI-Systems. ByteDance wiederum entwickelt Doubao, das laut Benchmarks zu den besten Modellen der Welt zählt. Diese Modelle benötigen für das Training enorme Rechenleistung – dabei werden gewaltige Datenmengen verarbeitet, damit sie "lernen", wie sie funktionieren sollen. In China verfügen die Unternehmen über Chips von Huawei, die für gewöhnliche Aufgaben wie Inferenz ausreichen (also wenn das Modell bereits läuft und Fragen beantwortet), für intensives Training jedoch nicht leistungsfähig genug sind.
Deshalb wenden sie sich an Rechenzentren in Singapur und Malaysia. Die dortigen Betreiber melden seit April 2025 einen Anstieg der Nachfrage chinesischer Unternehmen. Die Firmen mieten Rechenzeit auf Nvidia-Beschleunigern, trainieren dort ihre Modelle und übertragen anschließend die fertigen Modell-"Gewichte" (also die erlernten Parameter) zurück nach China. Dort führen sie die Modelle dann auf einheimischen Chips aus. Das ist ein cleverer Trick – das Training erfolgt auf modernster Hardware, während die abschließende Nutzung im eigenen Land legal ist.
Ein wichtiger Punkt: Chinesische Unternehmen dürfen private Nutzerdaten nicht außer Landes bringen. Daher muss jede Feinabstimmung eines Modells auf Grundlage chinesischer Daten innerhalb Chinas erfolgen. Das schränkt die Möglichkeiten im Ausland ein, reicht aber für das grundlegende Training aus.
Die Ausnahme namens DeepSeek
Nicht alle Unternehmen gehen denselben Weg. Das in Shanghai ansässige Unternehmen DeepSeek ist anders. Vor der Einführung der amerikanischen Beschränkungen kaufte es große Mengen an Nvidia-Chips und nutzt diese nun direkt in China für das Training seiner Modelle. Darüber hinaus arbeitet es mit Huawei an der Entwicklung neuer chinesischer Chips zusammen. Ingenieure von Huawei sind sogar am Hauptsitz von DeepSeek in Hangzhou stationiert, um bei der Optimierung der Hardware für künftige KI-Generationen zu helfen.
Diese Zusammenarbeit hilft China, seine Abhängigkeit von ausländischen Technologien zu verringern. DeepSeek lotet damit die Grenzen der amerikanischen Beschränkungen aus und unterstützt einheimische Unternehmen wie Huawei dabei, ihre Chips so zu verbessern, dass sie Nvidia eines Tages vollständig ersetzen können.
Auswirkungen auf die globale KI-Landschaft
Diese Verlagerung der Aktivitäten nach Südostasien bedeutet, dass chinesische Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Ihre Modelle wie Qwen und Doubao erreichen eine Leistung, die mit der von Modellen westlicher Labore wie OpenAI vergleichbar ist. Gleichzeitig steigt dadurch die Nachfrage nach Rechenzentren in Singapur und Malaysia, wo sich nun große Mengen an Rechenleistung konzentrieren. Die chinesische KI entwickelt sich trotz geopolitischer Hindernisse immer schneller weiter.



