An einer Kreuzung in Hangzhou steht seit dem Frühjahr ein neuer Roboter-Verkehrspolizist, der 188 Zentimeter groß ist, achtundneunzig Kilogramm wiegt und sich auf Rädern fortbewegt, wobei er niemanden festnehmen darf. Dieses Modell mit der Bezeichnung T2 wird vom Unternehmen SUPCON Information hergestellt und hat während seines Einsatzes auf den Straßen bereits mehr als 170.000 Verwarnungen an Autofahrer und Fußgänger ausgesprochen.
Roboter im Dienst
Seit Mai sind in Hangzhou fünfzehn dieser Maschinen unterwegs, und das Unternehmen SUPCON behauptet, dass an den von ihnen überwachten Orten die monatliche Zahl der Fahrten ohne Helm und der Missachtungen von Stoppschildern um mehr als vierzig Prozent gesunken sei. Die örtliche Verkehrspolizei wollte sich zu diesen Zahlen zwar nicht äußern, dennoch haben die Roboter die Aufmerksamkeit von Behörden im ganzen Land geweckt. Heute sind rund fünfzig von ihnen in acht Städten in drei Provinzen im Einsatz, und bis zum Jahresende soll ihre Zahl auf etwa zweihundert steigen.
Der Roboter kombiniert Kameras, Radar und eine eigene Recheneinheit, wodurch er mehrere Verstöße gleichzeitig überwachen kann. So erkennt er Fahrer ohne Helm, Elektrofahrräder mit Beifahrer, Autos, die hinter der markierten Haltelinie anhalten, sowie Fußgänger, die bei Rot die Fahrbahn betreten.
Der Roboter verfügt über siebengelenkige Arme, mit denen er die üblichen, auf den Ampelzyklus abgestimmten Anweisungen der Verkehrspolizei nachahmt. Die fast zwei Meter große Gestalt ist schon aus der Ferne gut sichtbar, die vorab aufgezeichneten Durchsagen klingen höflich, und neben der Überwachung gibt die Maschine Auskunft darüber, wie man sein Ziel erreicht, wo man parken kann oder was die Verkehrsregeln besagen. Über eine integrierte Notruftaste werden Passanten zudem direkt mit der örtlichen Polizei verbunden.
🇨🇳 Es sieht so aus, als würden Verkehrspolizisten als Nächstes ersetzt.
— Mario Nawfal (@MarioNawfal) 15. August 2026
In China stehen sie bereits draußen im Regen und winken Autos mit perfekter Haltung und ganz ohne Überstunden durch.
Die Roboter beschweren sich nicht, machen keine Pausen und es ist ihnen egal, ob es in Strömen regnet.
Menschlicher Verkehr…
„Er wird nicht müde“
Cao Hui, der bei SUPCON das Zentrum für unbemannte Systeme leitet, will eingreifen, bevor es zu einem Verstoß kommt, und statt einer Strafe im Nachhinein rechtzeitig daran erinnern, damit sich die Menschen schlechte Gewohnheiten gar nicht erst aneignen.
Die Maschinen arbeiten selbstständig von sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends, bewegen sich eigenständig zwischen vorher festgelegten Standorten und werden von niemandem ferngesteuert. Die Polizisten überwachen und positionieren sie lediglich über eine gemeinsame Plattform. Cao ergänzt, dass der Roboter nicht müde werde und lange sowie gleichmäßig arbeiten könne.
Das Unternehmen gibt an, die Roboter Tausende Stunden lang in Touristenvierteln, an Schulen, in Einkaufszentren, während der Hauptverkehrszeit und bei ungünstigem Wetter getestet zu haben. Grelle Sonne, Regen und starke Temperaturschwankungen bereiten Kameras und Radar zwar weiterhin Probleme, dennoch beziffert SUPCON die Erfolgsquote bei der Erkennung von Verstößen auf über fünfundneunzig Prozent.
Von den Ausstellungshallen auf die Kreuzungen
Die Verkehrsroboter sind Teil der chinesischen Bestrebungen, Maschinen aus Vorführhallen in den realen Betrieb zu überführen. Hangzhou testete das erste Exemplar bereits im Dezember, und am ersten Tag der Feiertage zum 1. Mai setzte die Stadt dann eine organisierte Gruppe von fünfzehn Robotern auf den Straßen rund um den Westsee ein. Gemeinsam mit menschlichen Polizisten lenkten sie die Menschenmengen und berieten Touristen. Am selben Tag tauchten ähnliche Maschinen auch in Kaschgar und Ordos auf.
Die Begeisterung für heimische Robotik wird in China derzeit auch von anderen Projekten befeuert. Auf der Weltroboterkonferenz in Peking präsentierte das Unternehmen Unitree einen humanoiden Roboter mit dem Spitznamen Superman. Nach Angaben des Unternehmens kann er auf 12,66 Meter pro Sekunde beschleunigen, was etwas mehr ist als der Wert, den Usain Bolt bei seinem Rekordsprint über hundert Meter erreichte. Aus dem Stand kann er zudem zwei Meter hoch springen.
Die Zukunft ist schon da! 🤖🚦
— Hola Fujian (@HolaFujian) 21. August 2026
Vor Kurzem wurde in Hanjiang, Putian, ein intelligenter Roboter-Verkehrspolizist eingesetzt. Mit präzisen und standardisierten Gesten zur Verkehrsregelung hilft der Roboter dabei, Fahrzeuge und Fußgänger geordnet zu leiten. Er kann rund um die Uhr arbeiten,… pic.twitter.com/PU7nkcaaZY
Beim Export hakt es bislang
Die Hersteller sehen auch außerhalb Chinas Absatzmöglichkeiten. Das Robotikunternehmen AiMOGA, hinter dem der Autohersteller Chery steht, nimmt Länder ins Visier, in denen Polizisten unter extremen Bedingungen arbeiten, also den Nahen Osten mit seinen hohen Temperaturen und Südostasien mit seinen langen Regenzeiten. Laut dem Manager Zhang Guiping ist es jedoch schwieriger, einen Roboter ins Ausland zu verkaufen als ein Auto, denn die Maschine muss in die lokalen Polizeisysteme integriert werden, eine Zertifizierung erhalten und die Datenschutzvorschriften erfüllen. Für mit Kameras und Sensoren ausgestattete Geräte ist dies die größte Herausforderung.
Ähnliche Einwände werden auch in Europa und Großbritannien laut, wo Bürgerrechtsorganisationen davor warnen, dass die routinemäßige biometrische Überwachung im öffentlichen Raum auf diese Weise zur Norm werde. Eine dauerhaft an einer Kreuzung stehende Maschine mit Kamera wirft diese Frage unabhängig davon auf, dass sie niemanden festnehmen kann.
Der chinesische Staat geht unterdessen davon aus, dass der Markt für sogenannte verkörperte Intelligenz bis 2035 ein Volumen von einer Billion Yuan überschreiten wird, und setzt darauf, dass der Umfang der heimischen Produktion letztlich auch die Türen zu ausländischen Märkten öffnen wird. Die US-Behörde FCC hat inzwischen jedoch unter Verweis auf die nationale Sicherheit die künftige Einfuhr von im Ausland hergestellten humanoiden und vierbeinigen Robotern verboten, und zwar in einem derart weiten Umfang, dass vermutlich selbst gewöhnliche Saugroboter unter diese Maßnahme fallen werden.
Quellen: reuters.com, indiatimes.com und wenewsenglish.com



