Microsoft hat gezeigt, dass künstliche Intelligenz dem Unternehmen bereits echtes Geld einbringt. Im Quartal von Juli bis September erzielte es einen Umsatz von mehr als 92 Milliarden Dollar, 19 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit beschleunigte sich das Wachstum gegenüber dem Vorquartal, in dem es 18 Prozent betragen hatte, leicht. Hauptverantwortlich dafür ist der Cloud-Dienst Azure. Die Ergebnisse zeigten jedoch zugleich, wie stark das Unternehmen von einem einzigen Kunden, OpenAI, abhängig ist und wie viel es der Bau neuer Rechenzentren kostet.
Azure wächst schneller, als Microsoft selbst erwartet hatte
Azure ist ein Dienst, über den Unternehmen Rechenleistung von Microsoft mieten. Statt eigene Serverräume zu bauen, betreiben sie ihre Anwendungen, Datenbanken und immer häufiger auch Modelle künstlicher Intelligenz auf Rechnern in den Rechenzentren von Microsoft. Gerade diese Mietkapazitäten sind wegen der KI enorm gefragt.
Der Umsatz von Azure stieg um 48 Prozent auf rund 33 Milliarden Dollar, und Microsoft gab erstmals überhaupt bekannt, wie viel dieser Dienst in Dollar einbringt. Bislang hatte das Unternehmen lediglich das prozentuale Wachstum ausgewiesen. Dabei hatte es selbst mit einem Wachstum von 44 bis 45 Prozent gerechnet und übertraf damit die eigene Prognose mindestens zum fünften Mal in Folge. Für das nächste Quartal stellt Microsoft sogar 49 bis 50 Prozent in Aussicht.
Das gesamte Cloud-Geschäft von Microsoft, zu dem neben Azure beispielsweise das Abonnement der Bürosoftware Microsoft 365 gehört, entwickelte sich ähnlich gut. Es brachte fast 64 Milliarden Dollar ein, 30 Prozent mehr als im Vorjahr, und das Volumen der unterzeichneten Aufträge, die das Unternehmen erst noch erfüllen muss, sprang um 73 Prozent auf 677 Milliarden Dollar.
Microsoft verdient mit KI auch direkt in seinen Anwendungen. Copilot ist ein in Word, Excel oder Outlook integrierter Assistent, der lange E-Mails zusammenfassen, Präsentationen erstellen oder Tabellen auswerten kann. Die Zahl der Kunden mit mehr als 50.000 Copilot-Lizenzen hat sich innerhalb eines Jahres verachtfacht, während die Zahl der täglichen Nutzer im Quartalsvergleich um fast die Hälfte und im Jahresvergleich auf das Fünffache gestiegen ist.
OpenAI zahlt Microsoft mehr als Xbox und Windows zusammen
Hinter der Beschleunigung bei Azure steht allerdings zu einem großen Teil OpenAI, das von Microsoft Server für das Training und den Betrieb seiner Modelle mietet. Die steigenden Cloud-Umsätze glichen einen leichten Rückgang bei Xbox und Geräten aus.
Microsoft gab in seinem Bericht an die US-Börsenaufsicht erstmals bekannt, wie viel das Unternehmen in einem einzigen Quartal von OpenAI erhalten hatte. Es waren 10 Milliarden Dollar, also rund 11 Prozent des Gesamtumsatzes. Das ist mehr, als Xbox, die werbefinanzierte Suche oder Windows-Lizenzen zusammen mit Surface-Computern im selben Zeitraum einbrachten. Der Betrag umfasst sowohl die Servermiete als auch den Anteil, den OpenAI von seinen Einnahmen abführt. Im gesamten vorangegangenen Geschäftsjahr, das im Juni endete, waren es 24,1 Milliarden Dollar, durchschnittlich etwa 6 Milliarden pro Quartal. Hält das derzeitige Tempo an, wird Microsoft auf rund 40 Milliarden Dollar jährlich kommen.
Microsoft besitzt etwa ein Viertel von OpenAI und muss daher nach den Rechnungslegungsvorschriften die gegenseitigen Geschäfte offenlegen. Gemäß einer Vereinbarung vom April wird OpenAI bis 2030 einen Teil seiner Umsätze an Microsoft abführen, wenn auch mit einer Obergrenze, und darf zugleich Rechenleistung bei konkurrierenden Cloud-Anbietern mieten. Allerdings wächst auch der Betrag, den OpenAI Microsoft schuldet. Ende September waren es rund 7 Milliarden Dollar, eine Milliarde mehr als drei Monate zuvor.
Microsoft-Chef Satya Nadella äußerte sich im Gespräch mit Analysten nicht zu dem Anteil von 11 Prozent. Er lobte die neuesten Modelle von OpenAI und wies darauf hin, dass Kunden immer häufiger Modelle verschiedener Unternehmen kombinieren oder eigene Modelle trainieren. Zudem erklärte er, dass es seiner Ansicht nach kein echtes Geschäft sei, einige Quartale lang Wachstum auszuweisen, weil einige wenige Kunden enorme Rechenkapazitäten aufkauften.
Rechenzentren verschlingen Dutzende Milliarden
Damit Microsoft überhaupt etwas vermieten kann, muss das Unternehmen ständig bauen. Die Investitionsausgaben, also die Mittel für neue Rechenzentren, Server, Chips und langfristige Gebäudemieten, erreichten 45,2 Milliarden Dollar. Das sind rund 30 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber weniger, als Analysten erwartet hatten. Microsoft selbst hatte mit 50 Milliarden gerechnet. Allein für Ausrüstung und Bauarbeiten zahlte das Unternehmen mehr als 39 Milliarden Dollar in bar, also mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.
Die niedrigere Zahl bedeutet nicht, dass das Unternehmen auf die Bremse tritt. Jonathan Neilson, Leiter der Investorenbeziehungen, erklärte, dass sich die Übergabe einiger Rechenzentren verzögert habe, die andere Unternehmen für Microsoft bauen. Deshalb würden die Ausgaben in den kommenden Quartalen wieder steigen. Finanzchefin Amy Hood rechnet für den Zeitraum von Oktober bis Dezember mit mehr als 50 Milliarden und für das gesamte Kalenderjahr 2027 mit rund 170 Milliarden Dollar.
Auch die Bereiche, für die Microsoft sein Geld ausgibt, verändern sich. Der Anteil kurzlebiger Ausrüstung, vor allem von Prozessoren und Grafikchips, ist von rund zwei Dritteln auf drei Viertel gestiegen. KI-Chips veralten deutlich schneller als die Gebäude selbst, sodass das Unternehmen sie häufig austauschen muss.
Auch die Rechnungslegung wirkt sich auf die Höhe der Ausgaben aus. Microsoft mietet in deutlich größerem Umfang als Amazon oder Google Kapazitäten von anderen Unternehmen, beispielsweise von CoreWeave. Seit Beginn dieses Geschäftsjahres hat Microsoft die geschätzte Lebensdauer von Rechenzentren von 15 auf 25 Jahre verlängert und wird mehr Mietverhältnisse als gewöhnliche Mieten verbuchen, die nicht zu den Investitionsausgaben zählen. Dadurch erscheinen die Bauausgaben auf dem Papier etwas geringer, die Mietzahlungen werden jedoch an anderer Stelle auftauchen.
Gerade deshalb beobachtet der Markt derzeit vor allem den freien Cashflow. Dabei handelt es sich um das Geld, das dem Unternehmen nach Abzug der Betriebs- und Investitionsausgaben bleibt und beispielsweise zur Ausschüttung von Dividenden oder zur Tilgung von Schulden verwendet werden kann. Microsoft blieben davon im Quartal 18,6 Milliarden Dollar, während es im gleichen Zeitraum des Vorjahres 25,7 Milliarden gewesen waren. Die liquiden Mittel und kurzfristigen Anlagen sanken innerhalb von drei Monaten von 76,8 auf 64,5 Milliarden Dollar. Amy Hood versicherte dennoch, dass das Unternehmen auch in diesem Geschäftsjahr, das im Juni 2027 endet, einen positiven freien Cashflow erzielen werde.
Die Börse reagierte zunächst begeistert auf die Ergebnisse. Der Betriebsgewinn stieg um 21 Prozent auf fast 46 Milliarden Dollar, und die Aktie legte nach der Veröffentlichung der Zahlen im außerbörslichen Handel um fast 6 Prozent zu. Der Marktwert von Microsoft erreichte damit Schätzungen zufolge rund 4 Billionen Dollar und lag damit über dem von Alphabet. Am Donnerstagvormittag wurden die Aktien jedoch für knapp 529 Dollar gehandelt, 0,4 Prozent weniger als zum Handelsschluss am Mittwoch.
Am selben Tag wurde bekannt, dass Microsoft Geld aufnehmen will. Das Unternehmen, das zu den nur zwei US-amerikanischen Konzernen mit der höchstmöglichen Bonitätsbewertung gehört, plant erstmals seit 2017, Anleihen im Wert von 25 Milliarden Dollar zu verkaufen.
Quellen: ft.com, wsj.com und reuters.com



